Als Christian Lindner (FDP) noch Bundesfinanzminister war, mahnte er oft, dass Deutschland stetig an Wettbewerbsfähigkeit verliere. Dabei hob er auf die Rangliste der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt ab, die das IMD World Competitiveness Center (WCC) jedes Jahr erarbeitet.Die 38. Ausgabe dieser Studie ist nun herausgekommen. Demnach ist Deutschland auf Rang 23 zurückgefallen. Das ist ein Rückschlag gegenüber dem Vorjahr, als die deutsche Wirtschaft um drei Plätze auf Rang 19 nach oben geklettert war. Dies war der erste Aufstieg seit vielen Jahren, aber immer noch deutlich entfernt von früheren Platzierungen. Im Jahr 2022 lag Deutschland noch auf Rang 15, im Jahr 2014 auf Rang 6.Das WCC gehört zur privaten Wirtschaftshochschule IMD im schweizerischen Lausanne. Das Ranking basiert auf mehr als 250 Indikatoren in vier Säulen (Wirtschaftsleistung, Infrastruktur sowie Effizienz der Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung). Es kombiniert Statistiken mit Daten und Aussagen aus Umfragen unter Führungskräften aus aller Welt.Auf einer Pressekonferenz führte der Studienleiter und IMD-Finanzprofessor Arturo Bris das schwächere Abschneiden Deutschlands auf Sonderfaktoren zurück. Als einer der größten Exporteure in der Europäischen Union sei Deutschlands Wirtschaft im vergangenen Jahr besonders heftig von Donald Trumps Zöllen getroffen worden. Vier Plätze nach unten zu rutschen, sei aber kein gravierender Rückgang, sagte Bris.Aus der Einzelauswertung in der Studie geht hervor, dass es vor allem die hohen Steuern sind, welche die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft beeinträchtigen. Als Mühlstein erwiesen sich zudem der Preisanstieg und Defizite in der Infrastruktur, womit hauptsächlich die Leistungsfähigkeit der Deutschen Bahn gemeint ist. Gemessen an der Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 lag Deutschland mit einem mageren Plus von 0,2 Prozent auf Rang 66 der 70 analysierten Länder.In der Gesamtbetrachtung der Studienergebnisse stellte Arturo Bris fest, dass es im Wettlauf um Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand heute weniger um Kosten und Größe gehe als vielmehr um Rechtsstaatlichkeit und um Schutz durch Regulierung. Die fünf führenden Länder in der Rangliste sind kleine Volkswirtschaften (siehe Tabelle). Die neue Nummer eins ist Singapur, gefolgt von Hongkong und der Schweiz.Dass die Vereinigten Arabischen Emirate unverändert auf Platz fünf stehen, ist insofern zu relativieren, als die ökonomischen Bremseffekte aus dem Irankrieg noch nicht eingerechnet wurden. Je nach Ausmaß der Abhängigkeit von Energielieferungen über die Straße von Hormus dürften auch andere Länder schlechter abschneiden als vom IMD nun dargestellt.Dass die Eidgenossenschaft ihren vorjährigen Platz an der Spitze der Rangliste verloren hat, führte Bris auf die hohen Lebenshaltungskosten, den starken Franken, geringere Direktinvestitionen und die amerikanischen Zölle zurück. Trump hatte der Schweiz einen Zollsatz von 39 Prozent aufgedonnert, den er erst im November auf das EU-Niveau von 15 Prozent senkte. Bris beschrieb die Schweiz als Opfer ihres Alleingangs und riet ihr dazu, künftig mehr mit der EU zu kooperieren, um in der Rangliste nicht weiter abzufallen.Die USA stiegen von Platz 13 auf Rang 10, was vor allem einer verbesserten Stimmung unter den Führungskräften geschuldet war. Die Autoren der Studie warnen jedoch davor, dass sich das Geschäftsklima möglicherweise schneller verbessert als die zugrunde liegenden fiskalischen und handelspolitischen Fundamentaldaten. Dies werfe die Frage auf, ob der Aufschwung nachhaltig sein könne.
IMD WCC Ranking: Die deutsche Wirtschaft ist weniger wettbewerbsfähig
Deutschland gerät im internationalen Standortwettbewerb wieder ins Hintertreffen. Das liegt auch an den hohen Steuern. Wegen Trumps Zöllen und der hohen Kosten verliert die Schweiz ihre Spitzenposition an Singapur.









