Was für einige Menschen ihr Dachboden oder Keller ist, ist für mich die Notizen‑App auf meinem Rechner: Dort halte ich kleine To-dos und Gedankensplitter fest – all das, von dem ich diffus das Gefühl habe, es nicht vergessen zu dürfen. Allein die Tatsache, etwas irgendwo festgehalten zu haben, wirkt auf mich oft beruhigend – selbst dann, wenn ich erst Wochen oder Monate später dazu komme, es abzuarbeiten.

Vielleicht ist das der Punkt. Aufschreiben hat etwas von Selbstberuhigung: eine kleine private Versicherungspolice gegen das Gefühl, dass einem etwas durchrutscht. Im Führungsalltag hat dieser Wunsch nach Übersicht allerdings eine Kehrseite. Aus „Ich will den Überblick behalten“ wird „Ich will sicher sein“. Und dann wird nicht mehr wirklich geführt, sondern in erster Linie kontrolliert – oft ohne böse Absicht, eher aus Reflex.

Denn Kontrolle hat einen unfairen Vorteil: Sie fühlt sich sofort wirksam an. Die doppelte Nachfrage, der Blick in die Präsentation, „bevor sie rausgeht“, noch eine Freigabe „zur Sicherheit“ – all das senkt das eigene Unbehagen. Nur ist dieses Unbehagen nicht einfach weg. Es wird an die Teammitglieder weitergereicht: als zusätzliche Schleife, als Verzögerung, als leise Botschaft im System.