PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaftXXL-Rotation wie Europameister Spanier? Nagelsmanns schmaler GratStand: 08:26 UhrLesedauer: 6 MinutenDeniz Undav sorgt bei der WM 2026 weiter für Furore. In nur 56 Einsatzminuten erzielt der deutsche Angreifer drei Tore und zwei Assists. Die Diskussion nimmt in Fußball-Deutschland Fahrt auf.Das letzte WM-Gruppenspiel Deutschlands ist sportlich bedeutungslos, die DFB-Elf steht als Gruppensieger fest. Bringt Nagelsmann nun eine B-Elf? Spanien wurde mit dieser Taktik Europameister. Doch es gibt auch Argumente dagegen.Von morgens an Sonne, 29 Grad und ein hupender VW-Golf aus dem Jahr 1991. Am Sonntag nach dem 2:1 der Fußball-Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste trainierten die eingewechselten Spieler und die ohne Einsatz gebliebenen Ersatzspieler auf dem Gelände der Wake Forest University bei Winston-Salem – und hörten immer wieder das laute Auto, das in schwarz-rot-gold dekoriert war.Zwei deutsche Fans aus Baden-Württemberg, die mit ihrem „WM-Mobil“ einen Roadtrip durch die USA machen und die deutschen Spiele besuchen, fuhren damit rund um den Trainingsplatz. Sie brachten dabei ihre Freude über das Erreichen der K.-o.-Runde zum Ausdruck. Erstmals seit 2014 hat es Deutschland wieder durch die Gruppenphase einer WM geschafft.Vor dem letzten Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag (22 Uhr, ARD, MagentaTV und im Liveticker auf WELT) in East Rutherford in New Jersey ist nicht mehr die Frage, ob Deutschland weiterkommt. Sondern vielmehr, wer spielt. Und wer nicht. Stellt Julian Nagelsmann eine sogenannte „B-Elf“ auf? Wird er Deniz Undav von Beginn an bringen? Vieles spricht dafür, zumindest in Teilen auf eine andere Mannschaft zu setzen. Doch es gibt auch Argumente dagegen. Nagelsmann steht vor besonderen Entscheidungen.Die Belastungssteuerung ist für den 38-jährigen Fußball-Lehrer jetzt das große Thema. Wie geht er mit dem sportlich wertlosen Spiel gegen Ecuador um? Das Wort B-Elf mag Nagelsmann nicht und verwendet es nicht. Er sieht keinen Spieler als B-Lösung, sondern als 1A-Lösung, spricht lieber von Rollenverteilung und Herausforderern. B-Elf – bei diesem Begriff fehlt ihm Wertschätzung.Für die spanische Nationalmannschaft war das grundlegende Ändern der Startelf in einer sehr ähnlichen Konstellation bei der EM vor zwei Jahren ein Erfolgsmodell. Nach zwei Siegen stand die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente bereits als Gruppensieger fest. De la Fuente wechselte vor dem letzten Gruppenspiel gegen Albanien auf zehn Positionen. Spanien gewann 1:0 – und später das gesamte Turnier in Deutschland. Im Viertelfinale siegte die Mannschaft gegen die deutsche Elf. 25 der 26 Spieler im Aufgebot kamen in der Vorrunde zum Einsatz. Einzig Alex Remiro als dritter Torwart kam in der Vorrunde auf keine EM-Minute.Lesen Sie auch„Wir wollten bewusst so viele Spieler wie möglich einsetzen, das haben wir geschafft“, sagte de la Fuente. Jeder Spieler bekam das Gefühl, wichtig zu sein und war in den entscheidenden K.-o.-Spielen bereit. Von einer XXL-Rotation war die Rede. Spaniens Erfolgsmodell bei der EM 2008Auch bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz hatte Spanien vor dem dritten Gruppenspiel bereits die K.-o.-Runde erreicht. Gegen Griechenland ließ der Trainer Luis Aragonés auch enorm rotieren. Spanien gewann auch dieses Spiel (2:1) und später das Turnier.Die deutsche Trainerlegende Jupp Heynckes bezeichnete die Rotation der Spanier damals im Gespräch mit WELT als cleveren und für das Turnier wichtigen Schachzug. Die Spanier hätten nach dem Spiel wieder frischer gewirkt.Lesen Sie auchDoch die deutsche Mannschaft hat andere Voraussetzungen als Spanien damals. Sie ist längst nicht so eingespielt. Ein weiteres Spiel mit derselben oder ähnlichen Startformation würde in diesem Prozess sehr helfen. Es könnte Sicherheit geben, Abläufe und Laufwege würden sich im Idealfall weiter verfestigen. Nagelsmann will unbedingt im Sieger-Rhythmus bleiben. Gleichzeitig hat er immer betont, gute