Die schönsten Wochen des Jahres stehen vor der Tür. Trotz gestiegener Preise für Flüge, Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche: Den Sommerurlaub gönnen sich viele Deutsche unverdrossen. Einige Kosten, die schnell ein empfindliches Loch in die Reisekasse reißen, lassen sich aber vermeiden. Ob Geldautomat, Karteneinsatz oder mobiles Surfen: Wir haben die wichtigsten Tipps zusammengestellt.Nicht ohne meine KreditkarteEine Kreditkarte gehört ins Reisegepäck, und zwar eine echte Kreditkarte. Digital- und Neobanken geben häufig kostenlose Debitkarten an ihre Kunden aus. Von einer Kreditkarte sind sie allenfalls am kleinen Aufdruck „credit“ oder „debit“ zu unterscheiden. Der Unterschied in der Praxis ist aber größer. Während die Kreditkarte „echten Kredit“ gibt, der Saldo also nur einmal im Monat ausgeglichen wird, bucht die Debitkarte direkt vom Konto ab. Bei der Kreditkarte kann man also meist warten, bis der Arbeitgeber wieder das Gehalt überwiesen hat.Mit einer Debitkarte hingegen rutscht man bei unerwartet hohen Kosten schnell ins Minus. Und die Zinsen für Überziehungskredite sind happig, sie liegen laut dem Vergleichs- und Maklerportal Verivox derzeit bei mehr als elf Prozent. Manche Banken verlangen sogar knapp 20 Prozent für Kontoüberziehungen. Eine Debitkarte reicht häufig auch nicht aus, um ein Auto anzumieten – oder Vermieter nehmen es als Vorwand, überteuerte Versicherungen zu verkaufen. Ärgerlicher ist noch für Hotelgäste: Die Herberge blockt bei Ankunft einen Garantiebetrag, der von einigen Banken erst nach 30 Tagen wieder freigegeben wird. Solange, also meist den ganzen Urlaub, kann man über den Betrag nicht verfügen.Kostenlos ist nicht immer gratisDabei muss die Kreditkarte nicht zwingend von der eigenen Hausbank stammen, die zumeist 30 bis 50 Euro im Jahr berechnet. Es gibt Banken wie die TF Bank, die Hanseatic Bank oder die Easybank-Kreditkarte der Bawag, die das Geschäft der Barclays Bank in Deutschland übernommen hat, welche keine Jahresgebühr verlangen. Allerdings sollte der Saldo unbedingt monatlich vollständig ausgeglichen werden, und dies ist teilweise nur per manueller Überweisung möglich. Das Geschäftsmodell dieser Kreditkartenanbieter ist es nämlich, nur einen kleinen Teil des Saldos einzuziehen und für den Rest hohe Zinsen zu verlangen.Eine Ausnahme ist die BBVA-Kreditkarte, die in den ersten sechs Monaten grundsätzlich kostenlos ist und anschließend bei einem monatlichen Mindestumsatz von 500 Euro kostenlos bleibt. Beantragt werden kann sie derzeit aber nur von Kunden der spanischen Digitalbank, die seit mindestens einem halben Jahr ein Konto bei der BBVA führen.Ob Kreditkarten von Visa oder Mastercard ausgegeben werden, ist in der Praxis nachrangig. Beide Anbieter werden in fast allen Ländern akzeptiert. Anders sieht das bei American Express aus, hier ist die Akzeptanz geringer. In großen Hotels oder bei Mietwagenfirmen kommt man in der Regel zwar auch mit American Express weiter. Je nach Reiseland gibt es aber große Unterschiede.Außerhalb der EurozoneEuropa ist größer als die Eurozone. Schon in unseren Nachbarländern Dänemark und Polen gilt die Landeswährung. Das hat Folgen für bargeldloses Zahlen, denn es fallen bei einigen Anbietern sogenannte Fremdwährungsgebühren an. Bei der ING Deutschland sind es 2,2 Prozent, beim Einsatz der Lufthansa Miles & More Card oder der American Express Card sind es zwei Prozent. Ob DKB-Kunden weltweit ohne Gebühren zahlen können, hängt vom individuellen Kontomodell ab, es können aber auch 2,2 Prozent sein. Das summiert sich. Eine Beispielrechnung: Ein Hotelzimmer für 14 Tage à 200 Euro die Nacht macht 2800 Euro; tägliche Ausgaben für Speisen und Getränke von 100 Euro ergeben 1400 Euro. Rechnet man weitere Ausgaben für Ausflüge oder Souvenirs von 500 Euro hinzu, kommt man alles in allem auf 4700 Euro. Bei zwei Prozent Fremdwährungsgebühr macht das 94 Euro, also ein Abendessen für zwei Personen inklusive Tischwein.Gerade Neobanken, aber auch die BBVA sowie einige Anbieter von Reisekreditkarten berechnen weltweit keine Fremdwährungsgebühren. Eine gute Alternative ist die Debitkarte von Revolut. Mit ihr kann man auch die Hotelrechnung begleichen, wenn man beim Check-in eine andere Karte verwendet hat. Doch aufgepasst: In der kostenlosen Variante der Revolut-Karte fallen nur von Montag bis Freitag keine Fremdwährungsgebühren an, am Wochenende indes schon.Tückisch sind auch Geldautomaten. In Griechenland, aber auch in anderen Ländern ist es üblich, dass