In weiten Teilen ist die kommerzielle Habgier des Fußball-Weltverbandes Fifa simpel zu durchschauen. Höhere Ticketpreise führen zu mehr Einnahmen. Trinkpausen führen zu mehr Werbeblöcken und zu mehr Einnahmen. Die gesamten Mannschaften vor dem Spiel für die Hymne auf dem Feld zu versammeln, führt dazu, dass es länger dauert, bis sich alle für den Anpfiff sortiert haben. Dadurch kommt es – wer hätte das gedacht – zu mehr Werbeblöcken und zu mehr Einnahmen. Es ist daher nicht überraschend, dass die Fifa auch mit den Trikots der meisten WM-Spieler mehr Einnahmen generieren will.Kleine Patches, aufgedruckte Sticker, zieren bei diesem Turnier die Ärmel der Spieler. Anders als in den Jahren zuvor gibt es diesmal nicht nur für jeden ein WM-Logo, sondern eine Reihe von Sonderausprägungen: Das Logo gibt es in unterschiedlichen Farben. Wer zum ersten Mal dabei ist, bekommt einen Debüt-Patch. Wer schon einmal den Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers gewonnen hat, bekommt einen Sonder-Patch. Das gilt auch für Gewinner des Goldenen Schuhs und des Goldenen Handschuhs. Sowie für Spieler, die zum fünften oder sechsten Mal dabei sind: Diese erhalten ein Legacy-Patch.Legacy, zu Deutsch „Vermächtnis“, ist ein perfektes Stichwort: Die Patches sind auch Teil eines Vermächtnisses. Sie werden nach Spielen von den Trikots der Spieler abgelöst und dann von einem Hersteller für Fußball-Sammelkarten abgepackt und in sogenannten Packs verkauft. Patches, Packs, alles bisschen kompliziert? Dann simpler: Die Spieler mit Ärmel-Patches zu pflastern, führt zu einer sicherlich enorm lukrativen Werbepartnerschaft im kommerziell sehr erfolgreichen Bereich der Collectible-Szene. Dort werden Jäger und Sammler von kleinen Emblemen, die Spieler wie Messi und Ronaldo mal 90 Minuten an ihrem Trikot kleben hatten, wohl bald sehr, sehr viel Geld ausgeben. Ach so, und das alles führt zu mehr Einnahmen für die Fifa, aber das kommt nun wirklich nicht überraschend.Was schon eher überrascht: Warum vermarktet die Fifa das Thema so defensiv? Warum gibt es nicht längst einen Patch für Spieler mit den meisten Standardtoren? Für die mit den meisten roten und gelben Karten? Für Spieler der Mannschaft mit den wenigsten Eckbällen? Warum hat Österreichs dritter Torhüter Florian Wiegele keinen Patch als größter Spieler bekommen? Warum läuft Caglar Söyüncü nicht mit dem Patch für die meisten Umlaute auf? Warum wurde Panamas Spielern kein Patch mit einer von Janosch gezeichneten Tigerente gewidmet? Wie wäre es mit wechselnden Patches für Spieler mit dem größten wöchentlichen Zugewinn an Instagram-Followern? Warum gab es nie einen Patch für Thomas Müller, den erfolgreichsten Schafkopfspieler bei Fußball-Weltmeisterschaften?Rechts neben dem Halsausschnitt wäre noch a bisserl Platz frei: Der TSV Egger Glas Hartberg aus der Admiral Fußball-Bundesliga in Österreich macht der Fifa vor, wie sich die Trikotfläche kommerziell noch gewinnbringender bespielen lässt. Fotostand/Wassmuth/ImagoÜberhaupt: Warum beim Ärmel aufhören? Warum haben nicht viel mehr Spieler viel mehr Patches auf ihren Trikots? Der TSV Hartberg aus der österreichischen Bundesliga klebte in der vergangenen Saison 21 Werbeträger auf sein Trikot, da wird doch wohl die Fifa mindestens 25 Patches unterbringen? Auf dem Bauch, am Hosenbein, unter den Achseln, auf den Pobacken. Patch, Patch, Patch!Dagegen spricht einzig und allein, dass bei zu vielen Patches die Wertigkeit des einzelnen Patches nachlassen könnte. Was zu geringeren Preisen führen würde und damit zu weniger Einnahmen für die Fifa. Das darf natürlich unter keinen Umständen passieren.