Ein schwedisches Gericht hat einen Mann der schweren Zuhälterei schuldig gesprochen. Neben ihm sassen weitere 29 Personen auf der Anklagebank.19.06.2026, 06.00 Uhr3 LeseminutenDas Gericht Angermanland in Härnösand spricht von «rücksichtsloser Ausnutzung».Mats Andersson / ImagoEin Mann in Schweden hat seine Frau während dreier Jahre zum bezahlten Sex mit fremden Männern gezwungen, die Taten gefilmt und sich finanziell daran bereichert. Verschiedene Medien berichteten von über 120 Männern, die die Frau missbraucht haben sollen. Auf seine Frau übte der Mann zudem psychischen Druck aus, drohte ihr mit Gewalt oder dem Tod, heisst es in der Anklageschrift. Ende März erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den rund 60-Jährigen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Fall hat in Schweden zu grosser Bestürzung geführt. Nun hat ein schwedisches Gericht geurteilt. Der Mann wurde wegen schwerer Zuhälterei, versuchter Vergewaltigung, Körperverletzung, Bedrohung und Dopingvergehen zu vier Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt. In einer Medienmitteilung vom 16. Juni schreibt das Gericht, die Frau sei «rücksichtslos ausgenutzt» worden.Der Mann war neben den erwähnten Punkten auch in acht Fällen wegen Vergewaltigung und in vier Fällen wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt. Diese hat das Gericht jedoch fast vollständig abgewiesen. In einem Fall konnte das Gericht laut eigenen Angaben nicht klären, welche sexuellen Handlungen stattgefunden haben, bei den anderen sieben Fällen war unklar, ob eine unfreiwillige Beteiligung der Frau vorgelegen hat. Lediglich in einem Fall der versuchten Vergewaltigung sprach das Gericht den Mann schuldig.Das Gericht Angermanland schreibt in der Mitteilung: Der Mann habe seine Frau beeinflusst und dazu gebracht, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen und im Internet zu übertragen, Freier zu empfangen und Nachbarn und Kunden dazu zu bringen, Sex mit ihr zu haben.Die Hauptverhandlung dauerte insgesamt acht Wochen und wurde Ende Mai abgeschlossen. Der nun verurteilte Mann befindet sich laut der Medienmitteilung des Gerichts bereits seit mehr als sieben Monaten in Haft.Der Mann bestritt die Anklagepunkte. SVT Nyheter, das öffentlichrechtliche Fernsehen in Schweden, zitierte die Verteidigerin des Angeklagten. Laut ihren Angaben hat der Angeklagte lediglich versucht, den Traum seiner Frau zu verwirklichen – als Luxusprostituierte zu arbeiten.Medien ziehen derweil Parallelen zum «Fall Pelicot». Was der Französin Gisèle Pelicot widerfahren ist, sorgte weltweit für Erschütterung. Ihr damaliger Mann Dominique Pelicot mischte starke Beruhigungsmittel in ihr Essen und machte sie so widerstandsunfähig. Daraufhin missbrauchte er sie und liess auch zu, dass sich fremde Männer an ihr vergingen. Die Vergewaltigungen filmte Dominique Pelicot. Laut Schätzungen von Ermittlern soll es zwischen 2011 und 2020 zu mehr als 200 Vergewaltigungen gekommen sein. Dominique Pelicot wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Auch alle 50 mitangeklagten Männer wurden für schuldig befunden.In Schweden wurden neben dem Hauptangeklagten im selben Fall 29 weitere Personen beschuldigt. Ihnen wurde der Kauf sexueller Dienstleistungen vorgeworfen. Das Gericht verurteilte 28 Personen wegen insgesamt 56 Fällen. Zwei Personen wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt, eine zu einer Bewährungsstrafe, die restlichen Angeklagten erhielten bedingte Strafen.Nach der Urteilsverkündigung erreichte der Fall auch die Politik. Die schwedische Ministerin für die Gleichstellung der Geschlechter, Nina Larsson, schaltete sich über die Plattform X ein. «Schweden hat nun seinen eigenen Fall Pelicot» schrieb sie. Zuhälterei und Sexkauf müssten hart bestraft werden. «Der Kauf sexueller Dienstleistungen nährt einen Markt, auf dem Frauen ausgebeutet, bedroht und kontrolliert werden.»In Schweden ist der Kauf von Sex verboten. Der Verkauf von sexuellen Dienstleistungen steht jedoch nicht unter Strafe. Mit diesem sogenannten nordischen Modell sollen Prostituierte nicht zusätzlich kriminalisiert werden, Freier hingegen tragen die Verantwortung. In Schweden gilt ein solches Modell seit 1999.Passend zum Artikel
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Ein schwedisches Gericht hat einen Mann der schweren Zuhälterei schuldig gesprochen. Neben ihm sassen weitere 29 Personen auf der Anklagebank.











