Wolken spiegeln sich im himmelblauen Bergsee – ein Bild wie aus dem Reisekatalog. Nur gut, dass die Kamera nicht nach links oder rechts schwenkt. Denn dort drängen sich Wanderer dicht an dicht. Alle warten darauf, ein Selfie vor dem Instagram-Hotspot zu knipsen.Vor allem in der Hauptsaison haben Wanderer Bayerns Gipfel und Bergseen selten für sich allein. Wer sich nach etwas Abgeschiedenheit sehnt, wird im Freistaat aber trotzdem fündig – oft genügt reicht schon ein anderer Zustieg zum Ziel. Eine Auswahl an Geheimtipps für Touren abseits der allseits bekannten Routen.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.OberbayernDer BaderseeDer türkisblaue Eibsee ist längst kein Geheimtipp mehr. Wer auf die Menschenmassen, aber nicht auf den Zugspitzenblick verzichten will, sollte seinem kleinen Nachbarn einen Besuch abstatten, dem abgelegenen Badersee. In dessen smaragdgrünem Wasser sieht man unten die Fische wirbeln.Umrunden lässt sich der See in etwa 20 Minuten. Wem das nicht genügt, kann seine Route zum Eibsee fortsetzen. Auf dem Weg dorthin behält man stets die Zugspitze im Blick. Parkplätze sind am öffentlichen Wanderparkplatz Grainau zu finden, von dort läuft man gut zehn Minuten zum Badersee.Die JachenauZwischen Walchensee und Isarwinkel erstreckt sich die Jachenau. Das Hochtal ist reich an Wald und arm an Einwohnern – ideal zum Wandern fernab der Touristenströme. Ein beliebtes Ziel ist die Wanderung zum Glasbach-Wasserfall. Der wenig steile etwa zehn Kilometer lange Weg führt vorbei am Gebirgsbach durch schattige Bergwälder und offene Almwiesen. Die Route startet im Jachenauer Ortsteil Dorf, unterhalb der Kirche liegt ein Wander­park­platz. Wer den Zug nimmt, sollte am Bahnhof Lenggries aussteigen und in den Bus umsteigen – jedoch gibt es nur wenige Fahrten am Tag.Ausflugstipps für alle, die Action suchen:Bayern für AdrenalinjunkiesEinmal über Neuschwanstein fliegen, Skifahren im Sommer, Klettern in schwindelerregenden Höhen? In Bayern kein Problem. Ausflugstipps für alle, die Action lieben.Der Hochmiesing in den Bayerischen VoralpenDer östliche Teil der Bayerischen Voralpen zieht besonders viele Münchner Wanderer an. Doch auch hier lassen sich noch ruhigere Ecken finden. Deutlich weniger besucht als der Besuchermagnet Rotwand ist etwa der Hochmiesing (1883 Meter) bei Bayrischzell. Dabei ist der Ausblick nicht weniger spektakulär: Bei klarem Himmel kann man bis zur Zugspitze und zum Wilden Kaiser sehen. Für die mittelschwere Wanderung gibt es mehrere Startpunkte, wie den Parkplatz am Spitzingsattel oder den Bahnhof in Geitau bei Bayerischzell. Von dort aus gibt es auch eine anspruchsvolle Rundtour um den Hochmiesing herum.Almbachklamm in den Berchtesgadener AlpenBayerns Schluchten erfreuen sich großer Beliebtheit, vor allem die Breitachklamm im Allgäu oder die Höllentalklamm in Garmisch-Partenkirchen. Doch es gibt sie auch, die weniger überfüllten Schluchten, wie die Almbachklamm in den Berchtesgadener Alpen. Dabei ist diese Schlucht nicht weniger spektakulär: Tosend stürzt sich der klare Almbach über 100 Meter in die Tiefe. Besucher laufen durch enge Felswände hindurch – insgesamt geht es über 29 Brücken, 320 Stufen und einen in den Fels gehauenen Tunnel.Der Weg durch die Schlucht ist drei Kilometer lang. Wer eine Halbtagestour plant, kann seine Wanderung zum Bergdorf Ettenberg fortführen und über den Hammerstielsteig zurück. Ein Postkartenmotiv bietet die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung mit den rauen Felswänden des Untersbergs im Hintergrund.NiederbayernDer RachelseeIn seinen Tiefen hausen die Verdammten, über sein Wasser zieht der Geist einer Hexe: Der Rachelsee im Bayerischen Wald ist nicht nur für seine Legenden bekannt, sondern auch für seine Ruhe. Der