»Am Ende der Tagesthemen sagt Ingo Zamperoni: ›Bleiben Sie zuversichtlich.‹ Und Dagmar Rosenfeld verabschiedete sich in ihrem Podcast von The Pioneer mit: ›Bleiben Sie aufrecht – irgendwie.‹ Woher wissen diese Leute, in welchem Zustand ich gerade bin? Vielleicht bin ich gar nicht zuversichtlich oder aufrecht. Und selbst wenn: Warum sollte ich genau so bleiben? Ist das nur eine harmlose Schlussfloskel – oder steckt dahinter die seltsame Annahme, wir sollten moralisch und emotional schon ›richtig‹ eingestellt sein?« Christian G., MarburgEs gefällt mir, dass Sie es genau nehmen mit Sprache. Und alles hinterfragen, auch Sprüche, die Leute aufsagen, weil sie sich mal gedacht haben, dass es doch nett wäre, etwas anderes am Schluss zu sagen als: »auf Wiedersehen«. Was ja auch nur ein frommer Wunsch ist. Der im Fernsehen nur der halben Wahrheit entspräche und in Podcasts eine Falschbehauptung wäre, da niemand gesehen wurde und also auch nicht wiedergesehen werden kann.Was ich Ihnen aber entgegenhalten möchte, ist, dass die Tatsache, dass Sie sich so gar nicht mit eingeschlossen fühlen in die vermutlich nicht absichtlich an Ihnen vorbeiformulierte Schlussformel, bedeutet, dass es in dieser zunehmend unter die Kontrolle von Algorithmen und KI geratenden Welt noch so etwas wie private Schutzräume gibt. Offensichtlich hat der Algorithmus der Tagesthemen Sie ganz persönlich noch nicht erfasst. Geradezu rührend fehladressiert sitzen Sie als vollkommen freier Mensch vor den Nachrichten, dürfen denken, was Sie wollen, ohne dass das irgendwelche Konsequenzen hat, und auch ungehindert losschimpfen, wenn wieder diese Abschiedsformel kommt, die Sie so stark zu Widerspruch reizt.Nein, man möchte sich zu Zuversicht nicht zwingen lassen, da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Unter Umständen aber müssen wir das Zamperoni-Zitat etwas poetischer verstehen. Im Sinne des grausam schönen, verzweifelt sehnsüchtigen Gedichts von Thomas Brasch, in dem es am Ende heißt: »Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin«. Das würde dann bedeuten, dass Ingo Zamperoni gerade denen Zuversicht wünscht, denen die Kraft – oder Grundlage – dazu bislang fehlte. So oder so zeigt für mich schon dieser Austausch zwischen uns beiden, der aus Ihrem ganz privaten mit Ingo Zamperoni folgte, dass wir Menschen alle miteinander verbunden sind. Und also mir gibt das schon etwas Zuversicht.
Aneinander vorbeigeredet
Sind Schlussformeln von Moderatoren wie »Bleiben Sie zuversichtlich« nur harmlose Floskeln? Ein Leser stört sich daran und überlegt, wie er am besten damit umgeht.











