Nach Unicredit-Zukäufen : Bund will offenbar weiterhin an Commerzbank-Anteilen festhalten22.06.2026, 14:44Lesezeit: 2 Min.Zuletzt konnte sich die italienische Unicredit immer mehr Anteile an der Commerzbank sichern. Aus Regierungskreisen heißt es, man werde sich weiter gegen eine Übernahme wehren.Die Bundesregierung verschärft ihren Ton gegen Unicredit-Chef Andrea Orcel wegen dessen Plänen zur Übernahme der Commerzbank. Der Bund werde seine Beteiligung von zwölf Prozent an dem Frankfurter Geldhaus nicht abstoßen, hieß es am Montag ⁠in Regierungskreisen. Der Bund ist dort der zweitgrößte Anteilseigner. „Damit sind mögliche Pläne der Unicredit, die Commerzbank von der Börse zu nehmen, in der heutigen Struktur der Commerzbank praktisch nur sehr schwer realisierbar. Denn ein De-Listing oder ein Squeeze-out sind kaum ‌möglich, solange der Bund seine Anteile an der Commerzbank hält.“Bei einem Squeeze-out werden die restlichen Aktionäre gegen eine Zwangsabfindung aus dem Unternehmen gedrängt. In Deutschland ist das nach einer Übernahme möglich, wenn man mindestens 90 Prozent ‌der Anteile kontrolliert. Nach dem Squeeze-out kann ‌der Alleineigentümer dann leichter durchregieren. Allerdings kann ein Unternehmen jederzeit auch per Vorstandsbeschluss von der Börse genommen werden. Dann können die Minderheitsaktionäre im Unternehmen bleiben, aber ihre Aktien nicht mehr an der Börse handeln.Orcel will die ganze CommerzbankOrcel ist mit seinem Übernahmeplan zuletzt schneller vorangekommen als gedacht. Die italienische Großbank hat nach Ablauf der Annahmefrist für ihr ⁠Tauschangebot an die Commerzbank-Aktionäre schon mehr als 39 Prozent der Anteile sicher und kann leicht auf 42,5 Prozent aufstocken. Dies teilte das Institut am vergangenen Freitag mit. Eigentlich hatte Orcel mit dem Angebot nur die Schwelle von 30 Prozent überspringen wollen, um danach freie Hand für weitere Aktienkäufe zu haben.Er ⁠hatte aber schnell ‌klargemacht, dass es ihm um mehr gehe: eine Übernahme der, vor allem für den deutschen Mittelstand wichtigen, Frankfurter Bank, die er mit einem Stellenabbau und drastischen Kürzungen im Auslandsgeschäft auf mehr Effizienz trimmen will. Die Commerzbank pocht auf ihre Eigenständigkeit und wehrt sich gegen ⁠die Übernahme.In ⁠Regierungskreisen hieß es weiter, es bleibe die Aufgabe der unabhängigen Aufsichtsbehörden Bafin und der Europäischen Zentralbank (EZB), weitere Schritte jeweils zu prüfen. „Die Bundesregierung ⁠wird weiter im Sinne der ⁠Beschäftigten der Commerzbank, des deutschen Mittelstands und des Finanzstandorts Frankfurt handeln.“ In Deutschland seien zahlreiche ausländische und europäische Banken aktiv: „Das heißt allerdings ‌nicht, dass jede Art von Übernahme ohne Einschränkung willkommen ist, aggressives Vorgehen lehnen wir entschieden ab.“ Der Bund halte die Unicredit-Pläne insbesondere mit Blick auf das deutsche Mittelstandsgeschäft nicht für tragfähig: „Solche Pläne können deshalb auch kaum im Interesse der Stakeholder der Unicredit liegen.“