Was auf der weltweit wichtigsten Kunstmesse angeboten wird, hat besonders hohe Relevanz. Mit der kunsthistorischen Bedeutung steigen auch die Preise.19.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenPablo Picassos Gemälde «Le peintre et son modèle dans un paysage» von 1963 wurde bei der Galerie Hauser & Wirth für 35 Millionen Dollar verkauft.© Succession Picasso / 2026, Pro Litteris, ZürichWelche Werke überdauern? Welche Namen verschwinden wieder von der Bildfläche und geraten in Vergessenheit? Die Zeit schreibt Kunstgeschichte. Die Zeit aber macht auch den Kunstmarkt. Das zeigt sich auf der Art Basel. Die renommierten Galeristen werden jedes Jahr sichtlich älter. Und auch an der Kunst nagt der Zahn der Zeit, hier allerdings in wertvermehrender Weise. Je weiter die Zeit voranrückt, desto mehr sinken grosse Künstlernamen in historische Tiefen zurück. Und gewinnen dadurch an Bedeutung und Prestige.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.So erhält die Präsentation von Kunst des 20. Jahrhunderts an der Art Basel Jahr für Jahr einen gediegeneren, auch gedämpfteren Anstrich. Dies insbesondere im Vergleich mit der oft quirlig-schrillen Gegenwartskunst. Sie bleibt immer gleich jung, denn Neues sprudelt wie aus einer nichtversiegenden Quelle aus den Ateliers von Kunstschaffenden in die Basler Messehallen. Die Werke der klassischen Moderne und der Nachkriegskunst aber werden jedes Jahr rarer und musealer.Teurer BaselitzJunge Künstler rücken nach. Grosse aber sterben. Das ist der Lauf der Dinge auch auf dem Kunstmarkt. Baselitz zum Beispiel: Der deutsche Kopfüber-Maler ist Ende April verstorben. Jetzt zeigt die Galerie Skarstedt an ihrem Stand ein Werk, das aus seinen besten Jahren stammt.«Sterne im Fenster» von 1982 erinnert an die berühmten «Orangenesser» von Baselitz. Das Werk ist eines aus einer Reihe von acht Gemälden. Fünf davon befinden sich in Museen, unter anderem in Japan, in Athen und im Metropolitan Museum in New York. Das Exemplar in Basel kostet 8 Millionen Euro.Spätere Bilder von Georg Baselitz sind günstiger zu haben. So etwa das Gemälde «Elisabethshände II» von 1997 mit auf dem Kopf stehenden Frauenfiguren und Blumen. Bei der Galerie Michael Werner kostet es 1,4 Millionen Euro. Die gespenstisch weiss leuchtenden Frauengestalten auf schwarzem Grund wiederum, auch sie kopfüber an der Wand hängend, liegen bei Thaddaeus Ropac mit 1,5 Millionen Euro in demselben Preisbereich. Dieses Bild ist 2019 entstanden und stammt aus dem Spätwerk des Künstlers.Dagegen nimmt sich das viel frühere Bild, die «Rote Mutter mit Kind» von 1985, geradezu preiswert aus. Für das Werk werden bei Edward Tyler Nahem 2,5 Millionen Dollar genannt. Die monumentale Komposition mit dicken, gestischen Farbschichten in fleischigen Rosatönen und leuchtendem Grün vor tiefem Blau und Schwarz ist ein charakteristisches Beispiel für Baselitz’ rebellische Maltechnik. Mit solchen Werken hat der deutsche Maler und Plastiker Kunstgeschichte geschrieben.Baselitz hätte indes kaum malen können, wie er malte, hätte nicht der grosse Picasso Vorarbeit geleistet. In dessen besonders gestisch-freiem Spätwerk klingt bereits an, wie später der deutsche Berserker unter den figurativen Malern der Nachkriegszeit zu Werk ging. Alles war wild und neu in Picassos Malerei der sechziger Jahre, ausser seine Motive. Dem klassischen Sujet von Maler und Modell blieb der Spanier zeit seines Lebens treu.Ein typisches Beispiel für den stillen Dialog zwischen malendem Mann (Picasso) und seinem Sujet (einer seiner Geliebten) hat die Zürcher Galerie Hauser & Wirth bereits am ersten Tag der Messe verkauft. Das Gemälde «Le peintre et son modèle dans un paysage» aus dem Jahr 1963 kostete 35 Millionen Dollar.Lego-Venus und schwarzes SchafIn dieser Preisklasse werden selbst an der Art Basel selten Kunstwerke angeboten. Ein solches ist jetzt bei Gagosian die riesige Bronzeskulptur «Large Four Piece Reclining Figure» von Henry Moore. Die golden leuchtende, stark abstrahierte liegende Figur, zusammengesetzt aus vier Segmenten, stammt von 1984 und ist eine von insgesamt acht Ausführungen. Die meisten davon befinden sich in öffentlichen Sammlungen. Die in Basel zum Verkauf stehende Version kostet 25 Millionen Dollar.So kostspielig ist Gegenwartskunst noch nicht. Selbst wenn auch hier grosse Namen gehandelt werden. Und auch dann nicht, wenn sie die Kunstgeschichte bemühen wie Ai Weiwei. Mit seinem grossen Bild aus Tausenden von Legosteinen greift er auf Giorgiones «Schlummernde Venus» zurück. Ob seine «Schlafende Venus mit Kleiderbügel» (2022) für 800 000 Euro so gut altert wie das Vorbild aus dem Jahr 1510 in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden?Fraglich ist auch, ob Damien Hirsts «Black Sheep» von 2007 überdauern wird. An der Art Basel muss man jetzt 3 Millionen Dollar dafür bezahlen. Das Studio des britischen Künstlers muss allerdings alle paar Jahre die Formaldehydlösung auswechseln, in der der Tierkadaver eingelegt ist. Hirsts schwarzes Schaf könnte leicht zum Problemkunstwerk werden.Art Basel, Messeplatz, Basel, bis 21. Juni.Passend zum Artikel