Gastkommentar«Wie ein Handy, das durch eine Hülle geschützt wird» – in der ARD macht ein radikaler Muslim Werbung für die Verhüllung von FrauenDer Bayerische Rundfunk stellt islamische «modest fashion» unkritisch als Modetrend dar. Die Verklärung einer sexistischen und patriarchalen Praktik ist kein Einzelfall.Saïda Keller-Messahli22.06.2026, 05.30 Uhr3 Leseminuten«Glaube, Disziplin, Schutz»: verhüllte Frauen in Stuttgart, Juni 2025.Michael Nguyen / ImagoAnfang Juni 2026 strahlte der Bayerische Rundfunk der ARD einen Beitrag über «keusche Mode» aus. Darin wird das türkischstämmige muslimische Ehepaar Dastan porträtiert, das kürzlich einen Scharia-konformen Modeladen in Nürnberg eröffnet hat. Die Frau trägt ein schwarzes Kopftuch, das Hals und Haare verbirgt. Sie möchte «ihre Haut nicht mehr zeigen», um so einem Gebot ihres Glaubens nachzukommen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ihr Ehemann sagt, Frauen müssten sich «entsprechend dem muslimischen Glauben» verhüllen. Er fügt hinzu: «Das Gesicht, die Hände und die Füsse ab dem Knöchel dürfen unbedeckt bleiben. Was wichtig ist, muss geschützt werden. So wie ein Handy, das durch eine Hülle geschützt wird.»Unverhüllte Frauen gelten als moralisch verkommenDer Beitrag des Bayerischen Rundfunks hat in Medien und Politik viel Irritation ausgelöst. Besonders der Vergleich von Frauen mit einem blossen Objekt wie einem Handy. Der CSU-Politiker Martin Huber sagte, es sei inakzeptabel, solche Aussagen unkommentiert stehenzulassen. Zu Recht, denn den Zuschauern wird elementares Wissen über die sogenannte «modest fashion» vorenthalten.Die «keusche», «züchtige» oder «bescheidene» Mode wird international von Marken, Influencerinnen und manchen Medien propagiert. Sie ist nicht einfach ein normaler «Trend», wie der öffentlichrechtliche Rundfunk suggeriert. Es geht um ein islamistisches Konzept. Das Ziel ist die «da’wa» (Missionierung) durch «Sichtbarkeit». Indem sie die Verschleierung von Frauen im öffentlichen Raum durch die «keusche Mode» normalisieren, wollen Islamisten die Gesellschaft von innen heraus verändern.Die «keusche Mode» wurde von strenggläubigen religiösen Kreisen für kleine, kommunitaristische Halal-Läden geprägt, bevor sie durch Marketing populär gemacht wurde. Sie beruht auf der Vorstellung, dass der weibliche Körper ein moralisches und sexuelles Risiko birgt, das verborgen werden müsse.Eine Frau ohne Schleier, so erklärte der islamistische Prediger Hani Ramadan 2016 in Genf, sei wie eine Zwei-Euro-Münze: «Für alle sichtbar, wandert sie von einer Hand zur anderen.» Das Kopftuch und seine Varianten sind für die Islamisten ein bevorzugtes Instrument der Missionierung und der Politik. Um auch «progressive» Kreise zu überzeugen, verwandeln sie eine erniedrigende Kleiderordnung in identitätsstiftenden Stolz.Werbesendung mit Gebühren: «Mein Hijab ist Feminismus»Dieses Marketing ist so wirkungsvoll, dass grosse internationale Bekleidungsmarken die Sprachmuster übernehmen. Der Slogan der «freien Wahl» nimmt dabei einen zentralen Platz ein. Befürworter der sittsamen Mode behaupten oft, es stehe jeder Frau frei, sich nach eigenem Ermessen zu bedecken.Medien hätten die Aufgabe, diesen Schwindel zu entlarven. Stattdessen tragen sie allzu oft zur Legitimierung islamistischer Moralvorstellungen bei. Der öffentlichrechtliche Rundfunk, besonders der ARD- und ZDF-Jugendkanal Funk, ist in dieser Beziehung schon fast notorisch. 2022 stellte Funk den Hijab als cooles Modeaccessoire dar, das nur von Rassisten kritisiert werde.«Mein Hijab ist Feminismus, der für Freiheit und Würde steht», behaupteten da Frauen in stolzer Pose. Verhüllung sei «Style», sie stehe nicht nur für Antirassismus und Selbstbewusstsein, sondern auch für «Glaube, Disziplin, Schutz». Und natürlich gebe es dabei «keinen Zwang».Der soziale Druck, dem Frauen ausgesetzt sind, die Abwertung, die all jene erfahren, die sich den Normen nicht unterwerfen wollen, interessierten die Funk-Redaktion ebenso wenig wie jetzt den Bayerischen Rundfunk.Dabei sind die Folgen der angeblich zwanglosen religiösen Mode mittlerweile auch in europäischen Städten sichtbar. So werden in deutschen Schulen Mädchen gemobbt, die kein Kopftuch tragen. Und in Frankreich ziehen es junge Frauen vor, sich zu verhüllen, um auf der Strasse nicht mehr als «Nutte» beschimpft zu werden.Saïda Keller-Messahli ist eine tunesisch-schweizerische Romanistin und Menschenrechtsaktivistin. Sie ist Expertin für Islamismus.Passend zum Artikel