Was würden Frauen tun, wenn es einen Tag lang keine Männer gäbe? So lautete vor einigen Jahren die Frage in den sozialen Medien. Die Kommentarspalte war gefüllt mit simplen, aber aufschlussreichen Wünschen von Frauen: Genussvoll eine Banane in der vollen S-Bahn essen. Im Dunkeln allein durch den Park joggen, mit Kopfhörern im Ohr. Anziehen, worauf sie Lust haben.Leider ist es im Alltag aber nicht so einfach: Männer und ihre Blicke folgen Frauen fast immer. Nun hat ein Mode-Beitrag des Bayerischen Rundfunks über „Modest Fashion“ eine empörte Reaktion ausgelöst. Es geht um einen Laden in Nürnberg, in dem bedeckende Kleidung verkauft wird: „Für manche ist sie Ausdruck des Glaubens, für andere ein Zeichen von Selbstbewusstsein und persönlichem Stil“, so die Videobeschreibung in der Mediathek. Verhüllende Kleidung werde dort gefeiert, ausgerechnet von einem öffentlich-rechtlichen Sender, während Frauen im Iran für ein verrutschtes Kopftuch verhaftet würden, kreidet die Bild-Zeitung dem Sender an. Aber worüber wird hier eigentlich gestritten?

Buchreligionen: Die Männer haben die Deutungshoheit

Fangen wir beim Stein des Anstoßes an: beim angeblich heiligen Stoff. Der Koran, so heißt es gern, schreibe das Kopftuch vor. Ganz eindeutige Vorschriften zu Kopftuch und Burka sucht man dort allerdings vergebens, das Ganze ist Auslegungssache – und diese Auslegung lag zum allergrößten Teil im Ermessen „heiliger“ Männer.