Im Bemühen um weniger Abhängigkeit von Rohstoffen aus China hat Amerika am Dienstag einen großen Schritt gemacht. Der Rohstoffkonzern Energy Fuels aus Denver gab die Übernahme der Vacuumschmelze (VAC) vom US-Investor Ara Partners für einen Kaufpreis von 1,9 Milliarden Dollar bekannt.Das Unternehmen aus Hanau vor den Toren Frankfurts gilt als wichtigster Hersteller von Dauermagneten der westlichen Welt. Diese Permanentmagnete sind derzeit unverzichtbar für die moderne Industrie, weil sie von den Motoren in Elektroautos über Windkraftanlagen, verschiedene Elektronik- und Haushaltsgeräte bis zur Luft- und Raumfahrt und der Verteidigungsindustrie nahezu überall benötigt werden.Das dominierende Land für deren Herstellung ist China, das auch als Produzent der für die Magnetherstellung nötigen Rohstoffe eine strategische Schlüsselrolle einnimmt. Im Zollstreit mit den USA hatte China im vergangenen Jahr die Versorgung mit solchen schweren Seltenen Erden erheblich gedrosselt. Zudem verlangt Peking seitdem von Kunden exakte Informationen über die weitere Verwendung der verarbeiteten Produkte wie etwa Magnete.Seitdem versuchen die USA unter hohem Einsatz öffentlicher Mittel von China unabhängige Produktions- und Lieferketten für kritische Rohstoffe aufzubauen. Die Regierung hat sich auch direkt an Bergbaukonzernen beteiligt. Peking hält dagegen und hat erst am Montag zehn solcher US-Unternehmen auf eine Exportkontrollliste gesetzt und damit de facto von der Versorgung abgeschnitten.VAC-Chef Erik Eschen sieht zusammen mit Energy Fuels die Chance auf Unabhängigkeit von China.Frank RumpenhorstDie Übernahme von VAC durch Energy Fuels (EF) könnte die Spielregeln nun dauerhaft ändern. Auch VAC wurde von China zuletzt nicht mehr mit Seltenen Erden im gewünschten Volumen beliefert.Beide Unternehmen können zusammen eine komplette Produktionskette ohne China aufstellen. EF besitzt Minen in den USA, Australien, Madagaskar und Brasilien, um die Rohstoffe zu fördern. Genauso wichtig: Auch das Wissen zur Aufbereitung der Metalle aus dem Gestein („Raffinierung“) ist vorhanden. Dies war bislang eine chinesische Domäne.Dem Eindruck eines Ausverkaufs der deutschen Wirtschaft will VAC-Chef Erik Eschen entgegentreten. Der Zusammenschluss biete mit der vollständigen Lieferkette für Permanentmagnete künftig „Unabhängigkeit und die Chance, die schnell wachsende Nachfrage weltweit zu bedienen“, sagt er der F.A.Z. VAC hat knapp 4000 Mitarbeiter, davon ein Viertel am Stammsitz in Hanau, wo auch die wichtige Forschung und Entwicklung arbeitet. Daran wird sich laut Eschen mit der Übernahme nichts ändern.Daneben gibt es weitere VAC-Standorte. Erst im Frühjahr wurde das 500 Millionen Dollar teure moderne Werk in Sumter (USA) eröffnet, wo 2000 Tonnen Dauermagnete hergestellt werden. Zuletzt machte VAC rund 400 Millionen Euro Jahresumsatz, das ist mehr als fünfmal so viel wie der Käufer EF, der zudem Verluste einfährt. Gerade bekam EF jedoch ein Darlehen in Höhe von 725 Millionen Dollar vom US Office of Strategic Capital. Mit Interesse wird die Reaktion der Bundesregierung auf den Kauf erwartet.Deutschland und Europa haben ihre Bemühungen um eine souveräne Rohstoffversorgung ebenfalls verstärkt. Die Zustimmung Berlins könnte an Produktionszusagen gekoppelt sein.
Die Vacuumschmelze in Hanau geht an Energy Fuels
Die Vacuumschmelze geht für knapp zwei Milliarden Dollar an einen US-Rohstoffkonzern. Mit dem Wissen aus Hessen wollen die Amerikaner weniger auf Peking angewiesen sein.






