Es ist nicht nur eine Auszeichnung für Alon Meyer, sondern auch ein Signal für die Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Deutschland. Am Dienstag ist der Präsident des jüdischen Turn- und Sportverbands Makkabi in Frankfurt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden, für seine Verdienste um den Sport und seinen Einsatz gegen Antisemitismus.Der 52 Jahre alte Frankfurter ist seit 2007 Präsident von Makkabi Frankfurt, seit 2013 auch Präsident des Dachverbands Makkabi Deutschland. Meyer sei ein „Brückenbauer zwischen Religionen, Generationen und Kulturen“, sagte der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), der das Verdienstkreuz Erster Klasse an Meyer übergab. Er habe dem jüdischen Sport in Deutschland „eine starke Stimme und ein neues Selbstbewusstsein“ gegeben.Rhein hob hervor, dass Meyers Engagement weit über den Sport hinausgehe. Er sei jemand, der die Diskussion nicht scheue und sich weitreichend engagiere, vom Sportplatz bis in die hohen Gremien. Meyer ist hauptberuflich im Immobilienbereich tätig, sein Engagement bei Makkabi ist ein Ehrenamt. Ebenso ist er Mitglied im Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und vertritt diese als Delegierter bei der Ratstagung des Zentralrats der Juden in Deutschland.Verleihung auf dem Makkabi-Campus statt in BerlinAls Präsident von Makkabi ist er außerdem für die Bildungsinitiative Zusammen1 zuständig, die Projekte gegen Antisemitismus im Sport organisiert, und initiierte gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Wanderausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ über deutsch-jüdische Sportler.Dass die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes nicht in Berlin, sondern auf dem Makkabi-Campus in Frankfurt stattfinden konnte, sei eine „Herzensangelegenheit“ für ihn gewesen, sagte Meyer bei der Verleihung. Die neue Sportstätte in der Wilhelm-Epstein-Straße ist Mitte Juni eröffnet worden, nachdem der Verein seit den Achtzigerjahren sportlich keine Heimstätte mehr hatte.„Das ist ein Ort, den es nicht gäbe, wenn es Alon Meyer nicht gäbe“, sagte Rhein bei der Feier. Dass der Verein als größter der Makkabi-Ortsverbände auch einer der größten Breitensportvereine in Frankfurt ist, sei „nicht bloß eine Statistik, sondern ein Statement“.Mehr als 400 Gäste sind zu der Veranstaltung gekommen, bei seiner Rede kämpfte Meyer mit den Tränen: „Es ist eine große Ehre für mich, diese Auszeichnung heute zu bekommen. Es ist ein Ansporn, weiterzumachen mit meiner Arbeit.“ Auch erinnert er an seinen Vater Wolfgang Meyer, der den Frankfurter Verein 1965 mitbegründet hatte und dessen langjähriger Präsident und Ehrenpräsident war.Jüdischer Sportverein ist Anfeindungen ausgesetztDass er selbst nun diese Auszeichnung bekommen habe, sei kein Garant für Sicherheit, sagte Meyer im Anschluss an die Verleihung. Sein Großvater habe 1934 seine drei Brüder überzeugen wollen, vor dem NS-Regime zu fliehen. Zwei der Brüder, die für ihren Einsatz im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden waren, glaubten, sie seien sicher in Deutschland. Später kamen sie in den Gaskammern um.Auch im Jahr 2026 muss Makkabi Frankfurt bei Veranstaltungen weitreichende Sicherheitsvorkehrungen treffen, die Polizei ist auch an diesem Tag vor Ort. Meyer selbst berichtet immer wieder von Anfeindungen, in den sozialen Medien und auf der Straße.Auch deshalb sei die Auszeichnung ein wichtiges Signal, betonte Rhein. „Weil Antisemitismus nicht mit Gewalt beginnt. Er beginnt dort, wo Menschen wegschauen“, so der Ministerpräsident. „Die Demokratie lebt von Menschen, die widersprechen, wenn andere schweigen. Von Menschen, die aufstehen, wenn andere Menschen sich wegducken. Von Menschen wie Alon Meyer.“