In Ungarn werden am kommenden Samstag erneut Zehntausende Menschen zur Budapest Pride erwartet. Während Polizei und neue ungarische Regierung die LGBTIQ-Veranstaltung in diesem Jahr nicht verbieten wollen, erhitzt sie erneut die Gemüter unter den politischen Gegnern. Die Opposition sprach sich in einem Schlagabtausch im Parlament zu Wochenbeginn gegen die Demonstration aus.Neben den Christdemokraten, dem Bündnispartner von Viktor Orbáns Fidesz-Partei, lehnen auch die Vertreter der rechtsextremen Partei Mi Hazank das Event ab. Es sei ein Affront, dass die Veranstalter dafür ausgerechnet den Gedenktag des Heiligen Ladislaus (Laszlo) ausgewählt hätten; das Patronatsfest des ungarischen Königs wird in Kirchenkreisen bis heute hochgehalten. Internationales Lob Weiterhin verwiesen die Kritiker auf den Kinderschutz. Diesen hatte der inzwischen abgewählte Regierungschef Orbán stets als Argument herangezogen, um die Pride-Märsche im Land zu verbannen. Sein Nachfolger Péter Magyar lehnt ein Verbot ab. Man habe angesichts der Rekordteilnehmerzahl gesehen, dass ein solches wirkungslos sei.In einem offenen Brief begrüßten 44 diplomatische Vertretungen und Kulturorganisationen, darunter das Goethe-Institut, diese Haltung. Damit habe die neue Regierung bekräftigt, „dass Ungarn für jeden Ungarn eine Heimat sein wird“, hieß es in dem Schreiben.Für Aufsehen vor dem Pride-Event sorgte am vergangenen Wochenende ein Vorfall, bei dem ein Mann auf der Budapester Elisabethbrücke angebrachte Regenbogenflaggen herunterriss und in die Donau warf. Laut Polizeiangaben vom Dienstag konnte der 58-jährige Täter ermittelt werden; ihm droht eine Anzeige wegen Sachbeschädigung.Budapests liberaler Bürgermeister Gergely Karácsony bekräftigte daraufhin seine Unterstützung für die queere Veranstaltung. (KNA)