Angesichts der Weltlage ist seine Einschätzung zu Berlin überraschend: „Insgesamt ist die Stadt in der wirtschaftlichen Entwicklung gut und da mache ich mir auch keine Sorgen“, sagt Hinrich Holm. Wir treffen den Vorstandschef der Investitionsbank Berlin (IBB) zum Interview in seinem Büro. Holm kann seine Zuversicht begründen und erklärt, wie sich Berlin verändern muss. Den er sagt deutlich: Im globalen Wettbewerb haben wir einiges zu verlieren.
Vor 20 Jahren gab es in Berlin einen Start-up-Hype. Ist Berlin heute immer noch eine Start-up-Stadt? Ja, aber das Ökosystem ist erwachsen geworden. Vor 20 Jahren arbeiteten rund 18.000 Menschen in Berliner Start-ups, heute sind es in der aktuellen Gründungskohorte 56.000. Die Digitalwirtschaft insgesamt – also einschließlich der ehemaligen Start-ups, die heute etablierte Unternehmen sind – zählt rund 145.000 Beschäftigte und ist damit der zweitgrößte Sektor nach der Gesundheitswirtschaft. Das erklärt auch, warum wir im BIP-Wachstum rund einen Punkt über dem Bund liegen.
Wie ist denn das Verhältnis Digitalwirtschaft zu „normalen“ Start-ups? Wir müssen das als Ökosystem verstehen. Die Grenzen sind dabei oft fließend. Fintechs, darunter auch Neobanken, gehören teilweise zur Digitalwirtschaft, teilweise aber auch zur Finanzwirtschaft. Wir schauen, wo einzelne Bereiche unseres Start-up-Ökosystems eine spezielle Begleitung brauchen. Wir haben mit einer Marktkapitalisierung unserer Fintechs von 22 Milliarden Euro eine signifikante Größenordnung und das bezogen auf die aktuelle Gründungskohorte. Das entspricht schon einer Frankfurter Großbank. Wir haben daher das House of Finance & Tech (kurz HoFT) gegründet, eine Art Kontakt- und Ideenbörse.Für den Biotech-Bereich haben wir den Messe-Ansatz gewählt: Auf der „bio:cap“, dem neuen internationalen Life-Science- und AI-Investival, das vom 9. bis 11. Juni 2026 in Berlin Premiere feierte, geht es darum, Gesundheitswirtschaft und Start-ups mit Deep Tech zusammenzubringen.









