Tief im vergangenen Jahrzehnt hat sich eine kleine Mannschaft von Ingenieuren um Manfred Horstmann im Dresdner Chipwerk des US-Halbleiterkonzerns Globalfoundries daran gemacht, ein großes Problem der Branche zu lösen: Sie wollten den Energieverbrauch von Chips bei gleichbleibender Leistung senken – und zwar deutlich. Dafür gab es mehrere Ansätze und verschiedene europäische Partner, zahlreiche Projekte, Beihilfen und viele Arbeitsgruppen. Drei Jahre später legte das Team von Horstmann seine Ergebnisse vor.So ging aus dem Entwicklungslabor eine komplizierte Technologie für Mikrochips hervor, die in der Branche für Furore sorgen und mit einigen komplizierten Namen umschrieben werden sollte. Die Rede war von „Fully depleted Silicon-on-Insulator“, „3D-Fin-Fet“ oder auch „Buried Oxide“. Die Begriffe drehten sich um spezielle Materialien, Minischalter und hauchdünne Isolationsschichten. Die können in den winzigen Strukturen der Chips ungewollte Leckströme und missliche Energieverluste deutlich reduzieren und damit den Stromverbrauch senken.Die Kundschaft aus der Industrie war begeistert. Hatte sie doch das Thema Energieeffizienz mittlerweile ganz oben auf der Agenda. Computer, Hausgeräte und Smartphones sollten mit den neuartigen Spezialchips deutlich länger laufen, Elektroautos weitere Strecken fahren können. Die FDX getaufte Technologie (Fully Depleted Extended) erwies sich für Globalfoundries als Verkaufshit und Kassenschlager. Horstmann wurde zum Werksleiter in Dresden – und als solcher lässt er nun an- und ausbauen.Vor acht Monaten verkündete das Unternehmen im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine Ausbaupläne. Heute drehen sich die Baukräne. Neben den bestehenden Fabrikhallen wird im Rahmen der anvisierten Expansion für 1,1 Milliarden Euro eine neue Produktionsstrecke hochgezogen. Das Vorhaben hat den hausinternen Projektnamen „Sprint“. Der Name ist Programm: Es soll schnell gehen. Die Grundplatte liegt, die ersten Versorgungsleitungen sind verlegt, im Herbst ist Richtfest. Mitte 2027 kommen die ersten Maschinen in die Hallen, 2028 soll hier die Produktion anlaufen: eine weitere Chipfabrik im Dresdner Norden.Am Rande der Stadt erstreckt sich schon heute das größte Halbleitercluster Europas. Neben dem Betrieb von Globalfoundries steht hier auch das neue Chipwerk von Bosch. In der Nachbarschaft lässt das taiwanisch-europäische Gemeinschaftsunternehmen ESMC für zehn Milliarden Euro eine der größten Chipfabriken des Kontinents bauen. Der Münchner Infineon-Konzern wird Anfang Juli die Produktion in seiner vierten Dresdner Fabrik aufnehmen. In Sachsen arbeiten heute nicht weniger als 80.000 Menschen in der Chipindustrie.„Wir werden mit der neuen Produktionsstrecke unsere Fertigungskapazitäten um 150.000 Wafer auf nun mehr als eine Million erhöhen“, sagte Horstmann im Gespräch. Vor fünf Jahren stellte der Konzern in Dresden noch 300.000 Wafer im Jahr her. Nun wird die Anzahl nahezu vervierfacht. Mit der Marke von einer Million produzierten Wafern wird eine Schallmauer durchbrochen. Wafer sind silbrig glänzende pizzagroße Siliziumscheiben, auf denen in Hunderten Prozessen und wochenlanger Arbeit Tausende Chips mit ihren winzigen Strukturen aufgetragen werden.Die Wachstumspläne von Globalfoundries gelten als ambitioniert. Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts will der Vorstand die Kapazitäten des gesamten Konzers verdoppeln. Die Standorte in Asien, Amerika und Europa werden entsprechend ausgebaut. Damit liegt das US-Unternehmen im Trend der Industrie. War die gesamte Branche vor zwei Jahren davon ausgegangen, dass 2030 die Umsatzmarke von 1000 Milliarden Dollar übersprungen werden könnte, wird sie diese Hürde wohl nun schon in diesem Jahr nehmen.Grund ist ein historischer Nachfrageboom. Bauen doch die Technologiekonzerne Asiens und Amerikas für Hunderte Milliarden Dollar im Jahr KI-Datenzentren, als gäbe es kein Morgen. Es sind gigantische Hallen mit den Ausmaßen von Flughafenhangars. In ihnen stehen Zehntausende Großrechner, welche die Rechenhirne der KI-Systeme sind. Ein Großteil der Kosten eines solchen Rechenzentrums entfällt auf die Chips. Das hat die Absätze, Umsätze und Gewinne der Branche in die Höhe schnellen lassen.Globalfoundries ist einer der fünf großen Chipauftragsfertiger auf der Welt. Der Konzern fertigt in seinen Fabriken die Halbleiterbausteine im Auftrag und nach den detaillierten Plänen seiner Kunden. Das sind neben anderen Chip-Designhäusern und den Betreibern von Datenzentren vor allem Unternehmen aus der klassischen Auto- und der IT-Infrastruktur-Industrie, der Konsumelektronik, der Luft- und Raumfahrt und der Medizintechnik.Nach der Eröffnung einer neuen Chipfabrik ist in der Branche für gewöhnlich vor der Eröffnung einer weiteren neuen Fabrik. Horstmann hat mit seinem Team bei Globalfoundries die Jahre nach 2028 bereits fest im Blick. Dann stehe eine weitere Erweiterung für das Dresdner Werk an, ein ähnliches Investment in ganz ähnlicher Größenordnung. Die Pläne dafür liegen schon in der Schublade. Später könnte es dann noch einmal einen ganz großen Wurf geben. Das aber sei Zukunftsmusik.Mit den EU-Initiativen zu einem zweiten Chips-Act und der Auflage der IPCEI-Entwicklungsförderung wird hinter den Kulissen von Brüssel und Berlin nun erst einmal an einem neuen industrie- und förderpolitischen Instrumentarium gefeilt. „Wenn es kommt, sind wir bereit“, sagt Horstmann. So wie bei FDX. War es doch eine jener technologischen Entwicklungen, deren Marktreife 2015 durch die europäische IPCEI-Förderung (Important Projects of Common European Interest) auf den Weg gebracht worden war.
US-Chiphersteller Globalfoundries baut seine Fabrik in Dresden aus
Für 1,1 Milliarden Euro baut der US-Chiphersteller Globalfoundries seine Fabrik in Dresden weiter aus. Die Pläne für die nächsten Erweiterungsrunden liegen bereits in den Schubladen.











