Die Elfenbeinküste verleiht der klassischen 4-4-2-Formation neuen Schwung, weil sie sie mit viel Bewegung sowohl der zwei Außen- als auch der zwei Mittelstürmer ausspielt. So wird die Doppelspitze nicht nur für Flankenspiel eingesetzt, sondern häufig mit scharfen Pässen „an“ die letzte Linie heran. Das bedeutet, dass die Zuspiele vor die Abwehrkette in den Fuß der Stürmer gehen und nicht dahinter in die Tiefe. Die Angreifer setzen ihren Körper ein, um den Ball auf nachrückende Kollegen abzulegen oder sich explosiv um Gegenspieler herumzudrehen. Gerade in einer Viererkette müssen dadurch die beiden Innenverteidiger die beiden ivorischen Mittelstürmer meist ohne Absicherung verteidigen und stehen so unter ständigem Druck.Die gute Nachricht für die deutsche Mannschaft: Mit Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck verfügt Deutschland in der Innenverteidigung über zwei kantige und schnellkräftige Spielertypen, die den Stürmern der Elfenbeinküste körperlich Paroli bieten können. Auch die neue Doppel-Sechs aus Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha ist physisch stark genug, um schnell wieder hinter den Ball zu kommen, sobald der Gegner schnell und direkt nach vorne spielt. So können sie helfen, die gegnerischen Angreifer „von oben“, also in der Rückwärtsbewegung Richtung eigenes Tor, zu doppeln.Während Deutschland die zentralen Angreifer gut im Griff haben sollte, drohen auf den Flügeln die größten Bauchschmerzen. Leipzigs Yan Diomande ist der ivorische Unterschiedsspieler und leitet zahlreiche Angriffe mit seinen Dribblings ein. Ob links oder rechts – seine Mitspieler versuchen ihn immer wieder in Eins-gegen-eins-Situationen zu schicken. Die Duelle gegen die Außenverteidiger Nathaniel Brown oder Joshua Kimmich könnten ein Knackpunkt werden. Nicht nur in der Geschwindigkeit, sondern auch bei Richtungswechseln hat Kimmich klare Nachteile gegen Diomande. Der DFB-Kapitän ist aber ein Spieler, der Bewegungsmuster des Gegners gut lesen und sich mit der Zeit in solche Duelle hineinarbeiten kann.Keine Angst vor dem AngriffspressingDamit Kimmich und Brown gar nicht so oft im Eins-gegen-eins verteidigen müssen, wird es für Deutschland darauf ankommen, Ruhe und Kontrolle ins Spiel zu bringen. Allein, dass die Elfenbeinküste mehr Angriffspressing spielen wird als zuletzt Curaçao, ist für das DFB-Team unangenehm. Die Systematik aber, wie die Ivorer das Pressing über weite Strecken gegen Ecuador ausgeführt haben, würde Deutschland in die Karten spielen. Anstatt überall Mann gegen Mann zu verteidigen, hatten die Stürmer die Aufgabe, auch den zentralen Sechser zu beachten. Dadurch erhielt Ecuadors Torhüter mehr Zeit für den Spielaufbau und die Innenverteidiger mehr Raum. Wenn die Elfenbeinküste abermals so anläuft, werden Manuel Neuer und Co. die Situationen gut auflösen können. Dann hätte Deutschland leichte Übergänge von Abstößen in ruhige Ballbesitzphasen. Eine komplette Manndeckung wäre wesentlich komplizierter zu bespielen.Im weiteren Verlauf eines Angriffs kommt das ivorische 4-4-2 der deutschen Mannschaft ebenfalls entgegen. Wenn die DFB-Auswahl in einen Dreieraufbau mit Kimmich und den beiden Innenverteidigern übergeht, dürfte die Elfenbeinküste diese Struktur spiegeln, wie sie es gegen Ecuador tat. Indem sowohl Kimmich in der Aufbaulinie als auch Brown weiter vorne „enge“ Positionen einnehmen, würden die ivorischen Flügel nach innen gezogen und damit die Passwege nach außen, etwa zu Leroy Sané und Florian Wirtz, frei. Deutschland dürfte seine beiden Flügelstürmer also gut ins Spiel bekommen. Gerade das Andribbeln von Wirtz war gegen Curaçao Ausgangspunkt der besten Spielzüge. Weichen auch Kai Havertz oder Jamal Musiala weit aus auf den rechten Flügel, könnte das die Elfenbeinküste ebenfalls vor Probleme stellen.Zuletzt offenbarte die ivorische Defensive außerdem Schwächen im Rückraum, weil die Viererkette sich zu schnell zurückfallen ließ. Das verspricht gute Aussichten für das DFB-Team, das diesen Bereich gegen Curaçao geschickt besetzte. Dort lauerten Musiala, später Deniz Undav, und auch Nmecha rückte regelmäßig nach.