Milliardengeschenk für Iran: Die USA heben die Öl-Sanktionen fast ganz auf und bescheren Teheran neue EinnahmenUm die Friedensgespräche zu erleichtern, darf iranisches Erdöl nahezu überall verkauft werden – sogar in die USA. Washington zeigt das grösste Entgegenkommen seit der Islamischen Revolution von 1979.23.06.2026, 16.58 Uhr4 LeseminutenIranische Tanker dürfen die Golfregion ohne Einschränkungen verlassen: Szene an der Küste von Oman.Elke Scholiers / GettyBei den Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran gibt es noch viele Hindernisse zu überwinden – aber ein Weg ist bereits frei: der Weg zu höheren Einnahmen für die iranische Staatskasse. Die USA haben die Erdöl-Sanktionen gegen das islamische Land weitgehend aufgehoben. Das war im Rahmenabkommen vorgesehen, das Washington und Teheran in der vergangenen Woche vereinbart hatten. Doch dort blieb der Zeitpunkt unklar.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Aufhebung kommt nun sehr früh. Sie ist zunächst auf 60 Tage beschränkt und deckt sich mit der Verhandlungsphase, die beide Länder im Abkommen angesetzt haben. Dabei geht sie überraschend weit: Fast alle Käufer von iranischem Rohöl oder Ölprodukten sind nun von fast allen Verboten befreit. Zum Beispiel dürfen sie die Lieferungen in Dollar bezahlen, was dem Regime Zugang zu dringend benötigten Devisen gibt. Auch dürfen die Kunden Tanker der Schattenflotte nutzen, die eigentlich unter Sanktionen stehen.Öl ist jetzt fast so günstig wie vor dem KriegNeu ist es sogar erlaubt, iranisches Öl in die USA zu exportieren. Nach verbreiteten Einschätzungen summiert sich das zur grössten Lockerung der amerikanischen Ölsanktionen seit der iranischen Revolution von 1979. Der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance begründete den Schritt am Montag mit der Bereitschaft Irans, Inspektoren den Zugang zu seinen Nuklearanlagen zu gestatten. Vance hatte die Verhandlungen am Bürgenstock über das Wochenende persönlich begleitet.Am Erdölmarkt liess die Reaktion nicht lange auf sich warten: Der Preis für ein Fass der Referenzsorte Brent fiel am Dienstag bis auf 76 Dollar. Rohöl ist damit fast so günstig wie vor Beginn des Iran-Kriegs, als ein Fass bei 73 Dollar notierte. Während der Kampfhandlungen war der Preis auf mehr als 118 Dollar geklettert. Die internationale Freigabe von Ölreserven, geringere Importe Chinas und grössere Exporte der USA verhinderten einen stärkeren Anstieg.Die bis 21. August geltende starke Lockerung sei eine Kehrtwende nicht nur von Trumps jüngster Drohkulisse gegen den Iran, sondern auch von dem über Jahrzehnte aufgebauten Sanktionsregime der USA, kommentierten Analysten. Die Erleichterung bringe einen wirtschaftlichen Rettungsanker für Iran, schrieb Miad Maleki von der Washingtoner Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies auf der Plattform X. Allein jenes Öl sei zwischen 8 und 9 Milliarden Dollar wert, das bereits auf iranische Tanker verladen wurde, die den Golf noch nicht verlassen haben.Indien könnte zum grossen Kunden werdenUnter dem bisherigen Sanktionsregime hatte Iran sein Rohöl vor allem an kleine Raffinerien in China verkauft. Die neue Lockerung geht deutlich weiter als eine befristete Erleichterung, die Washington im März gewährt hatte. Sie könnte das Öl nun für grosse chinesische Käufer interessant machen – und auch für solche aus Indien. Der Subkontinent ist in erheblichem Masse auf Öleinfuhren angewiesen und war früher ein grosser Importeur von iranischem Öl.Wenn der Malus amerikanischer Sanktionen verschwunden ist, könnte auch der Preis für das iranische Öl steigen und so die Staatseinnahmen zusätzlich stützen. Ähnlich wie Öl aus Russland wurden auch diese Lieferungen wegen der Strafen mit Abschlägen verkauft.Aus Teheran wurde bereits gemeldet, europäische Ölhändler interessierten sich für Ladungen. Wie schnell Iran nun legale Handelsstrukturen aufbauen und die jahrelang gepflegte Praxis der Schattenflotte hinter sich lassen kann, muss sich zeigen. Aufgrund der Kriegsschäden und der jahrelangen Sanktionen werden die iranischen Ölanlagen ihre Förderung allerdings nicht schnell steigern können.Doch beim Exportweg hat das Land nun einen Vorteil: Die USA haben im Zuge des Rahmenabkommens die Seeblockade gegen iranische Schiffe aufgehoben. Im Gegenzug hat Iran die Erhebung einer Maut für die Meerenge von Hormuz ausgesetzt, während es mit anderen Golfstaaten über künftige Regelungen für die Durchfahrt verhandelt.Hormuz-Unsicherheit nützt in IranJedoch hat Iran einen Bereich der strategisch wichtigen Seestrasse vermint. Deshalb zögern viele westliche Reeder mit dem Transit und warten auf grössere Klarheit und Sicherheit. Hingegen können iranische Tanker die Meerenge von Hormuz ungehindert und gefährdet befahren.Der Verkehr durch die Meerenge hat in der vergangenen Woche bereits zugenommen, ist aber noch weit vom Vorkriegsniveau entfernt. Auch die Ausfuhren von Öl und Ölprodukten durch die Seestrasse erreichten vergangene Woche laut der UBS die höchsten Werte seit Kriegsbeginn, wenngleich auf ebenfalls tiefem Niveau.Die Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass die Ölexporte durch die Meerenge bis Ende Juli rund 70 Prozent des früheren Umfangs erreichen werden. Die Rohölförderung in der Region könne sich bis Ende Oktober normalisieren. Wenn die Lockerungen der Sanktionen gegen Iran Bestand haben, gibt es dann auch für Teheran eine neue Normalität.Passend zum Artikel
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