Der Vatikan hat den Antrag der deutschen Bischöfe abgelehnt, auch Frauen und Männern ohne Priesterweihe das Predigen in einer Messe zu erlauben. Die Bischöfe hatten die zuständige vatikanische Behörde für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung um eine Ausnahmeregelung für die deutschen Bistümer gebeten, ein sogenanntes „Indult“.Die Reservierung der Predigt für den geweihten Amtsträger im Rahmen der Eucharistiefeier ergebe sich „aus dem sakramentalen und liturgischen Charakter des Aktes selbst“ sowie „aus der besonderen Verantwortung, die durch die Heilige Weihe für die Verkündigung des Wortes in der heiligen Liturgie übertragen wurde“, schreibt der Präfekt der Behörde, der britische Kardinal Arthur Roche, in der fünfseitigen Antwort.Von 1974 bis 1983 war es schon einmal erlaubtDie Predigt sei untrennbar mit der Verkündigung des Evangeliums und mit dem Vorsitz der Feier verbunden. Eine bessere theologische Vorbereitung oder kommunikative Fähigkeiten von Laien, „so wertvoll sie an sich auch sein mögen“, könnten es nicht rechtfertigen, ihnen die Predigt zu übertragen. Die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlichte das Schreiben am Dienstag auf ihrer Internetseite, nahm aber nicht dazu Stellung.Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, forderte die Bischöfe auf, das Schreiben „in keinem Fall als Entmutigung zu lesen“. Das ZdK erwarte, dass die Bischöfe sich gegenüber dem Vatikan „erneut zu ihrer inhaltlichen Position in der Sache bekennen“ und ihre Argumente stärkten, so Stetter-Karp.Nach dem seit 1983 geltenden Kirchenrecht dürfen in einer Eucharistiefeier, einem Gottesdienst mit Kommunionfeier, nur Priester die Predigt halten. In anderen Formen des Gottesdienstes ohne Kommunionfeier können demnach auch Frauen und Männer ohne Priesterweihe predigen. In mehreren deutschen Bistümern ist es langjährige und vom Vatikan geduldete Praxis, dass auch Frauen predigen. In der Schweiz ist dies keine Ausnahme mehr. Aber auch in anderen Ländern, etwa Frankreich, kommen solche Fälle vor.Die Vollversammlung des Reformprojektes „Synodaler Weg“ hatte 2023 beschlossen, den Vatikan um eine offizielle Genehmigung dieser Praxis in Deutschland zu ersuchen. Die Bischöfe stimmten dem mit der nötigen Zweidrittelmehrheit zu. Von 1974 bis 1983 enthielt die Predigtordnung der deutschen Bistümer mit vatikanischer Genehmigung schon einmal die Möglichkeit, dass auch Frauen und nicht zum Priester geweihte Männer predigen dürfen.Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hatte nach seiner Wahl im Februar angekündigt, sich für dieses Ansinnen im Vatikan einzusetzen. Wilmer war auch wegen seiner guten Kontakte nach Rom gewählt worden. Mit seiner Person verbanden Verfechter von Reformen die Hoffnung, durch einen weniger konfrontativen Stil als sein Vorgänger Georg Bätzing den Vatikan gewogener gegenüber deutschen Reformvorhaben zu machen.Weiteres Reformvorhaben des „Synodalen Weges“ gescheitertWilmer äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu der Antwort aus dem Vatikan. Die ablehnende Antwort aus dem Vatikan dürfte an der bisherigen Praxis vorerst nicht viel ändern. Sie erleichtert es Gegnern aber, sich beim Vatikan über Verstöße gegen das Verbot zu beschweren.Mit der Ablehnung des Antrags der deutschen Bischöfe ist ein weiteres Reformvorhaben des „Synodalen Weges“ am Vatikan gescheitert. Zuletzt hatte der Vatikan klargestellt, dass die Handreichung der Bischöfe für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare den römischen Vorgaben widerspricht.