Eines der bekanntesten Sprichwörter stammt aus dem Alten Testament. In den bekannten Sprüchen Salomos heißt es wegweisend: „Hochmut kommt vor dem Fall.“ Wir erleben es selbst, wenn wir im Rausch eines persönlichen Erfolges unvorsichtig und zu risikofreudig werden. Erfolg kann dann zur Selbstüberschätzung und diese dann zu schlechten Entscheidungen führen.

Final erhöhen sie schließlich das Risiko des Scheiterns. Bereits der große römische Philosoph Seneca sagte: „Nichts ist so verhängnisvoll wie die Selbstüberschätzung.“ Das biblische Sprichwort können wir auch auf das Verhalten der westlichen Welt und insbesondere Deutschlands anwenden.

Arroganz des Westens

Die Rede von der sogenannten Arroganz des Westens ist dabei nicht einfach, wie oft behauptet, Propaganda autoritärer Staaten. Sie hat einen belastbaren Kern: Nach 1990 dominierte im Westen die Annahme, liberale Demokratie, Marktwirtschaft und regelbasierte Ordnung seien historisch überlegen und langfristig alternativlos. Diese westliche Selbstgewissheit entstand aufgrund der kompletten Niederlage des Kommunismus in Europa.

Der bekannte amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama prägte gar den Grundsatz vom „Ende der Geschichte“. Er argumentierte dabei nicht, dass Geschichte als Ereignisfolge ende. Gemeint war das Ende der großen ideologischen Konkurrenz um das „beste“ politische System. Die liberal-demokratische Marktwirtschaft erschien ihm als Endpunkt ideologischer Entwicklung, weil Faschismus und Kommunismus diskreditiert waren und es keine gleichrangigen Alternativen mehr gab. Vor ein paar Jahren gestand der Wissenschaftler ein, dass er sich – und viele ähnlich Denkende mit ihm – grundlegend geirrt hat.