Die Schweiz und Deutschland fallen bei der globalen Wettbewerbsfähigkeit zurück. Doch zwischen den Ländern liegen WeltenIm globalen Vergleich gehört die Schweiz zu den konkurrenzfähigsten Standorten der Welt, für Deutschland gilt das immer weniger. Doch jetzt zeigt auch die Eidgenossenschaft eine Schwäche. Beim Kriterium «wirtschaftliche Leistungsfähigkeit» ist das Land abgestürzt.18.06.2026, 09.00 Uhr4 LeseminutenDie Schweiz ist im globalen Vergleich immer noch sehr konkurrenzfähig, könnte in den kommenden Jahren aber weiter zurückfallen.Annick Ramp / NZZFür die Attraktivität und den Wohlstand eines Landes spielt die globale Wettbewerbsfähigkeit eine wichtige Rolle. Bei diesem Kriterium war die Schweiz in den vergangenen Jahren immer unter den Top 3 im jährlich erscheinenden Ranking der staatlichen Wettbewerbsfähigkeit, das von der Lausanner Business-Schule IMD erhoben wird. Das gilt auch für dieses Jahr, allerdings ist die Schweiz von Platz 1 auf 3 zurückgefallen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.An der Spitze steht Singapur, auf Rang 2 notiert ganz knapp vor der Schweiz noch Hongkong. Volkswirtschaften mit starken Institutionen würden das Ranking anführen, schreibt das IMD dazu. Deutschland ist nicht einmal mehr unter den besten 20, das Land verschlechterte sich um vier Ränge auf Platz 23. Diese Entwicklung passt zu dem generellen Trend, dass vor allem westeuropäische Länder an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben.Die USA und China verbessern sichLaut IMD zeigt sich darin die Wirkung der geopolitischen Spannungen im vergangenen Jahr. Europäische Staaten wie die Schweiz, Deutschland und Dänemark hätten deshalb im Vergleich zu den aufkommenden asiatischen Ländern an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst. Zu den Staaten mit den grössten Sprüngen nach vorn gehörten jedoch Polen und Luxemburg.In einer Welt im Umbruch habe mit Singapur ein Land mit einer starken Regierung schneller und stärker reagieren können als ein Land wie die Schweiz, wo die Regierung eher eine schwache Stellung habe, schreiben die Autoren des World Competitiveness Report. Dazu komme ein genereller Aufschwung der sich schnell entwickelnden asiatischen Länder.Ernüchternder als die Momentaufnahme für das Jahr 2026 ist jedoch die Analyse von Arturo Bris. «Ich sehe ein langsames Abgleiten der Schweiz in Sachen Wettbewerbsfähigkeit für die nächsten Jahre voraus», sagte der IMD-Studienleiter und Wirtschaftsprofessor. Die Ursachen dafür sind aus seiner Sicht die Fragmentierung der Welt und die Belastungen in den internationalen Beziehungen. Zudem habe das Land bisher gut von der Schwäche anderer Staaten profitiert und von seiner Stellung in Europa – halb in der EU und halb draussen. Beides funktioniert aus Sicht der Westschweizer Forscher immer weniger.Ein weiterer wichtiger Faktor sei, dass die Schweiz im technologischen Wettkampf international kaum noch eine Rolle spiele. Laut IMD findet das Wettrennen um die künstliche Intelligenz (KI) fast ausschliesslich zwischen den USA und China statt. Die Schweiz müsse hier aufholen, die anderen Länder Europas spielten dabei nicht mit.Das IMD-Ranking basiert auf vier Hauptkriterien: der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der Effizienz des Staates, der Effizienz der Unternehmen und der Güte der Infrastruktur. Fast unschlagbar ist die Schweiz bei der Effizienz der Regierung und der Infrastruktur. Hier notiert das Land seit fünf Jahren stets auf Platz 1. Bei der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist die Eidgenossenschaft allerdings dieses Jahr von Platz 13 auf 37 abgestürzt. Dies war entscheidend dafür, dass das Land insgesamt auf Platz 3 zurückgefallen ist.Ausschlaggebend für den Rückgang bei diesem Kriterium war der starke Einbruch der Direktinvestitionen. Hier zeige sich, dass selbst die stärkste Wirtschaft anfällig für geopolitische Schocks und Veränderungen der Kapitalflüsse sei, heisst es. Negativ wirkten sich darüber hinaus die hohen Lebenshaltungskosten und Benzinpreise sowie die Entwicklung der Beschäftigung aus. Bei der wirtschaftlichen Performance notierte die Schweiz allerdings schon im Jahr 2020 auf Platz 30, sie konnte sich dann aber sukzessive verbessern.Das IMD-Ranking spiegelt die Sicht des Privatsektors. In das Ranking fliessen Hunderte von harten Faktoren sowie Umfragen unter Managern ein. Es ist also keine exakte Wissenschaft, bietet aber eine gute Annäherung an die tatsächlichen Verhältnisse. In den vergangenen Jahren hatte sich oft gezeigt, dass kleine Länder flexibler und wettbewerbsfähiger sind als grosse. Dies könnte man unter die Überschrift stellen: kleine Länder, kleine Probleme – grosse Länder, grosse Probleme.Auffällig ist im diesjährigen Ranking jedoch, dass sich mit den USA und China die beiden weltgrössten Volkswirtschaften beide verbesserten, die USA um drei Plätze auf Rang 10 und China um vier Plätze auf Platz 12. Das IMD rechnet damit, dass es beide Länder in den kommenden Jahren in die Top Ten schaffen werden.Deutschland rutscht im Ranking weiter abFür Deutschland bestätigte sich, was für interne und externe Beobachter schon lange offenkundig ist. Die Standortfaktoren haben in den vergangenen Jahren stark nachgelassen. 2014 lag Deutschland im Ranking noch auf Platz 6, danach ging es schrittweise bergab. Dabei handelt es sich nicht nur um ein Imageproblem, sondern auch um die Entwicklung von harten Fakten, etwa das Ausmass der Bürokratie, die Steuerbelastung und die hohen Energiekosten. Allerdings liegt das Land noch knapp vor dem Vereinigten Königreich (24) und klar vor Frankreich (36). Österreich ist von Platz 26 auf 29 abgerutscht.Zu den diesjährigen Gewinnern zählen Länder am Persischen Golf, nämlich die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudiarabien, Bahrain, Oman und Kuwait, die sich allesamt verbesserten. Lediglich Katar fiel zwei Plätze zurück. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass das neuste Ranking auf Zahlen aus dem Jahr 2025 basiert.Die Folgen der Ereignisse im Nahen Osten mit dem Krieg der USA und Israels gegen Iran sind noch nicht in den Bericht eingeflossen. Hier wird es spannend sein, zu sehen, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder im kommenden Jahr darstellen wird.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.Passend zum Artikel
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