Es ist die allerletzte Empfehlung der Rentenkommission, Nummer 33 von 33. In der Kurzfassung klingt sie unspektakulär: Die Kommission empfiehlt, die Deutsche Rentenversicherung „organisatorisch so weiterzuentwickeln, dass sie ihre Aufgaben künftig effizienter, schneller und bei gesicherter Flächenpräsenz zugleich bürgernäher erfüllen kann“.Die Langfassung aber hat es in sich. Zu finden ist sie auf den Seiten 69 bis 72 des vollständigen Abschlussberichts, der am Dienstag vorgestellt wurde. Die Experten fällen ein deutliches Urteil über den Zustand der Institution, die die Alterssicherung von Millionen Menschen abwickelt.Die Deutsche Rentenversicherung nämlich besteht aus 16 rechtlich selbstständigen Versicherungsträgern. Die Deutsche Rentenversicherung Bund nimmt Querschnitts- und Grundsatzaufgaben sowie obendrauf eigene Trägeraufgaben wahr. Durchregieren aber kann sie nicht. Für ein eindeutig misslungenes Konstrukt halten das die Kommissionsmitglieder.Entscheidungen werden auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner getroffen und lassen sich oft nicht durchsetzen.Aus dem Abschlussbericht der RentenkommissionZwar sei die Struktur politisch erklärbar, sie passe aber nur begrenzt zu einer Rentenversicherung, die Leistungen nach bundesweit einheitlichen Regeln erbringe, heißt es im Bericht. Die Folgen seien eine Vielzahl an Gremien und ein erheblicher Abstimmungsaufwand. Die doppelte Selbstverwaltung in Vorständen und Vertreterversammlungen, verschiedenen historisch gewachsenen Gremien, komme obendrauf.„Auch die Leitung ist hochgradig fragmentiert“, kritisieren die Experten. Es gebe bei den 16 Trägern 38 Geschäftsführungsmitglieder, mehr als 100 Vorstandsmitglieder und fast 500 Mitglieder der Vertreterversammlungen. Für trägerübergreifende Fragen brauche es Zwei-Drittel-Mehrheiten, damit fehle im Konfliktfall eine eindeutig mandatierte Entscheidungsspitze.„Schwerfällig und langsam“ sei die Steuerung. „Entscheidungen werden auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner getroffen und lassen sich oft nicht durchsetzen.“ Größenvorteile würden häufig nicht genutzt, weil die Träger vielfach eigenständig agierten. Es geht um Milliarden und die Frage, warum es so teuer ist Die Folge aus Sicht der Experten ist eine beträchtliche Geldverschwendung, die im Bericht allerdings etwas vornehmer benannt wird: Von „Wirtschaftlichkeitsreserven“ aufgrund der „Steuerungs- und Effizienzdefizite“ ist dort die Rede. Die Verwaltungsausgaben seien zwar im Vergleich zu den Gesamtausgaben mit 1,3 Prozent gering. In absoluten Zahlen sei die Höhe, nämlich 5,6 Milliarden Euro pro Jahr, aber „erheblich“.Die Kommission empfiehlt daher, die Leitungsaufgaben bei der DRV Bund zu bündeln, nach dem Vorbild der Bundesagentur für Arbeit. Die zentrale Steuerungsinstanz solle „durchgriffs- und weisungsfähig“ sein. Dann könnten Größenvorteile, zum Beispiel in der IT, besser genutzt werden. Es sei aber trotzdem wichtig, vor Ort für die Menschen im Land ansprechbar zu sein. Dafür brauche es verlässliche Beratung, erreichbare Anlaufstellen, digitale Zugänge und sichtbare Präsenz in der Fläche. Das Ziel aus Sicht der Kommission: eine Rentenverwaltung, die „konsequent bürgerorientiert“ aufgestellt ist.Der erklärte Wille der schwarz-roten Koalitionsspitze ist es, das Konzept der Kommission ohne Abstriche umzusetzen. Dann müsste also auch die Struktur der Rentenversicherung neu aufgesetzt werden. Bei einem großen Koalitionsgipfel am 1. Juli soll die politische Einigung auf ein Reformprogramm insgesamt und damit auch auf die Änderungen bei der Rente kommen.
Schwerfällig, viel zu teuer, ineffizient: So hart urteilt die Kommission über die Renten-Verwaltung
In ihrem Abschlussbericht hat sich die Rentenkommission auch die Struktur der Deutschen Rentenversicherung vorgeknöpft. Die Experten diagnostizieren, dass jede Menge Geld verschwendet wird.











