Wie die Gesundheitskommission wirkt die Rentenkommission mit ihrem Reformkonzept Blockade-lösend. Plötzlich singt SPD-Sozialministerin Bas, die bisher starr „Haltelinien“ des eher magere Renten abwerfenden Umlageverfahrens verteidigt hat, ein Loblied auf eine teils kapitalgedeckte Mischrente. Und CDU-Bundeskanzler Merz wünscht sich, er wäre selbst auf die Idee gekommen, statt der Betriebe für eine solche kapitalgedeckte Zusatzvorsorge die gesetzliche Rentenkasse zu nutzen. Das empfiehlt die Kommission als einfachen und kostengünstigen Weg nach schwedischem Erfolgsmodell, damit künftige Rentner auch in Deutschland dank der Erträge internationaler Kapitalmärkte im Alter besser abgesichert sind.Noch muss die Wirtschaft überzeugt werdenDie Chance auf ein mittelfristig so insgesamt steigendes Rentenniveau wirkt auf Schwarz und Rot elektrisierend. Zudem ist der Umbau mit der Aussicht verbunden, die durch die Reform zunächst leider nochmals stärker steigenden Beitragssätze wenigstens mittelfristig zu stabilisieren, vielleicht gar zu senken. Das scheint nach den Annahmen der Rentenkommission realistisch.Zunächst gilt es, die Wirtschaft zu überzeugen. Dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer jährlich insgesamt zwei Rentenbeitragspunkte (rund 30 Milliarden Euro) zusätzlich aufbringen sollen für den Kapitalstock der Zusatzrente, ist für die unter hohen Standortkosten ächzenden Unternehmen schwer zu verkraften und provoziert Widerstand. Allerdings bringen die empfohlene Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 und das Hinausschieben des regulären Renteneintrittsalters Arbeitskräfte. Das kommt der Wirtschaft entgegen, verärgert aber die Gewerkschaften schwer. Und die Versicherungswirtschaft fürchtet um lukratives Vorsorgegeschäft, wenn künftig der Staat Rentenkapital anlegt. Doch hat sie mit teuren Riester-Produkten auch Vertrauen verspielt.Zum Erfolg kann das klug ausbalancierte Reformkonzept erst werden, wenn sich alle einen Ruck geben und den neuen Mechanismus akzeptieren: In der gesetzlichen Rente bilden künftig die tendenziell sinkende Umlage mit einer hoffentlich steigenden Kapitalrente einen voraussichtlich höheren Grundstock für den Ruhestand. Dafür muss länger gearbeitet und verpflichtend mehr vorgesorgt werden, auch um zu verhindern, dass sich Menschen im Alter auf Sozialhilfe verlassen. Um den Lebensstandard wirklich zu sichern, wird es daneben aber weiterhin auf betriebliche und private Vorsorge ankommen – freiwillig, versteht sich.
Reformpläne: Vor dem Renten-Ruck?
Trotz der Widerstände würde sich der Schritt in Richtung verpflichtender Kapitalrente auszahlen. Alle müssen sich einen Ruck geben.