Trainingsleistungen zu belohnen. Er muss nun abwägen, wer eine Pause braucht. Und wer sich beweisen darf. In der Abwehr muss er wegen der Verletzung von Nico Schlotterbeck ohnehin umbauen, für den Profi von Borussia Dortmund wird aller Voraussicht nach Antonio Rüdiger spielen.Die Belastung für die Spieler bei dieser WM ist enorm. In Winston-Salem sind es beim Training meist über 30 Grad, dazu kommen die Reisen in die Spielorte. Und die vergangene Saison war lang, gerade für die Profis des FC Bayern – Spieler wie Jonathan Tah haben über 50 Spiele absolviert.Julian Nagelsmann kann für Ruhepausen sorgenWie viele Wechsel sind hilfreich? Es ist ein schmaler Grat. Die aus Sicht der Fans größte Frage ist, ob Topjoker Undav nach seinen WM-Toren zwei und drei jetzt doch von Beginn an stürmen wird. Jürgen Klopp sagte als MagentaTV-Experte mit Blick auf den Sieg gegen die Elfenbeinküste und mögliche Veränderungen in der Offensive: „Das hat perfekt funktioniert. Mir würde kein Grund einfallen, etwas zu ändern.“ Nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste in Toronto am vergangenen Samstagabend hatte Nagelsmann alles offen gelassen. Er wolle auch mit Undav sprechen. „Wir nehmen die Spieler mit in diesen Prozess“, sagte der Trainer. Zu diesem Zeitpunkt musste man aber davon ausgehen, dass für den sicheren Gruppensieg zumindest ein Punkt gegen Ecuador benötigt wird. Doch Ecuador kam überraschend nicht über ein 0:0 gegen Curaçao hinaus.Jetzt kann Nagelsmann plötzlich viel mehr rotieren und für Ruhepausen sorgen. Er muss über die Partie hinausdenken: Zwischen dem Spiel gegen Ecuador und dem ersten K.-o.-Spiel, dem Sechzehntelfinale am Montag der neuen Woche, liegen lediglich vier Tage Pause. Sportdirektor Rudi Völler hatte schon vor dem Turnierstart angemerkt, dass Stürmer Kai Havertz zum Beispiel nach vielen Verletzungen in der vergangenen Saison nicht jedes WM-Spiel bestreiten werde. Florian Wirtz ist nicht in TopformFür Jamal Musiala können dosierte Einsätze ebenfalls sinnvoll sein. Der Jungstar vom FC Bayern hat bei dieser WM viele gute Aktionen und bekommt mit jeder Partie mehr Sicherheit. Doch um in die perfekte Form zu kommen, hilft körperliche Frische natürlich sehr.Auch Florian Wirtz ist noch nicht in Topform. Zudem können neben Deniz Undav wohl vor allem David Raum und Leon Goretzka auf einen Startelf-Einsatz gegen Ecuador hoffen. Ein Tausch auf der Torwartposition für ein Spiel erscheint unwahrscheinlich, Oliver Baumann dürfte nicht spielen, zumal Manuel Neuer sich mit der aus Tah und Rüdiger bestehenden Innenverteidigung gegen Ecuador einspielen kann.Nagelsmann hat generell aber seinen gesamten Kader im Blick. „Für mich erschließt sich nie so der Sinn, wenn ich 26 Spieler dabei habe, warum ich die immer nur auf der Bank versauern lassen soll, wenn doch alle gut sind und auch spielen wollen“, sagte er. Lothar Matthäus ist sicher, dass es beim Vorrundenabschluss gegen Ecuador am Donnerstag Veränderungen geben wird. Der 65-jährige Rekord-Nationalspieler warnt Nagelsmann allerdings davor, zu viel umzubauen. „Die Mannschaft wird dieses letzte Gruppenspiel auch gewinnen wollen – allein, um die Atmosphäre hochzuhalten, die Spannung hochzuhalten“, schreibt Matthäus in seiner Sky-Kolumne. „Man sollte einen Rhythmus und Kern beibehalten.“ Denn: „Es warten nur noch Hochkaräter“.In jedem Fall bieten sich Julian Nagelsmann jetzt neue Möglichkeiten. Mittwoch fliegt die Mannschaft nach New Jersey. Bis dahin wird Nagelsmann mit seinem Trainerteam alles genau abwägen.Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit Jahren über die Nationalmannschaft. Seit knapp drei Wochen sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die deutsche Auswahl bei der WM.
WM 2026: XXL-Rotation wie Europameister Spanier? Nagelsmanns schmaler Grat - WELT
Das letzte WM-Gruppenspiel Deutschlands ist sportlich bedeutungslos, die DFB-Elf steht als Gruppensieger fest. Bringt Nagelsmann nun eine B-Elf? Spanien wurde mit dieser Taktik Europameister. Doch es gibt auch Argumente dagegen.










