Giorgia Meloni nahm kein Blatt vor den Mund: „Meine Beliebtheit geht Sie nichts an“, schrieb die italienische Ministerpräsidentin am Samstag auf Instagram. Seine Freundin zu sein, habe ihrer Beliebtheit gewiss nicht geholfen. „Ich schlage vor, Sie konzentrieren sich auf Ihre eigene.“Angesprochen war Donald Trump. Der hatte zuvor auf seiner Plattform Truth Social behauptet, „Gigiorgia“ Meloni wolle ihre Beziehungen zu den USA nach dem Krieg gegen Iran nur verbessern, um ihre eigene Beliebtheit zu steigern. Nach Trumps Lesart schadete das italienische Verbot, den amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Sigonella auf Sizilien für den Irankrieg zu nutzen, Melonis Beliebtheit. „Sie gestattete uns nicht einmal die Nutzung italienischer Landebahnen – ein erheblicher logistischer Nachteil“, schrieb Trump.Dieser Schlagabtausch in den sozialen Medien war am Samstag der vorläufige Höhepunkt einer neuerlichen Konfrontation von Trump und jener Regierungschefin, der unter den Europäern neben dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán lange das beste Verhältnis zu Trump nachgesagt wurde. Anlass war ein Telefoninterview Trumps mit dem italienischen Fernsehsender „La7“ gewesen, das am Freitag veröffentlicht wurde.„Ich und Italien, wir flehen nie jemanden an“Der amerikanische Präsident hatte darin laut der ausgestrahlten italienischen Fassung (Trumps Part wurde von einem Sprecher vorgetragen) gesagt, Meloni habe ihn während des G-7-Gipfels in Évian „angefleht“, sich mit ihr zusammen fotografieren zu lassen. Er hätte nicht mit ihr sprechen müssen, aber Meloni habe ihm leid getan und sie habe das Foto „so sehr“ gewollt. Vom G-7-Gipfel hatten italienische Medien ein Foto von Meloni und Trump verbreitet, die gemeinsam auf einem Sofa sitzen und in ein Gespräch vertieft sind.Bild des Anstoßes: Trump und Meloni beim G-7-Gipfel in ÉvianReutersDie italienische Ministerpräsidentin mochte Trumps Mitleid jedoch nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen. „Ich und Italien, wir flehen nie jemanden an“, stellte Meloni am Freitag in einer Videobotschaft klar. Die Äußerungen Trumps seien „frei erfunden“. „Ich bin ehrlich gesagt völlig fassungslos.“ Sie holte zum Rundumschlag aus: Sie könne nicht verstehen, warum sich der amerikanische Präsident gegenüber Verbündeten derart verhalte, zumal dies keineswegs zum ersten Mal passiere.Dann folgte ein Seitenhieb auf Trumps Iran-Politik: Sie bedauere, dass er gegenüber den Feinden des Westens, den Feinden der Vereinigten Staaten, nicht die gleiche Entschlossenheit an den Tag lege, deren Führungen er viel entgegenkommender behandele. Trump war in dem Interview von sich aus auf Meloni zu sprechen gekommen. Der Washington-Korrespondent von „La7“ hatte das Gespräch mit einer Frage zum Ukrainekrieg begonnen. Trump antwortete darauf und fragte den Journalisten dann, was denn seine Ministerpräsidentin mache, und kam auf das Foto zu sprechen.Streit um Kritik am PapstNoch kurz vor dem G-7-Gipfel in Évian hatte Meloni versichert, ihr Verhältnis zu Trump sei „unverändert“. Das sollte heißen: unverändert gut. Es gebe keinen Gesprächsbedarf und keine gegenseitigen Schuldzuweisungen. „Ich und Donald, wir haben einen ziemlich starken Charakter, wir sind zwei Personen, die mit Entschlossenheit ihre jeweiligen nationalen Interessen verteidigen“, sagte Meloni. Wenn sie über etwas uneins seien, müsse dies daher nicht geklärt werden.Damit spielte Meloni auch auf Trumps Kritik am Papst Leo XIV. im April an, die sie als „inakzeptabel“ bezeichnet hatte. Das war der zweite Streitpunkt neben dem italienischen Verbot, den amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Sigonella auf Sizilien für den Irankrieg zu nutzen. Trump hatte Meloni nach ihrer Verteidigung des Papstes seinerseits als „inakzeptabel“ bezeichnet. Er habe sich in ihr getäuscht.Zum Verbot, den Luftwaffenstützpunkt zu nutzen, erwiderte Meloni Trump am Samstag, Italien sei eine souveräne Nation, die stets ihre Verträge respektiert habe, und die könne auch sie nicht verletzen. Meloni hatte sich in den vergangenen Monaten offenbar auch deshalb von Trump distanziert, weil ihr die Nähe zu ihm innenpolitisch zunehmend zu schaden drohte.Der Streit zwischen Trump und Meloni schlug in Italien hohe Wellen. Außenminister Antonio Tajani schrieb auf X, die „schweren und beleidigenden“ Worte des amerikanischen Präsidenten gegenüber Meloni beleidigten ganz Italien. Er habe deshalb einen für kommende Woche geplanten Besuch in den USA abgesagt. Staatspräsident Sergio Mattarella versicherte Meloni in einem Telefonat seiner Solidarität.Meloni und Trump werden sich voraussichtlich schon am 7. und 8. Juli während des NATO-Gipfels in Ankara wiedersehen. Meloni verkündete am Samstag allerdings, sie wolle die Sache nun auf sich beruhen lassen und nicht mehr darauf zurückkommen: Sie glaube weiter an die „Einheit des Westens“ und sie glaube nicht, dass dieses Schauspiel ihren Aufgaben angemessen sei.
Donald Trump und Giorgia Meloni: Heftiger Streit eskaliert
Ein Post jagt den anderen: Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und US-Präsident Donald Trump liegen wieder einmal im Streit miteinander.










