Nach monatelangen Beratungen hat die Rentenkommission ihre Vorschläge an die Bundesregierung übergeben. Doch werden diese nun vollständig umgesetzt, wie es sich Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erhoffen?Darüber diskutieren bei „Lanz“ unter anderem zwei junge Politiker, die einen sehr unterschiedlichen Blick auf die Reformvorschläge haben. Die ZDF-Sendung vom Dienstagabend in der TV-Kritik. Die Gäste Philipp Türmer (SPD), Juso-VorsitzenderPascal Reddig, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied der RentenkommissionKerstin Münstermann, Leiterin der Parlamentsredaktion der „Rheinischen Post“ Die Ausgangslage Deutlicher hätten Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas ihren Appell kaum formulieren können. „Alle Elemente, ich betone, alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden“, sagte Merz bei der Übergabe der Vorschläge der Rentenkommission am Dienstagmorgen. Auch Bas betonte, es dürfe „kein Rosinenpicken“ geben, schließlich greife in dem Maßnahmenpaket alles ineinander.Fragt sich nur, ob Merz und Bas ihre eigenen Leute davon abhalten können, derart weitreichende Maßnahmen öffentlich zu hinterfragen. Schon jetzt melden sich Kritiker zu Wort, etwa Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. „Ich bin nicht der Meinung des Kanzlers, dass diese Vorschläge eins zu eins umgesetzt werden müssen“, sagte die SPD-Politikerin dem Tagesspiegel.Bei „Lanz“ findet an diesem Abend eine Art Probe aufs Exempel statt. Wie in der Sendung über die Vorschläge der Rentenkommission diskutiert wird, lässt erahnen, wie die Debatten in den kommenden Wochen und Monaten aussehen werden. Fest steht: Es wird wohl deutlich kontroverser zugehen, als es Merz und Bas lieb sein dürfte. Drei gegen einen Ein wenig erinnert die Dynamik zwischen den Gästen in der Sendung an ein bekanntes Ballspiel. Mehrere Spieler werfen sich einen Ball zu, den ein Spieler in der Mitte zu fangen versucht. Dieser Spieler ist Juso-Chef Philipp Türmer.Die Journalistin Kerstin Münstermann, der CDU-Politiker Pascal Reddig und Moderator Lanz spielen einander den Ball zu, unterstützen sich also mit Argumenten für die Rentenreform. Unterdessen sitzt Türmer in der Mitte und versucht, mit Kritik an einzelnen Maßnahmen durchzudringen.Münstermann zeigt sich von den Vorschlägen der Rentenkommission beeindruckt. Sie habe noch nie ein Rentenkonzept gesehen, dem es gelungen sei, „das gesamte System mal neu anzugehen“, sagt sie beinahe erstaunt. Philipp Türmer, der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten (Jusos), beim Bundeskongress 2025. © dpa/Harald Tittel „Ist doch großartig – wenn da nicht Philipp Türmer wäre“, witzelt Lanz. Denn der Juso-Chef stimmt nicht in die allgemeine Euphorie ein. „Das hat Licht und Schatten“, sagt er über die Reformvorschläge. Zwar lobt Türmer, dass Beamte und Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden sollen.Die Reform habe aber einen „Konstruktionsfehler“, beklagt der Juso-Chef: „Wer kürzer lebt, muss länger arbeiten.“ Diejenigen, die früh ins Berufsleben starten und einer anstrengenden körperlichen Tätigkeit nachgehen würden, müssten künftig zur selben Zeit in Rente gehen wie Akademiker mit weitaus komfortableren Berufen. Und das, sagt Türmer, obwohl erstere eine viel geringere Lebenserwartung hätten.Solche Aussagen seien „der Grund, warum ich eigentlich der Meinung war, dass Politiker nicht in die Kommission sollten“, kommentiert Pascal Reddig, der als CDU-Vertreter selbst der Rentenkommission angehörte. „Hat ja gut geklappt, wenn man Sie anschaut“, bemerkt Lanz ironisch.Herr Lanz, ich habe das Gefühl, ich bin heute ein bisschen hier bei einem Schätzquiz gelandet.Juso-Chef Philipp Türmer (SPD)Von der Rente mit 63 hätten vor allem Besserverdienende profitiert, korrigiert Reddig seinen Kontrahenten. Eine Rente nach Beitragsjahren, wie Türmer sie fordere, würde diese Ungleichheit verfestigen. Damit habe man sich in der Kommission ausführlich beschäftigt.„Die Leute sollten nicht so lange arbeiten müssen, bis es gesundheitlich gar nicht mehr geht“, beharrt der Juso-Chef auf seinem Argument. Da wird es Lanz zu bunt. „Warum tun Sie ständig so, als wäre das die Idee?“, fragt er gereizt und löchert Türmer mit Fragen nach Zahlen. Der Moderator möchte zum Beispiel wissen, wie viele Menschen in Deutschland bisher die Rente mit 63 in Anspruch nehmen.„Herr Lanz, ich habe das Gefühl, ich bin heute ein bisschen hier bei einem Schätzquiz gelandet“, sagt Türmer irgendwann. „Durchaus“, erwidert Lanz trocken, „wenn Sie es nicht wissen, ist es schätzen.“ Wer so argumentiere wie Türmer, müsse doch „die Basiszahlen irgendwie draufhaben“, findet er. Der eigentliche Konflikt Immer wieder zeigt sich, dass beim Streit über einzelne Reformvorschläge zugleich ein anderer, tiefgreifenderer Konflikt ausgetragen wird: Strittig ist, ob man über den Maßnahmenkatalog der Rentenkommission überhaupt diskutieren sollte oder ihn besser direkt umsetzt.Es gehe doch darum, „die staatliche Rente für alle besser zu gestalten“, wirbt Münstermann eindringlich für die Rentenreform. „Aber ich finde es auch in Ordnung, dass man seine Meinung dazu sagt“, erwidert Türmer. „Das ist ein Vorschlag, nicht die zehn Gebote.“Reddig dagegen sieht es als „Grundproblem“, dass jeder Reformvorschlag in den vergangenen Jahren „zerredet“ worden sei. „Das nervt die Leute“, findet er. Wenn man nun wieder in denselben Reflex verfalle, „dann wird es keine Reformen geben“.Türmer lässt sich davon wenig beeindrucken. Natürlich wolle er ein steigendes Rentenniveau, sagt der Juso-Chef. „Aber trotzdem nehme ich mir heraus, zu kritisieren, wo ich der Meinung bin, dass man es besser machen kann in der Umsetzung.“Auch an seiner eigenen Parteivorsitzenden äußert Türmer leise Kritik. Bärbel Bas hatte das Reformpaket als Gesamtkunstwerk bezeichnet, das man nicht auseinanderpflücken könne.„Ich finde das mit dem Gesamtkunstwerk ein bisschen übertrieben“, sagt der Juso-Chef. Und stichelt sogleich gegen Reddig und die Kommission: „Ich habe Respekt vor eurer Arbeit. Aber du bist Pascal Reddig und nicht Pablo Picasso.“
Juso-Chef bei „Markus Lanz“: „Du bist Pascal Reddig und nicht Pablo Picasso“
Bei „Lanz“ kritisiert Juso-Chef Philipp Türmer die Pläne der Rentenkommission – und wird sogleich von allen Seiten in die Mangel genommen. Zwischendurch fühlt sich Türmer wie in einer Quizshow.