die Aufsteller der Geldautomaten eine Gebühr für Abhebungen verlangen, die auch dann anfällt, wenn man seitens der Hausbank gebührenfrei Geld abheben kann. Die Gebühren sind meist unterschiedlich, sodass sich ein Vergleich lohnt, ehe man sich den Betrag auszahlen lässt. Innerhalb der Eurozone lohnt es sich deshalb, etwas mehr Bargeld mitzunehmen und bei Ankunft im Hotel in den Safe zu legen. Auf Reisen nach Skandinavien ist Bargeld indes unnötig, dort lassen sich auch Kleinstbeträge problemlos bargeldlos begleichen.Hauptsache, gut versichertEs gibt unnütze, nützliche und notwendige Reiseversicherungen. Zur letzten Kategorie gehört eine Reisekrankenversicherung. Denn teuer werden Unfälle oder plötzliche Erkrankungen schon bei Urlauben in der EU. Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung zahlt nämlich nur die Kosten, die in Deutschland angefallen wären. Im Ausland sind Behandlungen aber oft deutlich teurer.Bei der Auswahl der Krankenversicherung sollte man auch darauf achten, unter welchen Bedingungen ein Rücktransport nach Deutschland versichert ist. Bei einem medizinisch notwendigen Rücktransport ins Heimatland wird der Patient nur dann nach Hause transportiert, wenn vor Ort keine adäquate Behandlung gewährleistet werden kann. Bei einem medizinisch sinnvollen und vertretbaren Rücktransport hingegen entscheiden die Ärzte der Notrufzentrale des Reiseversicherers zusammen mit dem Patienten, sobald dieser aus medizinischer Sicht transportfähig ist.Ob es einer Reiserücktrittsversicherung bedarf, ist eine Einzelfallentscheidung. Bei einer mehrwöchigen Kreuzfahrt um die Welt ist dies vielleicht sinnvoll, bei einem kurzen Städtetrip eher nicht. Und auch eine Gepäckverspätungsversicherung ist eher unnötig, außer man ist am Zielort zu einer Hochzeit eingeladen.Reiseversicherungen sind mitunter in Kreditkarten enthalten. Hier sollte man aber vor Abreise die Bedingungen prüfen. Vielfach sind die Versicherungen an den Karteneinsatz gekoppelt. Eine Ausnahme bildet die Auslandsreisekrankenversicherung der Lufthansa-Miles-&-More-Kreditkarte. Diese greift unabhängig vom Karteneinsatz, und mitreisende Partner oder Kinder sind in bestimmten Fällen mitversichert.Mit dem Smartphone im UrlaubEine der größten Errungenschaften der EU ist vielleicht die Roamingregelung. Wer in der EU, den drei Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums, Island, Norwegen und Liechtenstein, sowie neuerdings auch der Ukraine und der Republik Moldau unterwegs ist, braucht sich keine Gedanken zu machen, dort surft und telefoniert man wie in Deutschland. Das größte Loch im EU-Roaming ist die Schweiz. Sicher sind nur Kunden der Deutschen Telekom und der Discountanbieter, die das Telekom-Netz nutzen. Kunden von Vodafone, Telefonica Deutschland (o2) und 1&1 werden indes Roaminggebühren berechnet. In der Spitze können das knapp 200 Euro je Gigabyte sein. Nicht so in Großbritannien: Auch nach dem Brexit verzichten die vier deutschen Mobilfunkanbieter dort auf Roaminggebühren.Aber auch mitten in Europa gibt es Länder, in denen EU-Roaming nicht gilt. Etwa Monaco, die britischen Kanalinseln Jersey und Guernsey sowie die Isle of Man oder Andorra. Teuer wird mobiles Surfen oder der Anruf zu Hause auch aus beliebten Urlaubsländern auf dem Balkan, etwa Montenegro oder Albanien. Preiswerter wird es mit einer Reise-e-SIM. Die meisten neueren Smartphones können sogenannte embedded SIMs, eingebaute SIM-Karten, abspeichern. Der Vorteil: Telefonisch ist man noch über die gewohnte Nummer erreichbar, für das Internet nutzt man einen preiswerteren Tarif.Die Zahl der Anbieter von Reise-e-SIMs ist mittlerweile groß. Ein Vergleich der Tarife für das Zielland im Internet lohnt sich. In jedem Fall sollte man eine Reise-e-SIM bereits am Tag vor der Abreise im heimischen WLAN-Netz laden. Eine stabile Datenverbindung ist Voraussetzung für die erfolgreiche Installation einer e-SIM. Zudem hat man gleich zur Ankunft im Urlaubsland Empfang.Eine preisgünstige Alternative ist natürlich die Nutzung von WLAN-Netzwerken in Hotels oder Restaurants. Diese sind aber meist unsicher. Es empfiehlt sich, dort nicht auf sensible Daten, etwa Banking-Apps, zuzugreifen.
Ein Urlaub ist teuer, aber unnötige Kosten lassen sich vermeiden.
Die Sommerferien stehen vor der Tür: Kein preiswertes Vergnügen, das sich aber trotzdem viele Deutsche noch leisten. Die F.A.Z. gibt Tipps, wie Sie Ihre Reisekasse vor unnötigen Kosten schützen.
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