bis zu 13,5 Meter tiefe Karsee liegt südöstlich des Großen Rachel und ist nur zu Fuß erreichbar. Für Ruheliebende macht genau das seinen Reiz aus.Seit das Gebiet 1918 unter Naturschutz gestellt wurde, musste kein Baum mehr weichen. So ist rund um den See eine Art Urwald entstanden. Wie auch der Große Arbersee wird der Rachelsee von einer steilen Seewand überragt.Am schnellsten erreicht man das Gewässer über den Buntspecht-Rundweg von der Racheldiensthütte (etwa eine Stunde Gehzeit) oder von Gfäll (etwa eineinhalb Stunden). In der Sommersaison sind die Ausgangspunkte nur mit dem Igelbus erreichbar. Der Bus fährt mehrmals täglich.SchwabenOberer Gaisalpsee in den Allgäuer AlpenWer kennt sie nicht: die beliebten Alpenseen Schrecksee, Vilsalpsee oder Rappensee? Ein Besuch dieser Ausflugsziele hat allerdings einen Nachteil – besonders an Wochenenden und in der Ferienzeit sind sie stark frequentiert.Die Allgäuer Hochalpen ziehen viele Wanderer an. Foto: Sebastian BeckWer die Ruhe sucht, sollte seine Tour im Nebelhorngebiet nicht am Unteren Gaisalpsee beenden. Rund eine Stunde weiter liegt der Obere Gaisalpsee. Der nur 0,8 Hektar große Bergsee befindet sich auf 1769 Metern Höhe im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Dort erwartet Wanderer eine Hochgebirgskulisse fernab der größten Besucherströme.Die Tour zum Oberen Gaisalpsee lässt sich auf verschiedene Arten gestalten: klassisch als Abstecher über die Gaisalpe und den Unteren Gaisalpsee oder anspruchsvoller als Rundwanderung durch die umliegende Bergwelt. Für die Anreise mit Auto, Bahn oder Bus bietet sich Oberstdorf als Ausgangspunkt an. Von dort verkehren Busse in Richtung Gaisalpe, wo der Aufstieg beginnt.Schloss Neuschwanstein vom Alpsee ausDas Schloss Neuschwanstein ist der Instagram-taugliche Fotospot schlechthin. Dafür drängeln sich Besucher oft auf der Marienbrücke. Doch es gibt noch einen weniger bekannten Aussichtspunkt auf das Schloss: den Alpsee. Vom Marienmonument aus reicht der Blick bis zu den Alpen und auf das Schloss. Wer Lust auf einen Spaziergang hat, kann den See in 5,2 Kilometern umrunden.Der Alpsee bietet einen Blick auf das Schloss Neuschwanstein. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpaOberfrankenDie Riesenburg in der Fränkischen SchweizLängst ist die Fränkische Schweiz kein Geheimtipp mehr. Doch auch hier gibt es Orte, denen die Massen noch fernbleiben. Ein Beispiel ist die Riesenburg: Treppen führen durch die Überreste der Höhle im Frankendolomit. Insgesamt ist sie 43 Meter lang und hat eine Höhendifferenz von 25 Metern. Die Ruine ist über einen steilen Anstieg erreichbar. Weniger als 100 Meter entfernt befindet sich ein Wanderparkplatz.Ebenfalls im Wiesenttal liegt der unterschätzte Aussichtspunkt Adlerstein. Von dem acht Meter hohen Felsen hat man einen guten Blick auf die nördliche Fränkische Schweiz. Adlerstein und Riesenburg lassen sich in einer mittelschweren Rundwanderung verbinden.Die Fränkische Schweiz ist längst kein Geheimtipp mehr. Hier zu sehen ist das Walberla. Foto: Nicolas Armer/dpaOberpfalzDas WaldnaabtalFluss, Burg, Felsen und eine Landschaft, die an Skandinavien erinnert – das Wandergebiet in der Oberpfalz hat viel zu bieten, wird aber oft unterschätzt. Eine Tour fernab der Massen startet am Kirchplatz in Falkenberg und folgt dem Burgenweg zunächst Richtung Wald und durch das Dorf bis zu freien Feldwegen. Weiter geht es vorbei an Weihern, einer kleinen Kapelle und in Richtung Waldnaabtal.Im Wald folgt der Weg dem Bachlauf über schmale Pfade, vorbei am Mühlnickelteich, dem Sauerbrunnen und auffälligen Felsformationen. Danach führt die Route zurück Richtung Falkenberg, wo man über den Ortskern zur Burg Falkenberg aufsteigt. Die neun Kilometer lange Tour endet wieder am Kirchplatz.