Düsseldorf. Der Schweizer Baustoffkonzern Holcim hat die Übernahme des deutschen Baustoffherstellers Xella abgeschlossen. Für 1,85 Milliarden Euro sichert sich der Konzern damit Baustoff-Marken wie Ytong, Hebel, Silka und Multipor und baut sein Geschäft mit Wand- und Dämmsystemen aus.Konzernchef Miljan Gutovic spricht von einem bewusst gewählten Zeitpunkt – in einer Phase schwacher Baukonjunktur. „Wir kaufen Xella am Tiefpunkt des Zyklus“, sagte er dem Handelsblatt.Die Akquisition kommt zu einer Zeit, in der die europäische Bauwirtschaft noch immer unter der Schwäche im Wohnungsbau leidet. Holcim setzt damit jedoch auf eine Erholung des Marktes. „Wir glauben, dass sich der Markt in den nächsten fünf bis zehn Jahren erholen wird. Deshalb investieren wir jetzt“, sagte Gutovic. „Man kauft keine Unternehmen, wenn die Gewinne auf Rekordniveau stehen.“Mit Xella erweitert Holcim sein Angebot über klassische Baustoffe hinaus. Der Konzern will künftig stärker komplette Bausysteme anbieten.Das Duisburger Unternehmen Xella bietet unter anderem Marken wie „Ytong“, „Silka“, „Hebel“ und „Multipor“ Bau- und Dämmstoffe an. Am bekanntesten ist der „Ytong“-Porenbeton des Baustoffherstellers.Holcim-CEO Miljan Gutovic: „Diese Übernahme ist eine Wachstumsinvestition, kein Sparprogramm.“ Foto: REUTERS„Systeme zu verkaufen ist immer besser, als einzelne Produkte zu verkaufen“, sagte Gutovic. „Wer nur einen Baustoff verkauft, verschenkt Wertschöpfung.“ Kunden erwarteten zunehmend integrierte Lösungen. „Ein Bauherr will nicht mit sechs Lieferanten sprechen, sondern mit einem“, sagte er.Die Übernahme soll Holcims Strategie „NextGen Growth 2030“ vorantreiben. Der Konzern will den Anteil höherwertiger Bau- und Sanierungslösungen ausbauen und sich unabhängiger vom klassischen Zementgeschäft machen.Gleichzeitig betonte Gutovic, dass es sich nicht um einen Sparkurs handelt. „Diese Übernahme ist eine Wachstumsinvestition, kein Sparprogramm.“ Holcim wolle die Aktivitäten des Duisburger Unternehmens ausbauen, keine Kapazitäten nehmen. „Wir wollen Xella weiter ausbauen und nicht schrumpfen“, sagte der Holcim-Chef.Besonders große Chancen sieht der Manager im europäischen Sanierungsmarkt. Er sagte: „Rund 75 Prozent der Wohngebäude in Europa sind energetisch ineffizient. Hier liegt ein enormes Potenzial für Sanierungen.“ Die EU und nationale Regierungen drängen auf höhere Energieeffizienz im Gebäudebestand. Davon dürften gerade Anbieter von Dämm- und Wandsystemen profitieren.