Besonders nachhaltig soll das WM-Stadion in Guadalajara sein. Doch in Wahrheit steht es exemplarisch für ein System von Ausbeutung und Zerstörung.

Das Stadion von Guadalajara gehört gewiss zu den ästhetischsten Stadien dieser Weltmeisterschaft. Wer mit dem Bus aus der hektischen Metropole mit den Bürotürmen hinausfährt, sieht ein weißes Rund inmitten von ausgedehnten Grünflächen, die zur Wasserersparnis mit Regenwasser bewässert werden. Die Heimstätte von Chivas Guadalajara schmiegt sich zurückhaltend in die Landschaft; zwei ihrer fünf Ebenen liegen unterirdisch, ein Teil des Stadions ist außen als Hitzeschutz von Gras bewachsen.

Zur WM wurde es als besonders nachhaltig beworben. So gibt es auf dem Stadiongelände etwa eine vertikale Farm, die Kräuter und Gemüse für die Stadiongastronomie produziert. Und im Hintergrund des Stadions, bei der Anreise gut sichtbar, erstreckt sich ein riesiger Wald aus Kiefern und Steineichen, das Wald- und Tierschutzgebiet La Primavera. Eindrucksvoll sieht es aus. Doch was harmonisch wirkt, ist seit vielen Jahren Schauplatz eines ungleichen Kampfes zwischen Um­welt­schüt­ze­r:in­nen und Immobilienspekulant:innen. Und Ersteren kommt die Öko-Inszenierung des Stadions wie Hohn vor.