PfadnavigationHomeReiseWolfgangsee im SalzkWo die Welt noch heil istVon Peter LindenStand: 07:34 UhrLesedauer: 6 MinutenDirekt am Wolfgangsee gelegen: Hotel „Im Weissen Rössl“Quelle: Hotel Im Weissen RösslAm 30. Juni feiert St. Wolfgang den 100. Geburtstag Peter Alexanders. Das Idyll am Wolfgangsee hat sich zu einem Pilgerort für Freunde des Heimatfilms entwickelt. Passt das noch in die Zeit?Als Ignaz Buchinger am 20. Juli 1999 zu seinem St. Wolfganger Lichtspielhaus spazierte, mit der Befürchtung, die Vorstellung um 16.30 Uhr wohl wie so oft allein zu erleben, traute er seinen Augen nicht: Vor der Kasse hatte sich eine Schlange gebildet, die bis zum „Hotel Scalaria“ reichte.Angestiftet von einem Freund hatten sich mehr als 200 Menschen versammelt, um dem Ignaz zu seinem 75. Geburtstag eine besondere Freude zu bereiten. Einmal noch sollte er seinen Lieblingsfilm „Im weißen Rössl“ vor vollem Haus erleben. Einmal noch wollten sie die Liebesgeschichte des Oberkellners Leopold und der Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber gemeinsam vor großer Leinwand feiern. Einmal noch kollektiv mitsingen oder mitsummen, wenn der große Peter Alexander einen seiner größten Schlager anstimmt: „Im weissen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür.“Ignaz Buchinger musste ein Jahr später dennoch aufgeben. Das Fernsehen, die Videokassetten und schließlich die DVD hatten auch seinem Kino den Garaus gemacht. Und so endete an einem Septembertag im Jahr 2000 eine 40-jährige Tradition. Ein letztes Mal hatte Buchinger die „Rössl“-Filmrolle eingelegt, wie immer um 16.30 Uhr und wie gut 10.000 Mal in all den Jahren zuvor.Unterm Strich war die 1960 verfilmte Operette jedoch ein gewaltiger Erfolg: Sie löste eine Welle von Neuverfilmungen und Imitaten aus, darunter die perfide Parodie „Im schwarzen Rössl“ aus dem Jahr 1961. Darin kämpft und singt der heruntergekommene Nachbar fantasievoll gegen das „Weisse Rössl“ an. Vor allem aber machte sie St. Wolfgang im Salzkammergut zum Epizentrum und Pilgerort des Heimatfilms.Schnulzenhit vom GlückDas zeigt sich auch Jahrzehnte später, im Frühsommer 2026. Auf dem Marktplatz zwischen „Schwarzem Rössl“ und „Weissem Rössl“ ist heute eine Kapelle aufgezogen, 80 Männer und Frauen in Tracht. Spaziergänger halten inne, Balkontüren öffnen sich, alle lauschen dem spontanen Konzert. Natürlich darf Peter Alexanders Schnulzenhit vom Glück, das vor der Tür steht, nicht fehlen. Lesen Sie auchEiner der Musiker heißt Franz Eisl, er bläst das Tenorhorn und ist seit 2015 Bürgermeister des 3000-Einwohner-Ortes mit ebenso vielen Hotelbetten. Obwohl Eisl erst 49 ist und eigentlich zu jung für Heimatfilm-Nostalgie, lässt er nichts auf Peter Alexander kommen. „Ich schaue den Film immer wieder gern“, schwärmt Eisl, „er zeigt unsere Gegend. Und er ist immer noch aktuell.“Lesen Sie auchIn diesem Sommer dürfte der Kinoklassiker dem Wolfgangsee einen neuen Besucheransturm bescheren. Denn am 30. Juni wäre Peter Alexander, einer der bekanntesten österreichischen Schauspieler und Sänger, 100 Jahre alt geworden.Seine „Rössl“-Rolle zählt zu seinen bekanntesten, mit ihr verhalf er dem idyllischen Wolfgangsee zu seinem guten Ruf als Reiseziel. Zu den bekanntesten Gästen gehörte Helmut Kohl, der seit den 1970er-Jahren mit Frau und Söhnen rund 30 Mal seinen Sommerurlaub am Wolfgangsee verbrachte. Auch als Bundeskanzler ist er an den See gepilgert – wie vor 700 Jahren bereits die ersten Wallfahrer auf den Spuren des Heiligen Wolfgang.Im Hotel empfängt Fabienne Peter neu eintreffende Gäste. Mit 23 Jahren ist sie die älteste Tochter der „Rössl“-Wirtin Gudrun Peter und designierte Nachfolgerin. So sehr sich das Hotel in all den Jahren behutsam in die Moderne bewegt hat, so wenig möchte man hier ablassen vom Kult um Peter Alexander. Dreimal täglich „Im Weissen Rössl“ Fabienne Peter erzählt, wie sie und ihre Geschwister als Kinder in Omas Garten