PfadnavigationHomePolitikDeutschlandZDF-Sendung„Ich bin ein bisschen schockiert“ – Juso-Chef Türmer liefert sich Dachdecker-Streit mit LanzStand: 12:36 UhrLesedauer: 4 MinutenModerator Lanz und Juso-Chef Türmer
Quelle: ZDF und Cornelia LehmannMarkus Lanz nimmt sich die Vorschläge der Rentenkommission vor – und bringt Juso-Chef Türmer mit Zahlen und Nachfragen sichtbar in Bedrängnis. Der SPD-Politiker sieht in der geplanten Reform einen „entscheidenden Konstruktionsfehler“.Endlich hat die Rentenkommission Vorschläge vorgestellt, die – zur Überraschung vieler – sogar positive Resonanz erhalten haben. Nicht so allerdings bei Juso-Chef Philipp Türmer. Der SPD-Politiker sprach in der Sendung von Markus Lanz am Dienstagabend von einem „entscheidenden Konstruktionsfehler“ des Konzepts: „Und zwar, dass von dieser Rente vor allen Dingen so Leute profitieren würden wie ich.“ Seine Kritik entspreche dem Grundgefühl vieler Menschen: „Das Motto dieser Rentenreform ist: Wer kürzer lebt, muss länger arbeiten“, sagte der Juso-Chef.Besonders Menschen in körperlich belastenden Berufen würden durch die Reform benachteiligt. „Die Lebenserwartung ist eine Verteilungsfrage“, argumentierte Türmer. Während Akademiker im Schnitt länger lebten, stagniere die Lebenserwartung bei Menschen, „die hart arbeiten“. Dass die sogenannte Rente mit 63 dennoch abgeschafft werden solle, hält er für sinnvoll: „Die Rente mit 63 wurde immer mit dem Maurer begründet, und dann hat aber ganz häufig eher der gut bezahlte Sachbearbeiter“ profitiert.Lesen Sie auchEs war offenbar genau das Stichwort, auf das Markus Lanz gewartet hatte. Der Moderator erinnerte Türmer an frühere Auftritte von SPD-Politikern in seiner Sendung. „Sie saßen hier jahrelang und Ihre Kolleginnen aus der SPD und kamen mir Sendung für Sendung mit dem Dachdecker. So lange, bis ich das Wort Dachdecker nicht mehr hören konnte“, sagte Lanz, bevor er provokant nachschob: „Wie viele Dachdecker gibt es in Deutschland?“Türmer war anzumerken, dass ihn diese Frage kalt erwischt hatte. Die genaue Zahl konnte er nicht nennen. Also lieferte Lanz selbst nach: „Es gibt ungefähr 62.000, 63.000 Dachdecker in diesem Land.“ Dem stellte der Moderator die Zahl der Beschäftigten gegenüber, „die im Büro arbeiten“. Dort liege die Größenordnung „zwischen 18 und 20 Millionen“. „Überlegen Sie mal das Verhältnis“, sagte Lanz in Richtung Türmer.Türmer blieb dennoch bei seiner Linie. „Ich komme ja auch gar nicht mit den Dachdeckern“, sagte er. Gemeint seien allgemein Beschäftigte, „die hart arbeiten“, etwa „die Pflegekraft“, „der Logistiker“ oder Menschen „auf dem Bau“. Es sei „ein bisschen unfair“, wenn diejenigen, „die früher sterben“, genauso lange arbeiten müssten wie Akademiker.Lanz hielt dagegen. „Niemand hier in der Runde und ich am allerwenigsten gönne einem Dachdecker nicht die deutlich frühere Rente“, sagte der Moderator. Zumal in dem Entwurf der Kommission stehe, dass eine Einzelfallprüfung möglich sei. Außerdem wies Lanz darauf hin, dass viele Dachdecker schon heute gar nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter arbeiten würden. Zahlen lieferte dazu CDU-Bundestagsabgeordneter Pascal Reddig, Mitglied der Rentenkommission: „Ich glaube, dass zehn Prozent der Dachdecker überhaupt noch nach 60 Jahren arbeiten.“Lesen Sie auchDer Juso-Chef reagierte zunehmend genervt auf die Debatte und darauf, dass Lanz wissen wollte, wie er seine Kritik denn begründe. Schließlich platzte ihm der Kragen: „Ich bin ein bisschen schockiert darüber, dass eine einfache These, nämlich die These, dass ein Renten-System darauf achten sollte, wie gesund jemand ist, wie lange jemand lebt …“, sagte Türmer.Reddig widersprach entschieden und stellte sich direkt gegen Türmers Argumentation. „Das Problem ist ja nicht die These. Das Problem ist die Schlussfolgerung, die Du daraus ziehst“, erklärte der CDU-Politiker Türmer. Eine stärkere Orientierung an Beitragsjahren würde aus seiner Sicht letztlich auf eine Ausweitung der „Rente mit 63“ hinauslaufen. Genau dieses Modell habe aber gerade nicht die Menschen erreicht, „die wir eigentlich erreichen wollen“. Statt pauschaler Lösungen „mit der Gießkanne“ brauche es deshalb „zielgenaue Lösungen für die Menschen, die das wirklich betrifft“. Ziel müsse es sein, „darauf zu achten, dass diejenigen, die wirklich nicht mehr können, auch geschützt werden“.Lesen Sie auchAber auch die Journalistin Kerstin Münstermann kritisierte den Vorschlag, allerdings nicht auf der Gefühlsebene, sondern sachlich. Die Vorschläge der Rentenkommission selbst seien zwar positiv aufgenommen worden, problematisch sei allerdings, dass es bislang keinen konkreten Zeitplan gebe. „Das große Verknüpfungspaket“ aus Rente, Pflege, Krankenversicherung und Steuerreform sehe sie bislang nicht, sagte die Journalistin und spielte auf das Versprechen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach einem „Herbst der Reformen“ an. Die Vorschläge müssten nicht nur öffentlich verteidigt, sondern auch innerhalb der Koalition durchgesetzt werden. Dabei seien bei Themen wie Steuerreform oder höheren Sozialabgaben die Konflikte zwischen Union und SPD längst sichtbar.Reddig allerdings versuchte zu beschwichtigen. Auch er halte es für notwendig, dass die Reformvorschläge nun möglichst schnell politisch umgesetzt werden müssten. „Wir spüren den Druck, der gerade im Land da ist, weil die Menschen wollen, dass wir das hinbekommen“, sagte der CDU-Politiker. Aus seiner Sicht müsse es „auf jeden Fall vor der Sommerpause“ einen Kabinettsbeschluss mit Eckpunkten geben.kami






