Radfahrende Rüpel, Beine für Bombenopfer und ein riskantes Regelwerk: Die Leseempfehlungen der Woche aus der Wissenschaftsredaktion des SPIEGEL.
20.06.2026, 10.06 Uhr
Liebe Leserin, lieber Leser,neben der Arbeit als Wissenschaftsredakteur beim SPIEGEL habe ich noch einen weiteren Job: Ich bin Taxifahrer, allerdings mit übersichtlichem Kundenstamm. Ich fahre meine beiden Töchter jeden Morgen zur Grundschule, obwohl das hochumstritten ist (Stichwort Elterntaxi -Kritik); ich kutschiere sie zum Sport und zur Musikschule; und ich bringe sie zu Freundinnen und Freunden, die nicht in der Nachbarschaft wohnen. Ich bin also verhältnismäßig oft unterwegs in der Stadt, in der ich wohne, und weiß daher, was los ist an Kreuzungen, auf Zebrastreifen und am Straßenrand. Insofern kann ich unterschreiben, was Lukas Kissel nun in seinem neuen Artikel beschreibt.
Fahradfahrerin mit Handy: Hinfallen ohne Fremdeinwirkung
Der Kollege befasst sich darin mit rüpeligen Radlern, die rote Ampeln ignorieren, über Gehwege ballern oder während der Fahrt auf ihr Handy schauen. Besonders Letzteres fällt mir immer häufiger auf: Die radfahrenden Teenies, die ich morgens auf dem Schulweg beobachte, sind während der Fahrt nicht zu einem kleinen, sondern zum überwiegenden Teil mit ihrem Smartphone beschäftigt, also im Grunde blind unterwegs. In Wahrheit bin ich erstaunt, dass nicht viel häufiger etwas passiert – und die Unfallzahlen nicht deutlich höher sind, als es Lukas Kissel schreibt.Etwa 270 Radfahrer werden jeden Tag auf deutschen Straßen verletzt, und leider ist die Zahl in den vergangenen Jahren gestiegen. Immer öfter verunglücken auch Radfahrer, ohne dass andere Verkehrsteilnehmer beteiligt sind. Das liegt wohl unter anderem schlicht daran, dass immer mehr Menschen regelmäßig Rad fahren, darunter reichlich Senioren auf rasanten E-Bikes. Zudem gibt es etliche sanierungsbedürftige Straßen und Wege, die an Buckelpisten erinnern – aus der amtlichen Statistik sei es schwer ersichtlich, warum ein Radfahrer ohne Fremdeinwirkung stürzt oder etwa vor eine Laterne knallt, schreibt mein Kollege.






