Bevor der frühere hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sich im Sommer 2022 aus der Politik verabschiedete, soll er seinem Parteifreund Michael Boddenberg seine Nachfolge angetragen haben. Dass der Unternehmer aus Frankfurt Nachfragen dazu bis heute nur gewunden und nicht klar beantwortet, zeugt von der Diskretion des seriösen Kaufmanns. Nun hat der 67 Jahre alte Rheinländer angekündigt, sein Mandat nach 27 Jahren im Parlament Ende Juni zurückzugeben. Am heutigen Dienstag wird er mit einem Empfang im Landtag geehrt.Mit ihm verlässt ein stets gewandt auftretender Vollblutpolitiker das Parlament. Es passt nicht recht ins Bild, dass ausgerechnet der gelernte Metzgermeister und Kaufmann als Finanzminister jedenfalls formal die Schaffung des sogenannten Sondervermögens verantworten musste. Die Idee, Schulden in einer Höhe von zwölf Milliarden Euro aufnehmen zu können, um die angeblichen Folgen der Pandemie damit zu lindern, stammte von dem Grünen-Juniorpartner der Koalition und wurde von Bouffier durchgesetzt. Der Staatsgerichtshof verwarf den Schuldentopf allerdings als verfassungswidrig. Boddenberg badete die Sache klaglos und pflichtgemäß aus.Eine schlaflose NachtDas Amt des Finanzministers hatte er 2019 in einem Moment höchster politischer Not übernommen. Nachdem sein Vorgänger Thomas Schäfer (CDU) sich aus nach wie vor nicht geklärten Gründen das Leben genommen hatte, musste Boddenberg ihn von heute auf morgen ersetzen, um einen gangbaren Weg durch die Pandemie zu finden. Und dies zusammen mit Mitarbeitern, die angesichts des beispiellosen und tragischen Geschehens total erschüttert waren.Er habe die Aufgabe nach einer schlaflosen Nacht angenommen, berichtete Boddenberg, unmittelbar nach seiner Ernennung. Auch für ihn persönlich habe sich die Welt dramatisch verändert. Aber angesichts der Pandemie gelte es, nach vorne zu schauen. „Wir sind in der Lage, mit dieser Krise umzugehen“, sagte Boddenberg damals.Gegen Ende der vergangenen Wahlperiode kündigte er nun an, dass er dem nächsten Kabinett nicht mehr angehören werde. Einschlägige Erfahrungen hatte er in seiner Karriere nicht nur als Unternehmer, sondern aus etwas größerem Abstand auch als hessischer Bundesratsminister gesammelt. Auf der nationalen Ebene folgte 2009 auf die sogenannte Finanzkrise die Euro- und Staatsschuldenkrise. Zur Rettung der Währung und zahlungsunfähiger Staaten wurden in Boddenbergs Berliner Jahren beispiellose Rettungsschirme gespannt.Harter WahlkampfVon 2024 bis 2029 bildete Boddenberg als Fraktionsvorsitzender der Union eine stabile Säule der von Volker Bouffier angeführten schwarz-grünen Koalition. Dabei war er in der Vergangenheit heftig mit den Grünen aneinandergeraten. Als Generalsekretär hatte er im Landtagswahlkampf die Plakate seiner Partei mit der Aufschrift „Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen“ zu verantworten.Die Opposition empfand den Slogan als Spiel mit ausländerfeindlichen Ressentiments. Als die Spitzenkandidaten sich zu einer Podiumsdiskussion trafen, verweigerte Al-Wazir dem CDU-Vorsitzenden Roland Koch vor laufenden Kameras demonstrativ den Handschlag zur Begrüßung. Boddenberg beteuert, dass er sich bei der Nennung der ausländisch klingenden Namen nichts gedacht habe.Bei seiner Berufung als Fraktionschef habe die Tatsache eine Rolle gespielt, dass er seinen Wehrdienst bei den Feldjägern verbracht habe, scherzte Boddenberg. Tatsächlich ist die Aufgabe, die selbstbewussten, zumeist direkt gewählten Mandatsträger anzuführen, prinzipiell eine Herausforderung. Boddenberg legte schon damals großen Wert darauf, dass die Union sowohl zur AfD als auch zur Linkspartei stets auf Distanz bleiben müsse. Das Thema hinterlässt er seinen Parteifreunden, wenn er sich nun verabschiedet – selbstbestimmt, hocherhobenen Hauptes und mit parteiübergreifendem Ansehen.