Wer sich am Freitag, also gleich zum Auftakt der dann noch bis Montag dauernden Mainzer Johannisnacht, ins Riesenrad am Rheinufer traut, kann sich dort ausnahmsweise sogar trauen lassen. Denn das Mitsommer-Angebot der evangelischen Kirche – „einfach heiraten“ – ist in diesem Fall beinahe wörtlich zu nehmen. Zumindest einen Segensspruch dürfen sich Paare aller Art, ob gleichgeschlechtlich, hetero oder queer und ganz gleich welcher Religion, bei dieser Gelegenheit abholen. Und können so beispielsweise ein einst gegebenes Eheversprechen noch einmal erneuern.Wer sich bei einer kurzen Gondelfahrt mit einem Pfarrer, was laut Dekanat Mainz ohne Voranmeldung am Freitag zwischen 12 und 16 Uhr möglich ist, tatsächlich das Jawort geben möchte, muss allerdings eine standesamtliche Trauurkunde und die Personalausweise dabeihaben. Und wenigstens einer der beiden Heiratswilligen sollte bei einer kirchlichen Trauung im Riesenrad, gerne auch mit dazugehöriger Hochzeitsgesellschaft, schon evangelisch sein.Antiquarische Bücher und neuer WeinAlle anderen Programmpunkte des viertägigen Volksfestes, das in guten Jahren bis zur finalen Drohnenshow am Montagabend gut eine halbe Million Besucher nach Mainz lockt, lassen sich dagegen wie immer unabhängig von Alter, Religion und Nationalität genießen. Das gilt etwa für den antiquarischen Büchermarkt, der zum mittlerweile 40. Mal rund um die Kabarettbühne auf dem Ballplatz ausgerichtet wird. Aber auch für den Künstlermarkt und die Kulinarik-Meile auf der Flusspromenade, die sich am Samstagnachmittag noch dazu besonders gut dafür eignet, vom Ufer aus die Johannisnacht-Segelregatta im Auge zu behalten. In der Altstadt selbst finden sich links und rechts der Ludwigsstraße zudem mehrere Bühnen, zwei Weindörfer – auf dem Marktplatz und dem Leichhof – sowie etliche Stände und Fahrgeschäfte.Noch dazu werden Gäste in der City am Wochenende von mehreren Straßenkünstlern überrascht, die laut Ankündigung wahlweise als Musiker und Akrobaten oder als Geschichtenerzähler in der Stadt unterwegs sein sollen. Und selbstredend dürfte es bei deren kurzen Auftritten immer wieder auch um das Leben des erfindungsreichen Johannes Gutenberg gehen, der Mitte des 15. Jahrhunderts das Buchdrucken mittels beweglicher Metalllettern entwickelt und so für eine Medienrevolution gesorgt hat.Was ihm posthum den 1998 von amerikanischen Journalisten verliehenen Ehrentitel „Man of the Millennium“ einbrachte. Schließlich hatte der Mainzer seinerzeit den Weg für eine deutlich schnellere und günstigere Produktion von Büchern bereitet und damit nicht zuletzt das bis dahin geltende Bildungsmonopol des Klerus aufgehoben.Mit diesem Wissen ist letztlich wohl auch das am Samstag von 16 Uhr an zu erlebende öffentliche Gautschen auf der Hauptbühne am Liebfrauenplatz besser zu verstehen: Bei der „Buchdruckertaufe“ werden vor allem junge Mediengestalter und Schriftsetzer zum Ende der Ausbildung von kräftigen Packern in einen gut gefüllten Wasserbottich geworfen, um auf diese Weise von den Sünden der Lehrzeit befreit zu werden. Und man müsste sich nicht groß wundern, falls es dieses Mal außerdem den neuen Mainzer Festdezernenten, Ludwig Holle von der CDU, erwischen sollte.Wer es eher geruhsam mag, kann sich zuvor schon an einem Preisquadräteln genannten mittelalterlichen Würfelspiel versuchen, bei dem Gevierte, also kleine, quaderförmige Bleistücke, zum Einsatz kommen. Oder aber sich auf die Suche nach selten schönen Randerscheinungen begeben, wie dem nur am Sonntag von 15 bis 18 Uhr zu erlebenden Kinderprogramm im Hof der Maria-Ward-Schule am Ballplatz. Dort kann dann unter Anleitung gebastelt, Papier geschöpft und gerne auch gedruckt werden.Näheres zum Programm unter www.mainzer-johannisnacht.de.
Mainzer Johannisnacht 2026: Heiraten im Riesenrad
In Mainz wird vier Tage lang die Johannisnacht gefeiert. Zum Sommeranfang, aber auch zu Ehren des berühmtesten Sohnes der Stadt, des Erfinders Johannes Gutenberg.










