Eine Play-off-Serie im Basketball ist ein Prozess von Anpassungen. Das Finalduell um die Deutsche Meisterschaft, zwischen dem FC Bayern München Basketball und Alba Berlin, macht diesbezüglich keine Ausnahme. Mit dem 91:83-Auswärtssieg am Mittwoch in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle in Berlin verschaffte sich der Titelverteidiger aus der bayerischen Landeshauptstadt eine 2:1-Führung. Und damit den ersten Matchball für Freitag an gleicher Stätte.Die Anpassungen in diesen Finalspielen kreisen um Andreas Obst. Der Welt- und Europameister im Münchner Trikot ist der beste deutsche Basketballer außerhalb der NBA und wurde zu Recht als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet. Im Halbfinale gegen Bonn versäumte der Neunundzwanzigjährige, beim glatten 3:0 der Bayern, die beiden letzten Begegnungen wegen eines Magen-Darm-Infekts.Für das erste Finalspiel am Freitag in München kehrte er zurück und präsentierte sich in Bestform. Allein im zweiten Viertel markierte Obst 16 Zähler und hielt sein Team im Alleingang im Spiel. Am Ende standen 33 Punkte auf seinem Konto, womit er der entscheidende Faktor beim 102:94-Erfolg seines Teams war. In einer hochklassigen Begegnung, die von guter Ballbewegung und starken Trefferquoten geprägt war, hatten die Berliner kein Mittel gegen den Münchner Scharfschützen.Obst mit 33 Punkten in Spiel einsEs folgte die Berliner Anpassung im zweiten Aufeinandertreffen am Sonntag. Obst wurde konsequent in den Fokus des defensiven Konzepts gerückt. Dem Star der Bayern wurde kein Millimeter Platz gewährt, die grundsätzliche Aggressivität in der Verteidigung, aber vor allem die gegen den Shooting Guard, wurde deutlich nach oben geschraubt. Am Ende landete Obst bei zwölf Punkten, hatte aber nur drei von 13 Würfen aus dem Feld getroffen. Die schwächere Leistung kann man angesichts des gerade überstandenen Infekts auch ein Stück weit mit seinem Kräftehaushalt in Verbindung bringen.Die junge Berliner Mannschaft präsentierte sich auswärts abgeklärt und glich die Serie verdient mit einem 86:79-Sieg aus. In dieser Partie ließ Bayern-Coach Svetislav Pesic die Obst-Alternative, Xavier Rathan-Mayes, die komplette Spielzeit auf der Bank schmoren. Auch im dritten Spiel am Mittwoch kam der Kanadier nicht zum Einsatz, obwohl er in den Halbfinalbegegnungen gegen Bonn – in Abwesenheit von Obst – 19,3 Punkte pro Partie mit exzellenten Quoten beigesteuert hatte. Nach einem Disput mit Pesic, bei seiner Auswechslung im ersten Spiel, scheint Rathan-Mayes bei seinem Trainer in Ungnade gefallen zu sein.Dimitrijevic wieder in FormAlso musste ein anderer Plan, eine andere Anpassung für das dritte Spiel gefunden werden. Die Bayern entschieden sich dafür, ihre Punkte abseits von Obst zu generieren. In dem Wissen, dass ihm das Hauptaugenmerk der Berliner Verteidigung gelten würde, sollten seine Mitspieler davon profitieren, dass sich ihnen mehr Möglichkeiten bieten würden.Während die Münchner im zweiten Spiel noch darauf bedacht waren, ihrem Star unter allen Umständen Würfe zu verschaffen, wurde er zu Beginn der dritten Begegnung zum Ablenkungsmanöver umfunktioniert. Obst verzeichnete seinen ersten Wurfversuch 35 Sekunden vor Ende des ersten Viertels, während der in die Startformation gerückte Nenad Dimitrijevic bereits in den ersten sechs Minuten neun Zähler aufgelegt hatte.Der Nordmazedonier, dessen defensive Schwächen häufig diskutiert werden, hatte bereits im zweiten Spiel 20 Punkte erzielt. Nach schwächeren Auftritten in den letzten Play-off-Spielen zeigte er sich wieder in der Form, die ihn am Ende der Hauptrunde und im Viertelfinale gegen Trier ausgezeichnet hatte. Am Mittwoch steuerte der Spielmacher 19 Punkte und sieben Assists bei, ohne sich einen einzigen Ballverlust zu leisten. Zudem spielte Hollatz stark von der Bank, und Klub-Ikone Vladimir Lucic zeigte an seinem 37. Geburtstag seine bislang beste Finalleistung.Die Berliner hatten in der zweiten Halbzeit am Mittwoch mehrmals die Gelegenheit, das Spiel zu drehen, agierten in diesen Momenten aber zu hektisch, nervös und fehlerhaft. Nach gutem Start von der Dreipunktelinie sackte die Quote in den Keller und lag am Ende nur bei 25 Prozent. Dazu vergab Alba zehn Freiwürfe. An diesem Freitag (20.30 Uhr) muss das Team von Pedro Calles – im bereits 14. Play-off-Spiel – Energie und eine Antwort in Form der nächsten Anpassung finden. Ansonsten feiern die Bayern ihren ersten „Threepeat“ ausgerechnet an Pesics alter Wirkungsstätte.Der Autor ist zweimaliger Trainer des Jahres in Deutschland.