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Altersvorsorge: Warum die Rentenreform für die Koalition so wichtig ist Eine Expertenkommission stellt kommende Woche ihre Ergebnisse zur Rentenreform vor. Was bisher bekannt ist und warum es schon jetzt viel Kritik gibt.
21.06.2026 - 15:08 Uhr Eine Frau sitzt mit einem Blumenstrauß vor einem Ausflugslokal am Stadtrand. Foto: Frank Hammerschmidt/dpaErste Details aus der Expertenkommission für eine Rentenreform lassen aufhorchen. Die Ökonomen sowie Sozial- und Rentenexperten nehmen gleich mehrere besonders umstrittene Punkte ins Visier – darunter die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren, Minijobs und ein höheres Renteneintrittsalter. Hinzu kommen absehbar steigende Beiträge. Für Beschäftigte hieße das weniger Netto vom Brutto, für Arbeitgeber höhere Lohnkosten.Für die Koalition aus CDU, CSU und SPD birgt das erheblichen Konfliktstoff. Die SPD will das Rentenniveau sichern und Einschnitte bei langjährig Versicherten vermeiden. Die Union dringt stärker auf Generationengerechtigkeit, längeres Arbeiten und Begrenzung des Beitragsanstiegs.Doch in der Kommission sitzen auch zwei Bundestagsabgeordnete von CDU und CSU und eine SPD-Abgeordnete, jeweils als Vizevorsitzende. Das soll eine Brücke in die Regierungsfraktionen schlagen und die Chancen erhöhen, dass die Vorschläge am Ende umgesetzt werden.Rentenreform Drei Säulen und ein Problem für Millionen künftiger Rentner Die Rentenkommission legt Reformvorschläge vor. Ihre Empfehlungen sollen helfen, die Deutschen breiter abzusichern. So könnte es gelingen. von Sophie Crocoll, Julia Leonhardt und Heike SchwerdtfegerWie geht es weiter?Die Expertenkommission will ihre Vorschläge am Dienstag an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben. Sie soll damit die Grundlage für eine Rentenreform legen, auf deren Eckpunkte sich die Spitzen von CDU, CSU und SPD Anfang Juli im Koalitionsausschuss verständigen wollen.Die Reform ist ein zentrales Vorhaben der Koalition, um die Finanzierbarkeit einer auskömmlichen Rente trotz des demografischen Wandels mit immer mehr Rentnern zu gewährleisten. Die Kommission trifft sich am Montag zu einer abschließenden Sitzung, bei der es um redaktionelle Fragen gehen soll.Warum ist das politisch heikel?Die Rente ist eines der größten Belastungsthemen für die Koalition. Denn fast jeder Reformvorschlag trifft empfindliche Stellen: Höhere Beiträge belasten Beschäftigte und Unternehmen, ein höheres Rentenalter stößt auf Widerstand bei Arbeitnehmern und Gewerkschaften, gedämpfte Rentenerhöhungen treffen Rentnerinnen und Rentner.Zugleich wächst der finanzielle Druck. Die Rentenkasse kann den Beitragssatz kurzfristig noch stabil halten, weil sie Rücklagen einsetzt. Ab 2028 dürfte der Beitragssatz aber deutlich steigen – vielleicht schon 2027, wenn Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) an Kürzungen beim Bundeszuschuss zur Rentenversicherung festhält.Wer sitzt in der Kommission?Die Kommission hat 13 Mitglieder. Den Vorsitz führen die Sozialrechtlerin Constanze Janda und der frühere Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise. Stellvertretende Vorsitzende aus dem Bundestag sind Pascal Reddig von der CDU, Florian Dorn von der CSU und Annika Klose von der SPD.Hinzu kommen acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Peter Bofinger, Tabea Bucher-Koenen, Georg Cremer, Camille Logeay, Monika