Vorbemerkung: Never explain!

„Wie soll das zu verstehen sein!“ Das schrieb ein Zeitgenosse unter einen Ausschnitt aus einem Fernsehinterview, den ich bei Instagram gepostet hatte. Dort sage ich, ich müsse meine eigenen Brandmauern hinterfragen, „und zwar die gegen Ricarda Lang UND Tino Chrupalla!“ Die eigenen Brandmauern prüfen: Das ist für mich so selbstverständlich wie mein vor ein paar Jahren in einer Radiosendung formulierter Nebensatz, den der MDR prompt zur morgendlichen Spitzenmeldung seiner News-Seite erhob: „Dresdner Kabarettist: Nicht alle AfD-Wähler zu Faschisten erklären!“ Ich weiß noch, wie mir vor Lachen mein Müsli aus dem Mund staubte. Eine Selbstverständlichkeit als Spitzenmeldung! Meine Frau fragte: „Warum hast du nicht zum regelmäßigen Zähneputzen aufgerufen? Dann brächten sie jetzt einen ARD-Brennpunkt!“

„Nicht alle AfD-Wähler zu Faschisten erklären!“ – kurz darauf eine E-Mail mit der Frage „Wie soll das zu verstehen sein!“ Als mich ein Zuschauer einmal als „Putins Nutte“ beschimpfte, entgegnete ich sprachsensibel: „Wenn, dann bin ich Putins Sexarbeiter!“ Seine Reaktion: „Wie soll das zu verstehen sein!“ Ich habe darauf keine Antwort. Ich verstehe ja nicht einmal die Frage! Wer „soll verstehen“? Der Frager? Alle anderen? Es ist ja keine Frage, die eine Antwort verlangt. Noch schlimmer: Nicht einmal ermöglicht! Ich soll über mich nachdenken! Bis morgen einen selbstkritischen Aufsatz schreiben!