Aus einem Meer bunter Blüten tönt das Zirpen von Millionen Heuschrecken. Orchideen leuchten lila, rosa und purpur im Gras. Wo es feucht ist, quaken Frösche, während Störche Jagd auf sie machen. Über sandigen Böden erklingt der Gesang von Ortolanen und Schwarzkehlchen.Inmitten dieses bunten Treibens lebt und gedeiht, was Menschen ernährt – weidende Rinder, die Fleisch bringen und Milch geben. Schafe und Ziegen bearbeiten die spärlichere Vegetation. Von Mitte Juni an, wenn der Nachwuchs der in den Wiesen brütenden Kiebitze und Brachvögel bereits flügge ist, liegt erstmals der Duft von frisch geschnittenem Gras in der Luft. Als Heu wird es die Tiere im Stall durch den Winter bringen. Bis das große Wachsen und Blühen von vorne beginnt.Dieses Bild hat sich noch vor hundert, zweihundert Jahren in weiten Teilen Deutschlands geboten, entstanden durch ein enges Zusammenspiel von Mensch und Natur. Ökologisch nahmen die Weidetiere die Rolle großer Grasfresser ein, die Europas Landschaften seit Millionen Jahren zu einem ständig wechselnden Mosaik aus Wald und Offenlandschaft gemacht hatten. Die Tiere nützen mit Fressen, Stampfen und ihrem Dung auf vielfältige Weise allen Lebewesen, die offenes, sonniges Land brauchen und im Schatten von Bäumen oder hohen Gräsern verkümmern würden.Eine Idylle war das Landleben deshalb nicht. „Hart und entbehrungsreich“ sei es gewesen, sagt Ingrid Pflaum, Leiterin der Deutschen Hirtenmuseums im fränkischen Hersbruck. Von Harmonie kann aber auch heute nicht die Rede sein.
Graslandschaften: Reise zu den letzten Steppen, Wiesen und Auen Deutschland
Weltweit verschwinden die Graslandschaften, auch in Deutschland. Aber ein paar gibt es noch. Unser Autor ist 950 Kilometer zwischen Berlin und der Oberpfalz geradelt, um Projekte zu finden, die Steppen, Wiesen und Auen schützen.







