Es ist ein Zufallsfund im Internet, der damals bei Teresa Rizos einen „Riesenschock“ auslöst, sagt die Schauspielerin aus München. Über eine Suchmaschine stößt sie vor einigen Jahren auf ein Bild von sich. Oder genauer: auf das Foto eines nackten Frauenkörpers in pornografischer Pose – mit ihrem Gesicht.Dieses manipulierte Bild, ein sogenanntes Deepfake, „hat relativ echt ausgesehen“, erzählt Teresa Rizos. „Es war direkt in der ersten Zeile und für alle öffentlich sichtbar.“ Dies habe ein Gefühl der Scham bei ihr ausgelöst, sagt die heute 39-Jährige. „Man fühlt sich irgendwie ertappt, obwohl man gar nichts gemacht hat.“ Inzwischen sehe sie das anders, betont Teresa Rizos. „Aber damals habe ich die Dimension der Sache nicht verstanden – dass das genauso Missbrauch ist und genauso bestraft werden sollte wie physische Gewalt, auch wenn es virtuelle Gewalt ist.“Genau diese Forderung erhebt auch der bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU). Er hat Teresa Rizos an diesem Vormittag in den Münchner Justizpalast zu einer Pressekonferenz zum Thema Deepfakes eingeladen, damit die Schauspielerin aus der Sicht einer Betroffenen berichten kann. 90 Prozent der mithilfe von künstlicher Intelligenz gefälschten Bilder und Videos tauchten in den Bereichen Pornografie und Nacktheit auf, sagt der Minister. Die Opfer seien in aller Regel weiblich. „Pornografische Deepfakes sollen vor allem Frauen und Mädchen bloßstellen und erniedrigen“, sagt Eisenreich.Ihm zufolge werden die Fälschungen zum Mobben, in Rachepornos oder in betrügerischer Absicht eingesetzt. „Sie verfügen über ein ähnlich hohes Schadenspotenzial wie eine Körperverletzung. Diesem besonderen Unrecht muss das Strafrecht gerecht werden.“Konkret moniert der Justizminister, dass es noch keinen eigenen Straftatbestand für das Phänomen der Deepfakes gibt. Dies habe der Bundesrat auf Initiative Bayerns 2024 gefordert, jedoch sei die Ampelregierung in der Folge untätig geblieben. Vor einem Jahr beschloss die Länderkammer den bayerischen Gesetzentwurf erneut, und inzwischen steht das Thema nicht nur im Koalitionsvertrag, sondern das Bundesjustizministerium plant derzeit auch ein Gesetz gegen digitale sexualisierte Gewalt. Hierzu liegt ein Referentenentwurf aus dem Haus von Stefanie Hubig (SPD) vor, den er ausdrücklich begrüße, sagt Eisenreich. In einigen Punkten gehe ihm die Vorlage aber nicht weit genug.Virtuelle Gewalt sei gleichzusetzen mit realer Gewalt, findet EisenreichSo kritisiert der Minister den vorgeschlagenen Strafrahmen von bis zu zwei Jahren als zu niedrig. Virtuelle Gewalt sei gleichzusetzen mit realer Gewalt, findet Eisenreich. „Für schwerwiegende Fälle wie der Verbreitung von pornografischen Deepfakes hatte ich deshalb bis zu fünf Jahre Haft gefordert.“ Als weiteren Kritikpunkt nennt der Minister das Fehlen einer Regelung zu Identitätsmissbrauch. Bei diesem ebenfalls stark verbreiteten Phänomen täuschen Kriminelle im Internet die Identität einer anderen Person vor, um dann den Ruf ihrer Opfer zu ruinieren oder sich zu bereichern. Als Beispiel führt Eisenreich den Telefonbetrug mittels Schockanrufen oder Enkeltrick an, bei dem die Stimmen von Verwandten täuschend echt imitiert werden, um die Opfer etwa zur Herausgabe von Geld oder Schmuck zu bewegen.„Die aktuelle Debatte um Deepfakes und weit verbreitete Cybercrime-Betrugsmethoden durch Nutzung von Fake-Profilen zeigt, dass gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht“, sagt Eisenreich. Zugleich will er aber auch die großen Online-Plattformen stärker in die Pflicht nehmen. „Es kann nicht sein, dass ein paar Techkonzerne unglaubliche Summen an Geld verdienen, aber die Probleme die Gesellschaft und der Staat tragen müssen.“Mit Blick auf die Verfolgung von Straftaten im digitalen Raum sieht Eisenreich den Freistaat gut aufgestellt. Für „große Fälle“ gebe es die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. Überdies hätten sämtliche 22 Staatsanwaltschaften entsprechende Sonderdezernate, „die sich mit diesen Themen gut auskennen“.Teresa Rizos hat sich damals nicht gegen das pornografische Deepfake-Bild von ihr zur Wehr gesetzt – auch aus Unkenntnis, wie sie heute sagt. „Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, zur Polizei zu gehen.“ Zudem sei ihr die Sache „viel zu unangenehm gewesen, um mit irgendjemandem darüber zu sprechen“, sagt die Schauspielerin. „Ich habe es verdrängt und gehofft, dass es von allein weggeht. Und ich hatte Glück: Nach ein paar Monaten war das Bild wieder verschwunden.“Heute würde sie anders reagieren, betont Rizos – wobei sie davon abrät, auf eigene Faust nach Deepfakes zu suchen. „Auch wenn ich wüsste, dass solche Bilder oder Videos von mir kursieren, würde ich das nicht selbst anschauen“, sagt sie. „Sondern ich würde das abgeben und mir Hilfe suchen.“ Beratung zu allen Formen digitaler Gewalt gibt es beispielsweise anonym beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter der Nummer 116 016.
Schauspielerin Teresa Rizos über Deepfakes: "Es war für alle öffentlich sichtbar“
Als die Münchner Schauspielerin Teresa Rizos sich selbst googelt, entdeckt sie ein gefälschtes Bild von ihr. Wie sie auf das Deepfake reagiert und was Bayerns Justizminister Georg Eisenreich fordert.