Queisser, Jörg Rocholl, Silke Übelmesser und Martin Werding. Die Deutsche Rentenversicherung Bund ist als Sachverständige ohne Stimmrecht eingebunden.Was schlägt die Kommission im Kern vor?Nach bisherigen Informationen läuft es auf höhere Beiträge für Beschäftigte und Arbeitgeber durch eine Zusatzrente, längeres Arbeiten, gedämpfte Rentenerhöhungen und mehr Erwerbstätige in der Rentenversicherung hinaus:Die gesetzliche Rente soll um eine kapitalgedeckte Zusatzrente ergänzt werden. Ein zusätzlicher Teil des Bruttolohns soll angelegt werden, zunächst ein Prozent, später zwei Prozent, finanziert von Beschäftigten und Arbeitgebern. In der Summe wären das derzeit jährlich etwa 35 Milliarden Euro. Langfristig soll das Rentenniveau dadurch wieder steigen. Ab 2040 soll es über 48 Prozent liegen. Für Neurentner im Jahr 2050 wird ein Einstiegsniveau von rund 50 Prozent genannt.Das Renteneintrittsalter soll nach 2031 weiter steigen, aber schrittweise und gekoppelt an die Lebenserwartung. Jedes Jahrzehnt stiege die Altersschwelle für eine ungekürzte Rente demnach um sechs Monate – auf 67,5 Jahre Anfang der 40er-Jahre und 70 Jahre im Jahr 2092, nach derzeitigen Prognosen.Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren, oft „Rente mit 63“ genannt, soll auslaufen. Für Menschen mit gesundheitlichen Problemen soll es eine Ersatzregelung geben.Der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor soll nach Auslaufen der aktuellen Haltelinie für ein Rentenniveau von 48 Prozent im Jahr 2031 wieder wirken. Das würde die jährlichen Rentensteigerungen dämpfen, weil es im Verhältnis zu den Rentnern weniger Beitragszahler gibt.Die Beitragsbasis soll verbreitert werden. Künftig sollen weitere Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden, darunter auch neue Selbstständige und Abgeordnete. Zudem soll die Begünstigung von Minijobs abgeschafft werden, mit Ausnahme für Schülerinnen und Schüler. Im März 2026 gab es etwa 7,51 Millionen Minijobber. Knapp 3,5 Millionen davon hatten den Minijob als Nebenverdienst neben einem Hauptjob. Gerade dieser Nebenverdienst ist für Beschäftigte bislang besonders attraktiv, weil er für sie weitgehend steuer- und sozialabgabenfrei bleibt.Was könnten Union und SPD dem Paket abgewinnen?Für die Union enthält das Paket mehrere Elemente zur finanziellen Stabilisierung: längeres Arbeiten, das Auslaufen der Rente mit 63, gedämpfte Rentenanpassungen und eine breitere Beitragsbasis. Die SPD bekommt im Gegenzug die Aussicht auf ein stabilisiertes oder sogar höheres Rentenniveau, auf soziale Ausnahmen für belastete Erwerbsbiografien und eine Kapitalrente innerhalb der gesetzlichen Rente statt rein privater Vorsorge.Die Reform verspricht langfristige Stabilisierung, verlangt aber kurzfristig weitere Zumutungen. Beschäftigte und Arbeitgeber müssten mit höheren Beiträgen zur Rente rechnen und zusätzlich Beiträge für die Kapitalrente aufbringen. Zugleich würden Rentenanpassungen nach 2031 wieder stärker gedämpft.Für den Kanzler dürfte die Rentenreform ein Test werden, ob seine Koalition strukturelle Reformen tatsächlich durchsetzen kann. Für SPD-Co-Chefin Bas ist sie eine Prüfung, ob die SPD Rentensicherheit versprechen kann, ohne die Finanzierungsfrage zu verdrängen. Gegenwind der Gewerkschaften, die eine eigene Rentenkommission gebildet haben, ist programmiert. rtr Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick












