Dass die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zur Umsetzung des Übergangsabkommens schwierig werden würden, stand schon vor Beginn der Gespräche am Vierwaldstättersee in der Schweiz fest. Begleitet wurde der Auftakt am Sonntag denn auch von gegenseitigen Drohungen. Dass die Delegationen unter Vermittlung Pakistans und Qatars überhaupt bis in den späten Sonntagabend verhandelten, konnte da schon als kleiner Erfolg gewertet werden. Zwischenzeitlich gab es Gerüchte, die iranische Delegation könnte die Verhandlungen verlassen.Hintergrund war eine doppelte Drohung Donald Trumps vor der Zusammenkunft in der Schweiz. Zum einen hatte der amerikanische Präsident das Regime in Teheran aufgefordert, „unverzüglich“ dafür zu sorgen, dass seine „hochbezahlte Stellvertretermiliz in Libanon“ aufhöre, Unruhe zu stiften. Wenn es das nicht tue, werde er Iran wieder hart treffen – härter noch als zuletzt, sagte Trump mit Blick auf gezielte militärische Schläge in Südiran kurz vor der Einigung auf das „Memorandum of Understanding“ in der vergangenen Woche. Gemeint war die Hizbullah, die sich mit Israel in Libanon weiter Gefechte liefert, obwohl die Vereinbarung, die Trump während des G-7-Gipfels in Frankreich unterzeichnet hatte, eine Waffenruhe vorsieht, die Libanon umfasst. Zuletzt hatte der Präsident den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gedrängt, mehr Verantwortung gegenüber seinem nördlichen Nachbarn walten zu lassen. Nun wies er indirekt Teheran die Schuld für die Gewalt in dem Land zu.Gegenseitige Drohungen und VorwürfeDie Kampfhandlungen in Libanon hatten Teheran am Samstag veranlasst, zu verkünden, dass man die Straße von Hormus wieder geschlossen habe, was von amerikanischer Seite dementiert wurde. Hier kam nun Trumps zweite Drohung ins Spiel: Dem Sender Fox News sagte er, er habe der iranischen Delegation wegen der Meerenge eine dringende Warnung übermittelt: „Wenn ihr sie schließt, habt ihr kein Land mehr.“ Und: „Ihr werdet nicht einmal mehr in euer verdammtes Land zurückkehren können.“Die Delegation von Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf legte daraufhin in Bürgenstock Protest ein. Man betrachte diese Drohungen als Verstoß gegen das Übergangsabkommen, in dem beide Seiten sich tatsächlich verpflichtet haben, sowohl auf Angriffe als auch auf Drohungen zu verzichten. Die Amerikaner sollten sich bewusst sein, dass sie sich nicht in ihrer jetzigen ausweglosen Lage befänden, wenn solche Drohungen tatsächlich Wirkung hätten, schrieb Ghalibaf auf der Plattform X. „Wir nehmen diese Äußerungen nicht ernst, dennoch wäre es ratsam, wenn sie mehr Zurückhaltung übten.“ Die iranischen Streitkräfte blieben bereit, auf andere Weise zu reagieren. „Unabhängig davon, wie viel sie reden, wir sind diejenigen, die handeln“, so Ghalibaf weiter.Der iranische Präsident Massud Peseschkian teilte in einer Kabinettssitzung in Teheran mit, Diplomatie sei vorzuziehen. Man müsse den Dialog wählen und nicht im Zustand des Kriegs verharren – „zumal die wirtschaftliche Sicherheit des Landes für die Regierung oberste Priorität hat“, sagte Peseschkian laut Präsidialamt.US-Vize J. D. Vance spricht von „großen Fortschritten“.AFPVance stellt Neujustierung der Beziehungen zu Iran in AussichtVizepräsident J. D. Vance wählte konziliantere Töne als sein Präsident. Er war mit dem Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn Trumps, in die Schweiz gereist. Vance stellte am Sonntag eine Neujustierung der Beziehungen zu Iran in Aussicht. „Der Präsident hat uns aufgefordert, ein neues Kapitel aufzuschlagen und unser Verhältnis zum iranischen Volk neu auszurichten“, sagte er mit Bezug auf Trump. „Allein in den vergangenen Stunden haben wir schon große Fortschritte erzielt, und ich gehe davon aus, dass wir weitere Fortschritte machen werden.“Nach Angaben des iranischen Außenamtssprechers Ismail Baghai, dessen Minister Abbas Araghtschi ebenfalls in der Schweiz war, sollte es bei den Gesprächen neben einer Waffenruhe in Libanon um den ungestörten Ölexport und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte gehen. Insgesamt ist das Ziel, binnen 60 Tagen eine finale Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zu erzielen, die vor allem das iranische Atomprogramm umfassen soll.Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, wird zunächst nicht an den Verhandlungen in der Schweiz teilnehmen. Seine Anwesenheit am Verhandlungsort sei auf Wunsch Washingtons erfolgt, doch die iranische Delegation habe seine Beteiligung strikt abgelehnt, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim eine der Delegation nahestehende Quelle. Iran habe derzeit keine Absicht, Gespräche mit dem IAEA-Direktor zu führen.
Trump droht zum Auftakt der Gespräche mit Iran
Die Delegationen aus Washington und Teheran haben am Sonntag ihre Verhandlungen aufgenommen. Die Gefechte in Libanon komplizieren die Gespräche.











