Es gibt Fußballer, die brauchen keine großen Auftritte neben dem Platz. Keine markigen Ansagen, keine Forderungen, keine Sätze, die am nächsten Tag in den Schlagzeilen stehen. Deniz Undav gehört offenbar zu dieser Kategorie. Nach seinem vielleicht wichtigsten Auftritt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft blieb der Stürmer erstaunlich ruhig. Dabei hätte es nach diesem Abend eigentlich genug Gründe gegeben, um ein bisschen lauter zu werden.Zwei Tore gegen die Elfenbeinküste, ein 2:1-Sieg nach 0:1-Rückstand und damit die sichere Qualifikation für das Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft. Ein paar Stunden später gab es sogar noch Unterstützung aus Curacao. Das 0:0 des WM-Neulings gegen Ecuador bescherte Deutschland den Gruppensieg. Im eigenen Spiel aber war Undav der Mann, der eine schwierige Partie mit seinen zwei Treffern entschieden hatte. Der Joker, der wieder einmal stach. Die Frage, die seitdem die deutsche Mannschaft begleitet: Bleibt der Stürmer des VfB Stuttgart der perfekte Mann für die entscheidenden Minuten von der Bank – oder muss Julian Nagelsmann ihn endlich von Beginn an bringen?

Deniz Undav bleibt nach seinen zwei Toren gelassen

Undav selbst machte daraus kein großes Thema. „Das liegt am Bundestrainer. Er trifft die Entscheidung. Ich versuche einfach, meinen Job zu machen“, sagte der Angreifer. Ein Satz, der fast schon ungewöhnlich nüchtern klingt für einen Spieler, der gerade innerhalb weniger Minuten zum Matchwinner geworden war und von Eishockey-Superstar Leon Draisaitl die Trophäe des Spielers der Partie überreicht bekam.Diese Gelassenheit in den Interviews nach dem Spiel hat sich Undav auf dem Platz verdient. Der Stuttgarter muss nichts einfordern, er liefert einfach ab. Kein langer Sprint zur Eckfahne, kein spektakuläres Posieren vor den Kameras. Der Grund war typisch Undav. „Ich habe Schmerzen am Zeh. Die haben beim Jubel alle auf meinen Zeh getreten“, erklärte er mit einem Grinsen. „Ich musste kurz klarkommen.“ Dann wurde er wieder ernst: „Nein, ich freue mich übertrieben. Wir haben gewonnen. Wir haben drei Punkte. Ich habe zwei Tore gemacht.“