Das ESG-Konzept, das Unternehmen nach ihrem Einsatz für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung bewertet, vereint gedanklich weit voneinander entfernt liegende Themen. Das hat ihm die Reputation von gutmenschlichem Investieren eingehandelt. Durch die europäischen Nachhaltigkeitsberichtspflichten (CSRD) sind Konzerne dazu gezwungen, sich mit diesen Fragestellungen auseinanderzusetzen.Zum zweiten Mal haben Dax- und M-Dax-Unternehmen nun Nachhaltigkeitsberichte nach diesen Regeln vorgelegt. Und es zeigt sich, dass sie auch einen Einfluss auf die Steuerung der Unternehmen haben. So verknüpfen immer mehr Konzerne ihre Vorstandsvergütung in unterschiedlicher Intensität mit nachhaltigkeitsbezogenen Zielen. Im Dax haben dies nach einer Analyse des Auditunternehmens Forvis Mazars alle 34 untersuchten Konzerne getan, im M-Dax verzichteten nur sieben von 43 darauf.Das stelle die Unternehmen vor Herausforderungen, sagt Studienautor Moritz Sckaer, Partner von Forvis Mazars: „Sie müssen sich überlegen, wie man Erfolge misst. Viele Vorstände werden im Jahr 2040 nicht mehr da sein. Deshalb müssen sie sich Zwischenziele setzen.“ Es müsse auch sauber definiert werden, ob Zahlen eine absolute oder relative Verbesserung aufzeigten. Positiv stellte er heraus, dass der Reifegrad innerhalb der zwei Jahre deutlich zugenommen habe. „Unternehmen werden mit sich selbst vergleichbar“, sagt er.Klimawandel und die Lage der eigenen Mitarbeiter interessieren alleVon den zehn Themen des ESG-Konzepts gibt es zwei, die in allen Nachhaltigkeitsberichten als wesentlich genannt werden: Klimawandel aus dem Segment Umwelt und eigene Arbeitskräfte aus dem des Sozialen. Dies zeigt eine weitere Studie der Beratung Kirchhoff Consult. Am dritthäufigsten wurde „Governance“ genannt. Dagegen fallen die danach am häufigsten genannten Themen Kreislaufwirtschaft (73 Prozent) und Biodiversität (49 Prozent) im Umweltsegment und Wertschöpfungskette (72 Prozent) ab.Im europaweiten Vergleich zeigt sich, dass deutsche Unternehmen im Durchschnitt 143 Seiten Bericht vorlegen – neun Prozent mehr als Konzerne in anderen Ländern. In skandinavischen Staaten, Polen, Irland, im Baltikum und Benelux-Raum sind die Berichte kürzer. Weiter südlich sind sie durchschnittlich deutlich länger. Deutschland liegt in der Mitte. Nordeuropäische Länder fokussierten sich und nutzten Flexibilitäten, heißt es.„Die zweite Berichtssaison zeigt, dass Unternehmen die CSRD nicht mehr nur als Compliance-Pflicht begreifen, sondern zunehmend als strategisches Kommunikationsinstrument“, sagt Julian von Pressentin, ESG-Verantwortlicher von Kirchhoff Consult. Mehr und mehr zeige sich, welche Daten für den Bericht relevant seien: „Weniger Breite, mehr Schärfe“, schreibt dazu Forvis Mazars in seiner Untersuchung.Die sozialen Themen spielen ebenfalls eine Rolle. Hier bewirkt die wachsende Transparenz, dass zum Beispiel die Vergütungen von Männern und Frauen konvergieren. Unter den Dax-Konzernen etwa hat sich der Entlohnungsabstand um 1,2 Prozentpunkte verringert. Die Orientierung an Kennziffern führe dazu, dass unter Interessengruppen des Unternehmens klarer diskutiert werden könne, sagt Sckaer: „Einige Unternehmen haben einen Stakeholder-Dialog entwickelt. Das ist keine über den Daumen gepeilte Übung mehr.“
Konzerne knüpfen Vergütung stärker an Umweltziele
Unternehmen zeigten sich genervt von europäischen Transparenzpflichten. Besonders deutsche Konzerne leisten aber mehr als ihre europäischen Wettbewerber.









