Alle reden darüber, wie man Wladimir Putin an den Verhandlungstisch bringen kann. EU-Ratspräsident António Costa ließ jetzt einfach mal in Moskau anrufen. Sein Alleingang wird in Brüssel als »Affront« gewertet.

19.06.2026, 05.16 Uhr

EU-Ratspräsident Costa (li.) mit Ukraines Präsidenten Selenskyj und Ursula von der Leyen

EU-Ratspräsident António Costa sorgt mit einer unabgesprochenen Kontaktaufnahme zu Russland für Verärgerung. Beim EU-Gipfel in Brüssel war nach den Beratungen zum Ukrainekrieg in deutschen Regierungskreisen von einem »Affront« die Rede. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe in der Sitzung klargestellt, dass Costa der Repräsentant der Europäischen Union sei, aber nicht der Vermittler, hieß es. Andere Staats- und Regierungschefs äußerten ebenfalls ihren Unmut, darunter auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Der Ärger überschattet einen Gipfel-Beschluss, der als Signal der Entschlossenheit an Moskau gedacht war. Die Staats- und Regierungschefs der 27 Mitgliedstaaten verständigten sich erstmals darauf, die EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland nicht nur um sechs, sondern um zwölf Monate zu verlängern. In den vergangenen Jahren hatte stets der damalige ungarische Regierungschef Viktor Orbán eine einjährige Verlängerung blockiert.