Der Spezialchemiekonzern Evonik will weitere 3200 Stellen bis zum Ende des Jahres 2029 abbauen, davon sind 2150 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen. Das teilte das Essener Unternehmen am Donnerstag mit. „Die weltpolitische Lage ist unsicher, und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach. Zugleich wird der internationale Wettbewerb immer härter“, ließ sich der Vorstandsvorsitzende Christian Kullmann in der Mitteilung zitieren. „In diesem Umfeld müssen wir stärker werden. Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand und wollen unsere Chancen nutzen.“Der Stellenabbau schließt nahtlos an ein schon laufendes Programm an: Seit Oktober 2023 baut sich das Unternehmen unter dem Titel „Evonik Tailor Made“ um. Nach diesen Vorgaben werden bis zum Jahresende 2026 rund 2800 Stellen abgebaut. Mit dem Effizienzprogramm wollte Evonik rund 400 Millionen Euro an Kosten im Jahr sparen. Während das erste Programm allerdings darauf ausgelegt war, die Zahl der Führungskräfte zu reduzieren und die Führungsebenen einzudampfen, läuft das neue, jetzt verkündete Sparprogramm über alle Geschäfts- und Verwaltungseinheiten hinweg.Grob gesagt betrifft das Programm zehn Prozent der Belegschaft im Konzern, Deutschland ist überproportional betroffen, weil hierzulande auch die meisten Mitarbeiter sitzen, von den rund 32.000 etwas mehr als 20.000 Beschäftigte. „Der Stellenabbau wird auch künftig sozialverträglich gestaltet“, sagte Personalvorstand und Arbeitsdirektor Thomas Wessel. „Die Details dazu werden in den kommenden Wochen mit den Sozialpartnern ausgearbeitet.“ Betriebsbedingte Kündigungen sind in dem Unternehmen noch bis ins Jahr 2032 ausgeschlossen.Schichtgrößen werden verkleinertWie hoch die Kosten für den Umbau sein werden, bezifferte der Konzern zunächst nicht. Auch nicht, über welche Abfindungen oder andere Regelungen der Stellenabbau vollzogen werden soll. Das Unternehmen hat in früheren Abbauprogrammen auch davon profitiert, dass viele Mitarbeiter aus den geburtenstarken Jahrgängen in Rente gegangen sind. Jetzt könnten auch Schichtgrößen reduziert werden, etwa wenn bestimmte Anlagen durch Fortschritte in der Digitalisierung mit weniger Arbeitskräften gesteuert werden können. In der Mitteilung heißt es, dass „erhebliches Potential“ auch durch Outsourcing gesehen werde, zudem werde geprüft, Produktion ins Ausland zu verlagern.Entschieden ist, dass Evonik sein Polyestergeschäft einstellt, was in Deutschland die Standorte Witten und Marl trifft und in China den Standort Shanghai. Das Geschäft steht für einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro, seit Jahren sei es nicht mehr profitabel, heißt es von Evonik. In Witten wird der Standort mit 266 Beschäftigten im Jahr 2027 komplett geschlossen, in Marl fallen 45 Stellen weg, in Shanghai 35.„Wirtschaftlich alternativlos“„Das Polyestergeschäft zu beenden und die Produktion zu schließen, ist ein wirtschaftlich alternativloser Schritt“, sagte Lauren Kjeldsen, die im Vorstand für das Segment zuständig ist. „Der globale Wettbewerbsdruck, strukturelle Nachteile in Europa und eine sich verringernde Marktdynamik haben dazu geführt, dass keine der untersuchten Alternativen für Evonik wirtschaftlich dauerhaft tragbar gewesen wäre.“Evonik hat im Jahr 2025 rund 14,1 Milliarden Euro umgesetzt, das entspricht einem Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis lag mit 1,9 Milliarden Euro rund neun Prozent unter dem Vorjahreswert. Insgesamt schrumpft der Essener Spezialchemiekonzern seit Jahren, was auch daran liegt, dass er sich enorm umbaut. So hat Evonik sein früheres Segment „Performance Materials“ aufgelöst, dazu gehörte etwa der Verkauf eines Standorts in Köln, auch das Geschäft mit Superabsorbern, die etwa in Windeln eingesetzt werden, hatte das Unternehmen verkauft.Das Geschäft mit der C4-Chemie ist noch nicht abgestoßen. Es ist aber schon lange als Verkaufskandidat geplant. Dazu gehören etwa Treibmittel in Haarsprays, Weichmacher für PVC oder Rohstoffe für die Reifenindustrie. In der Oxeno GmbH im Chemiepark in Marl arbeiten rund 1000 Mitarbeiter.Weitere gut 3500 Mitarbeiter könnten das Unternehmen verlassen, wenn Evonik sein Infrastrukturgeschäft für die Chemieparks in Marl und Wesseling abgibt. Zum Jahresbeginn hatte das Unternehmen das Geschäft, in dem es etwa um die Betreuung der Anlagen und Pipelines geht, sowie Abfall- und Abwasserversorgung, in die eigenständige Syneqt GmbH überführt. Derzeit wird überlegt, ob das Geschäft ganz oder in Teilen verkauft wird.Wenn alle diese Schritte auch bis 2030 vollzogen wären, hätte Evonik in Summe rund 10.000 Beschäftigte weniger als noch sieben Jahre zuvor. Damals waren es noch rund 34.000 Mitarbeiter.