Für sie: Dior trifft HosenrockZwei Damen machten beim G-7-Gipfel in Évian Schlagzeilen, weil sie in „abgestimmten“ Outfits die Weltbühne betraten: Charlotte Merz und Brigitte Macron. Stern.de stellte prompt die naheliegende Frage, ob Merz und Macron deswegen ihre Frauen verwechselt hätten, und Bunte.de analysierte, die Gattinnen trügen Looks im Chanel-Stil. Nichts davon stimmt, denn abgesehen von den für hochoffizielle Repräsentation angemessenen Farben Schwarz und Weiß könnten die Outfits der beiden nicht gegensätzlicher sein. Madame Macron trägt ihren Signature Look, ein einen Hauch zu enges, in Sachen Modernität einen Hauch zu kurzes Kleid von Louis Vuitton. Und wegen der französischen Weltdominanz in Sachen Luxusprodukte dazu auch noch eine Handtasche von Dior. Die Schuhe sind wie immer schwindelerregend hoch, der Haaransatz à la Bernadette Chirac auch, wie wir das von Französinnen, die einmal die Woche zum Waschen und Föhnen gehen, nunmal gewohnt sind. Très Rive droite ist dieser Lifestyle, der Mode- und Haartrends in riesigen Wohnungen mit Flügeltüren lässig ignoriert – die modische Pariserin mit den strähnigen Bobfrisuren und den Rockband-T-Shirts treibt sich ja auf der anderen Seite der Seine herum. Charlotte Merz hält hingegen die An- und Absätze und also generell den Ball flach, wie wir das von Deutschen gewohnt sind, die sich die Haare selbst waschen müssen. Der Hosenrock, gerade mal wieder in Mode, müsste eigentlich weiter über oder unter dem Knie enden, aber solche Feinheiten stören den Gesamteindruck null, denn: Die Damen im Bild repräsentieren ihre Länder einfach perfekt, und darum geht es ja irgendwie. Getty ImagesFür ihn: Monarch trifft SitzungsleiterSo ein G-7-Gipfel ist ja immer auch eine gute Gelegenheit, die Anzug-Kultur der Länder zu vergleichen. Vermutlich machen die Spitzenpolitiker insgeheim auch nichts anderes, während sie auf Donald Trump warten. Hier sehen wir also mustergültig die unterschiedliche Herangehensweise von Friedrich Merz und Emmanuel Macron an ihre Berufskleidung. Der Franzose trägt bevorzugt Anzüge im tiefsten Navyblau mit hochsitzendem Knopf und körpernahem Schnitt. Die Schultern sind weich gearbeitet, die Hosen schlank, der ganze Anzug hat eher wenig Struktur und wirkt daher immer sehr beweglich und dynamisch. Das Ideal der Pariser Schneider ist eben ein Anzug, der so aussieht, als hätte man ihn seinem Träger in Bewegung auf den Leib genäht – elegant, aber auch energisch. Friedrich Merz nun überragt seinen Kollegen nicht nur um 20 Zentimeter, sein Outfit ist auch insgesamt hoheitlicher. Die längere Sakko-Linie, die nicht sonderlich ausgeprägte Taillierung und klassisch breit gearbeitete Schultern lassen den Träger insgesamt weniger modelliert wirken. Zusammen mit der bei Merz immer seltsam zu leicht gewählten Krawatte lässt sich sagen: Wenn Friedrich Merz heute in den Anzug steigt, steigt er immer noch in klassische Businesskleidung. Also in etwas, das irgendwann als notwendiges Übel für die Karriere begann und diese Einordnung nie ganz überwunden hat. Stabil, seriös, sauber – traditionell folgt die deutsche Anzuglinie eher der britischen als der italienischen Schule. Macron oder zumindest seine Schneider und Stylisten hingegen begreifen den präsidialen Anzug nicht in erster Linie als Rüstungsprojekt, sondern als Präsenzverstärker mit modischer Finesse. So wie in der französischen Politik vieles ganz auf den Präsidenten und seine Autorität zugeschneidert ist, kann auch sein Outfit eben nur von ihm getragen werden. Merz hingegen unterstreicht mit seinem Look stets nüchterne Kompetenz und Zuverlässigkeit und eine, durchaus positiv gemeinte, Austauschbarkeit: Es geht ums Amt, nicht um die Person.