PfadnavigationHomeRegionalesHamburgProjektchaosNach Kostensteigerung und Verzögerung – Aufsichtsrat prüft Schadenersatz bei neuer MüllverwertungStand: 19.06.2026Lesedauer: 4 MinutenDas Zentrum für Ressourcen und Energie befindet sich seit gut drei Jahren im Bau. Das Bild zeigt den Baustand im August 2025Quelle: David Hammersen/dpaDie neue Müllverbrennungsanlage ZRE gerät zur Dauerbaustelle. Die Rede ist von einer „deutlich anderen Projektsituation“, Umweltsenatorin Katharina Fegebank spricht von „erheblichen Kostensteigerungen“ – nun rückt die persönliche Haftung früherer Entscheider in den Fokus.Die neue Hamburger Müllverbrennungsanlage, genannt „Zentrum für Ressourcen und Energie“ (ZRE), kämpft mit steigenden Kosten und deutlichen Verzögerungen. Vor diesem Hintergrund lässt der Aufsichtsrat nach WELT-Informationen nun mögliche Schadenersatzansprüche gegen den früheren Geschäftsführer der Stadtreinigung sowie gegen weitere Projektverantwortliche prüfen. Der Aufsichtsrat beschloss demnach in dieser Woche die Beauftragung einer externen Kanzlei, um zu klären, ob frühere Entscheidungsträger in der Stadtreinigung für die Entwicklung haftbar gemacht werden können. Solche Ansprüche kommen in der Regel nur dann in Betracht, wenn Entscheidungsträgern Pflichtverletzungen nachgewiesen werden können, etwa bei unzureichendem Risikomanagement oder fehlerhafter Information des Aufsichtsrats. Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Die Umweltbehörde (BUKEA) wollte sich auf Anfrage zu dem Beschluss nicht äußern.Lesen Sie auchDafür äußerten sich Fegebank und die neue Geschäftsführung allgemein zum Projektverlauf. „Kommuniziert wurde dem Aufsichtsrat noch Ende vergangenen Jahres, dass alles im Plan ist“, sagte Fegebank. Das Zentrum für Ressourcen und Energie, das moderne Abfallsortierung und Müllrecycling unter anderem mit der Auskopplung von Fernwärme und Strom verbinden soll, ist seit 2017 in Planung. 2023 erfolgte der Baustart auf dem Gelände der ehemaligen Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld, unmittelbar angrenzend an die Autobahn A7. Bei Baustart hieß es, das ZRE werde im Jahr 2025 in den Betrieb gehen können. Der letzte offiziell vom Aufsichtsrat beschlossene Zeitplan sah eine Inbetriebnahme 2026 vor – möglicherweise mit einer leichten Verschiebung bis ins Jahr 2027 hinein.Mit dem Wechsel an der Spitze der Stadtreinigung sei die Lage neu bewertet worden. „Mit unserem Amtsantritt zu Jahresbeginn haben wir eine deutlich andere Projektsituation vorgefunden, als zuletzt berichtet worden war“, erklärte Geschäftsführerin Daniela Enslein. Weder die geplante Inbetriebnahme noch die Annahme, mit dem freigegebenen Budget auszukommen, hätten den tatsächlichen Gegebenheiten entsprochen.Lesen Sie auchFegebank kündigte eine vollständige Aufarbeitung an. „Seit die neue Geschäftsführung und ich von der neuen Situation erfahren haben, hat es für uns gemeinsam oberste Priorität, diese Diskrepanz zu prüfen und lückenlos aufzuklären“, sagte sie. Zugleich betonte sie: „Nicht der Führungswechsel hat diese Kosten verursacht – er hat sie sichtbar gemacht.“Erst im weiteren Verlauf wurde das Ausmaß der Probleme deutlich. Ursprünglich war das Projekt mit rund 234 Millionen Euro veranschlagt, später stiegen die Kosten auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Zuletzt war in Medienberichten von weiter steigenden Kosten die Rede, das „Hamburger Abendblatt“ berichtete von Summen von mehr als 750 Millionen Euro. Offiziell heißt es, es gebe noch keine belastbaren Summen, was die Mehrkosten angeht. „Klar ist aber, dass wir von erheblichen Kostensteigerungen ausgehen“, erklärt Fegebank. „Wir fangen jetzt nicht an zu flicken, sondern setzen ab sofort eine völlig neue Steuerung des Projekts, standardisierte Berichtswege und eine integrierte Projektsteuerung um, damit wir wieder die volle Kontrolle und Nachvollziehbarkeit erlangen.“Lesen Sie auchVerbunden ist damit offenbar auch ein neuer Zeitplan. Inzwischen wird erst mit den einer Inbetriebnahme in den Jahren 2029 bis 2030 gerechnet. Die Anlage wird dabei zeitversetzt ihre Funktionen in Betrieb nehmen. Der erste Müll wird beispielsweise schon verbrannt werden, bevor Wärme ins städtische Fernwärmenetz geliefert werden kann.Das ZRE gilt als eines der wichtigen Infrastrukturprojekte der Stadt. „Das Gelingen dieses Projekts ist für die Entsorgungssicherheit wie auch für die Wärmewende in unserer Stadt von herausgehobener Bedeutung“, sagte Fegebank. Gleichzeitig versicherte sie: „Die Hamburger Wärmewende steht. Die Fernwärmeversorgung ist absolut sicher.“Bürgerschaft befasst sich am Dienstag mit dem ProjektHamburg stellt seine Wärmeversorgung in der Fernwärme neu auf. Zunächst wird das Kohlekraftwerk in Wedel ersetzt. Künftig kommt Fernwärme aus dezentralen, unterschiedlichen Quellen, etwa einer Abwasserwärmepumpe oder industrieller Abwärme. In einem zweiten Schritt soll auch das Kraftwerk Tiefstack durch kleinere, mit erneuerbaren Energien belieferten Einheiten ersetzt werden. Das ZRE soll perspektivisch an den Energiepark Hafen angeschlossen werden. Politisch wird sich die Bürgerschaft zeitnah mit dem Projekt befassen. Der zuständige Ausschuss will sich am Dienstag in nicht öffentlicher Sitzung mit dem ZRE beschäftigen. Zudem hat die CDU ein Aktenvorlageersuchen angekündigt, dem sich nach bisherigen Signalen auch die SPD anschließen will.
Projektchaos: Nach Kostensteigerung und Verzögerung – Aufsichtsrat prüft Schadenersatz bei neuer Müllverwertung - WELT
Die neue Müllverbrennungsanlage ZRE gerät zur Dauerbaustelle. Die Rede ist von einer „deutlich anderen Projektsituation“, Umweltsenatorin Katharina Fegebank spricht von „erheblichen Kostensteigerungen“ – nun rückt die persönliche Haftung früherer Entscheider in den Fokus.






