Für Berlin war es eine Art Premiere – in negativer Hinsicht. Denn zum ersten Mal seit vielen Jahren ist die Stadt auf der Gala zur Vorstellung des neuen Guide Michelin in Frankfurt am Main am Dienstagabend nicht einmal mehr erwähnt worden. Das heißt: Die Inspektoren haben kein neues Sterne-Restaurant in der Stadt ausmachen können, und es gab auch keine Höherwertung in Richtung zwei oder drei Sterne.Schlimmer: Die Sterne für „Skykitchen“ und „Bieberbau“ wurden gestrichen. Nur noch 14 Ein-Stern-Restaurants sind übrig geblieben, ein fast schon historischer Tiefstand. Trostpreis für die Stadt: Schon vor einer Woche wurden zwei neue Restaurants mit dem „Bib Gourmand“ für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausgezeichnet, „Byblos“ und „Salhino“. Einige Sterne wurden zumindest verteidigt Einige Berliner Küchenchefs können sich dennoch als Gewinner der diesjährigen Runde fühlen: Johannes Gehrich („Hugos“), Patrick Ziegert („Cookies Cream“) und Nicholas Hahn („Golvet“) haben ihre Stellen in diesem Jahr angetreten und den Stern somit verteidigt. Aber aus der erhofften Rehabilitation des „Lorenz Adlon Esszimmer“ in die Zwei-Sterne-Liga ist nichts geworden, und auch das immer wieder als Kandidat eingestufte „Tulus Lotrek“ hat es erneut nicht geschafft. In Brandenburg geht der Trend ebenfalls nach unten: Das „Kochzimmer“ in Potsdam ist ebenfalls raus, zwei Ein-Sterner bleiben übrig.In ganz Deutschland hat der Guide nach der Schließung des „Aqua“ in Wolfsburg die Drei-Sterne-Bilanz (12 Restaurants) mit der neuen Auszeichnung des „L. A. Jordan“ in Deidesheim ausgeglichen; das Münchener „Tantris“, hoch gewettet, muss ein Jahr länger bei zwei Sternen verharren.Ferner gibt es vier neue Restaurants mit zwei Sternen, „The Cloud by Käfer“ in München, die „Mühle Schluchsee“ im Schwarzwald sowie zwei neu eröffnete Betriebe, die es sofort auf zwei Sterne schafften, nämlich „Rausch“ und „The Dune“, beide in Frankfurt/Main. Dort hat auch Altmeister Mario Lohninger mit seinem gleichnamigen Restaurant endlich einen Stern erhalten. In ganz Ostdeutschland wurden nur zwei Restaurants neu mit einem Stern ausgezeichnet, nämlich das „1751“ in Schwerin und die „Ostseelounge“ in Dierhagen, beide Mecklenburg-Vorpommern. Neu ausgezeichnete Frauen? Exakt null.Frankfurt ist überhaupt so etwas wie der Gewinner der diesjährigen Michelin-Gala, denn die Stadt hat dem Restaurantführer mit zahlreichen Nebenveranstaltungen über mehrere Tage und einem persönlichen Grußwort der Stadträtin Stephanie Wüst eine großzügige Bühne bereitet, der Oberbürgermeister gab sogar einen Empfang. Als Berlin einige Jahre lang Schauplatz war, kam niemand auf solche Ideen. Der Ehrgeiz für Sterne fehlt Was ist mit der Berliner Gastronomie los? Zwar liegt die Stadt in der reinen Anzahl der Sterne noch immer knapp auf Platz 1 in Deutschland. Aber in der Spitze ist München längst stärker, Hamburg schließt auf. Die Erkenntnisse des Guide Michelin, die als subjektive Werturteile immer strittig sind, spiegeln also deutlich zumindest die Tatsache, dass Berlin das Momentum verloren hat.Ganz anders als in Frankfurt oder München gab es zuletzt praktisch keine Neugründungen mit Sterne-Ehrgeiz mehr, auch Hotels meiden das Thema weitgehend. Das hat sich auch bei den „Foodies“ unter den Touristen herumgesprochen, die bedeutende kulinarische Neuerungen längst anderswo auf der Welt finden.Rückenwind aus der Landesregierung gibt es kaum, auch wenn die Wirtschaftssenatorin bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Bedeutung einer florierenden Gastronomie für die Stadt betont. Stadtpolitiker lassen sich allenfalls ohne viel Aufsehen im „Borchardt“ oder „Grill Royal“ blicken, andere, bessere Restaurants meiden sie – es könnte Wählerstimmen kosten. Und nach draußen stellt man die Stadt lieber als Street-Food- und Club-Metropole dar, macht viel Gewese um Currywurst und Döner.Auch die Gala der „Berliner Meisterköche“, die einzige halboffizielle Veranstaltung zum Ruhm der Gastronomie, ist längst auf diesen Weg eingeschwenkt: Auf den Nominierungslisten, auch der aktuellen, findet Sterne-Küche so gut wie nicht mehr statt. Und das sogar international beachtete, privat organisierte Gourmet-Festival „eat Berlin“ muss alljährlich um seine Finanzierung kämpfen.
Kein neuer Stern für die Hauptstadt: Berlin schaut bei der Gala des Guide Michelin nur zu
Bei der Vorstellung des neuen Guide Michelin wird Berlin nicht einmal erwähnt. Es gibt keinen neuen Stern, zwei werden sogar gestrichen. Das liegt auch an fehlendem Rückenwind aus der Politik.













