Zwar wissen alle, dass gespart werden muss, dass Reformen nötig sind. Aber sobald irgendwo der berühmte Rotstift angesetzt wird, fangen die Betroffenen an zu klagen: Bei mir kann nun wirklich nichts mehr weg. Nun sind wir gerade ganz gespannt auf die großen Einschnitte, die im Sommer der Reformen Deutschland weiterbringen werden.Und siehe, es gibt nicht nur Vorschläge bei Renten und Arbeitszeit, sondern auch einen aus dem Bundesministerium für Familie. Ab 2027 soll das Programm „Lesestart 1-2-3“ nicht mehr gefördert werden. Es liege in der Logik von Projektförderung, dass diese nicht dauerhaft sei und irgendwann auslaufen müsse, war aus dem Ministerium auf eine Anfrage des Spiegel zu hören.
Buchstaben auf Papier
Die Stiftung Lesen, die das Programm koordiniert, protestierte vor zehn Tagen als erste und nannte die Entscheidung ein „fatales Signal“. Am Montag schickten die Kinderbuchverlage der Bonnier-Gruppe, zu der etwa Carlsen („Conni“) und Thienemann („Der kleine Rabe Socke“) gehören, noch ein Statement hinterher, ähnliche Wortwahl, einen Zacken schärfer: „Das ist ein verheerendes Signal.“
Das Projekt ist nicht so eine große, Millionen von Wählerinnen und Wählern betreffende Sache wie eine Rente. Es ist ein kleiner, tapferer Versuch, die jüngsten Erdenbürger schon früh mit dem Medium Buch in Kontakt zu bringen. Es soll sie mit Bildern und Wörtern auf Papier vertraut machen. Als die Schriftstellerin Kirsten Boie 2007 einen Vorläufer davon, „Buchstart“, erfand, sagte sie, in vielen Familien gebe es kaum noch andere Bücher als Telefonbücher im Hause, wenn überhaupt. Inzwischen gibt es nicht nur keine Telefonbücher mehr, inzwischen sieht man auch Kleinstkinder in ihren Karren mit Smartphones und Tablets ruhiggestellt.