den Film nachspielten – sie als Wirtin, eine der beiden Schwestern als Leopold. Und dass es im Haus natürlich kein Entkommen gibt: Anrufer erhalten das „Weisse Rössl“-Lied zumindest ein paar Sekunden lang aufs Ohr, ehe sich eine freundliche Stimme meldet.Auf der Fassade sind einige Takte des Ohrwurms aufgemalt. Im Frühstücksraum spielt eine Pianistin sonntags die Melodie sogar live, im hauseigenen TV-Kanal läuft der Film dreimal täglich. Und im „Seerestaurant“ steht Peter Alexander als Pappfigur bereit, damit Gäste Selfies an der Seite des Schlagerstars knipsen können.Nicht einmal Arno Perfaller, Kulturreferent von St. Wolfgang, mag sich an der offenbar niemals versiegenden Liebe zu Peter Alexander und seinen Heimatfilmen stören. Im Gegenteil, das „Weisse Rössl“ sei „der Prototyp der Beschreibung der Sommerfrische: Berge, Seen, schöne Menschen, Liebschaften, Freundschaften, Eifersucht, Happy End“.Es spreche viel dafür, ergänzt Tourismusdirektor Matthias Hinterberger, dass diese heile Welt sogar wieder an Popularität gewinne: „Es ist gerade so eine Zeit, in der es nicht so lustig ist, da bringen wir viel Buntes hinein.“„Schwarzes Rössl“ vs. „Weisses Rössl“Was auch für seine Betriebe gilt. Außer dem Campingplatz Berau betreibt Hinterberger seit einigen Jahren das „Schwarze Rössl“. In Peter Alexanders „Weissem Rössl“ würdigt man die arme Verwandtschaft keines Blicks, während die Parodie keine Gelegenheit auslässt, sich am Star unter den St. Wolfganger Hotels zu reiben.Das armselige Frühstücksbüfett nennen sie im Film „Apfeldiät“, die spärlichen Badezimmer bieten „Kaltwasserkur“, die spartanischen Schlafzimmer „Hartliegetherapie“. Heute bietet Hinterbergers „Schwarzes Rössl“ dem weißen Gegenüber mit viel Farbe und Selbstironie die Stirn, als wertschätzender Nachbar, nicht als geifernde Konkurrenz. Den Weg zur Rezeption im ersten Stock über dem Seiteneingang weisen schwarze Hufabdrücke auf dem Gehweg.Es spricht so gar nichts dafür, rund um diesen 100. Geburtstag Peter Alexanders, dass bald Schluss sein könnte mit den Heimatfilm-Pilgern am Wolfgangsee. Denn nichts geschieht hier gegen die Vergangenheit, die Menschen leben mit ihr, sie tragen sie in sich, modellieren sie. Kulturreferent Perfaller erzählt, dass es kaum jemanden in St. Wolfgang gebe, der nicht zumindest ein Familienmitglied habe, das als Chauffeur oder Statist in dem Film zu sehen gewesen sei.Von den 50 Vereinen, die es 1960 gab und noch immer gibt, hätten gleich mehrere in dem Kinohit ihren Auftritt gehabt, allen voran die Blasmusiker und die freiwillige Feuerwehr. „Meine Großmutter“, fügt er hinzu, „hat für Waltraut Haas die Dirndl genäht“. Waltraut Haas spielte in dem Streifen die „Rössl“-Wirtin, der die damalige echte Wirtin beibrachte, wie eine „Rössl“-Wirtin tickt: stolz, strikt, warmherzig.Lesen Sie auchDann hält Perfaller kurz inne und kommt noch auf den „Stolzfaktor“, wie er es nennt, zu sprechen. Das „Weisse Rössl“ habe in St. Wolfgang auch nach innen gewirkt. So sehr, „dass alle an diesem Projekt mitgearbeitet haben“. Dieses Erbe sei bis heute im Ort enorm wichtig, „sodass jeder es weiterführen will“. Was Peter Alexander, der vor 15 Jahren gestorben ist, auf anrührende Weise unsterblich macht.Tipps und Informationen:Wie kommt man hin? Mit dem Auto via Salzburg und St. Gilgen. Mit der Bahn nach Salzburg, von dort per Bus (Linie 150) über Strobl (umsteigen in Buslinie 546) nach St. Wolfgang.Wo wohnt man gut? „Im Weissen Rössl“, klassisch eingerichtetes Vier-Sterne-Haus mit Spa, Pool und Seezugang, Doppelzimmer mit Frühstück ab 225 Euro, weissesroessl.at. „Schwarzes Rössl“, modern gestaltetes Boutique-Hotel im Ortskern, Doppelzimmer mit Frühstück ab 125 Euro (schwarzesroessl.at). „Weißer Bär“, Vier-Sterne-Hotel mit Gourmetrestaurant „Paula“ (ein Michelin-Stern), Doppelzimmer mit Frühstück ab 185 Euro (weisserbaer.at).Weitere Infos: wolfgangsee.at; salzkammergut.at; austria.info