Auf dem Anwesen am Kapuzinerberg entstand nicht nur Weltliteratur, es traf sich hier auch die künstlerische Elite Europas. Jüngst gab es Aufregung um die Luxusimmobilie – auch wegen grosser Pläne des Noch-Eigentümers: Wolfgang Porsche.Paul Jandl31.07.2026, 05.30 Uhr3 Leseminuten«Ebenso romantisch wie unpraktisch»: der Schriftsteller Stefan Zweig mit seiner Ehefrau Friderike 1922 vor ihrer Villa.Ludwig Boedecker / Ullstein / GettyEin «Castle» nennt der internationale Luxusimmobilienmakler Coldwell Banker das Gebäude am Salzburger Kapuzinerberg. Wohnfläche: 786 Quadratmeter, 12 Zimmer, fast 8000 Quadratmeter Grund. «Eine einmalige Gelegenheit für den Sammler symbolträchtiger Immobilien.» Das Objekt habe «zurückhaltende europäische Finesse». Man kann eine Maklerin in Paris kontaktieren. Ganz falsch ist diese geschäftliche Dislozierung nicht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als «Villa Europa» war das Haus früher berühmt, weil sein Eigentümer, der Schriftsteller Stefan Zweig, hier Geistesgrössen und Künstler des ganzen Kontinents zusammenbrachte. Von 1919 bis zu Zweigs Flucht ins Exil im Jahr 1934 verkehrten unter anderem James Joyce, Richard Strauss, Arthur Schnitzler und Romain Rolland im Haus. Sehr viel früher hatte Mozarts Schwester Nannerl hier Klavierstunden gegeben. In den vergangenen Jahrzehnten war die Villa im Besitz einer Salzburger Modeladen-Familie, um 2020 von einem ungleich Berühmteren erworben zu werden: Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG sowie Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen und Audi.Einen Autotunnel sprengenIn «Die Welt von Gestern» beschreibt Stefan Zweig seine Villa als «ebenso romantisch wie unpraktisch», weiss aber die Zeugen ihrer gloriosen Vergangenheit zu schätzen: «eine prächtige alte Tapete und eine bemalte Kegelkugel, mit der Kaiser Franz 1807 bei einem Besuche in Salzburg eigenhändig im langen Gang dieses unseres Hauses Kegel geschoben». Eine ruhige Kugel wollte Wolfgang Porsche, 83, im ehemaligen Zweig-Anwesen offenbar nicht schieben. Und deshalb gab es um die von ihm für 8,4 Millionen Euro erworbene Immobilie in den letzten Jahren ziemliche Aufregung.12,7 Millionen Euro kostet die «Villa Europa» im derzeitigen Angebot.Manfred Siebinger / ImagoPorsches Projekt war es, einen privaten Autotunnel in den Kapuzinerberg zu sprengen, um sein hoch auf dem Felsen liegendes Anwesen bequemer zu erreichen. Eine unterirdische Privatgarage für zwölf Fahrzeuge sollte auch entstehen. Die Stadt Salzburg hat sich die Bewilligung für das Bauvorhaben auf städtischem Grund ziemlich stillschweigend abkaufen lassen. Erst nachdem die Angelegenheit längst am Laufen war, wurde sie bekannt. Nur 40 000 Euro musste der Spross der Auto-Dynastie dafür zahlen.Dennoch scheint er die Freude an seiner Akquise verloren zu haben. Die Bewilligung für den Tunnelbau wird jetzt vom Immobilienmakler als besonderes Feature gepriesen und treibt den Preis nach oben. 12,7 Millionen Euro kostet die «Villa Europa» im derzeitigen Angebot.Geistiger DenkmalschutzZweigs ehemaliges Schlösschen liegt in der Unesco-Welterbe-Zone Salzburgs, und es ist denkmalgeschützt. Jetzt, wo es zum Verkauf steht, wird dafür auch geistiger Denkmalschutz gefordert. Die Initiative «Öffentliche Stefan-Zweig-Villa» hat unterdessen mehr als 5500 Unterschriften. Neben lokaler Prominenz haben auch die Schriftsteller Michael Köhlmeier, Rafik Schami, Raoul Schrott, Monika Helfer, Kathrin Röggla und Karl-Markus Gauss unterschrieben.Sie haben einen Verbündeten, auf den man bei Immobiliengeschäften nicht unbedingt kommen würde: die Universität Salzburg. Bernhard Fügenschuh, der Rektor der Uni, wird mit den Worten zitiert: «Der Erhalt dieses Erbes und sein Sichtbarmachen für eine breite Öffentlichkeit stellen eine gesellschaftliche Verantwortung dar, der sich die Universität Salzburg verpflichtet fühlt.»Eine Zwischenfinanzierung durch den Bund steht im Raum. Dazu sollen private Sponsoren kommen, die durch Helga Rabl-Stadler, die langjährige Präsidentin der Salzburger Festspiele, angeworben werden könnten. Würde das Projekt gelingen, dann wäre es neben dem in Salzburg bereits existierenden Stefan-Zweig-Zentrum eine weitere symbolische Heimholung des vom Austrofaschismus vertriebenen und 1942 in Brasilien durch Selbstmord ums Leben gekommenen Weltschriftstellers. Auf einen Autotunnel und eine Privatgarage wird man verzichten können.Passend zum Artikel
Die Welt von gestern: Stefan Zweigs legendäre Villa in Salzburg steht zum Verkauf
Auf dem Anwesen am Kapuzinerberg entstand nicht nur Weltliteratur, es traf sich hier auch die künstlerische Elite Europas. Jüngst gab es Aufregung um die Luxusimmobilie – auch wegen grosser Pläne des Noch-Eigentümers: Wolfgang Porsche.







