Am Anfang steht da nur ein einsamer Trompeter im weißen Anzug und spielt „La Vie en rose“ von Edith Piaf. Eine Stunde später schießen Flammen aus dem Bühnenboden, und die Ordner der Berliner Uber Arena verteilen Becher mit Wasser unter den Zuschauern. Was nach einem schlechten Katastrophen-Film klingt, ist in Wahrheit das reibungslos ablaufende Konzert der US-amerikanischen Rapperin und Sängerin Doja Cat beim vorletzten Europa-Stop ihrer Welttour.Mit ihrem 2025 erschienenen Album „Vie“ (französisch für „Leben", zugleich phonetisch die römische Fünf für ihr fünftes Album) lenkt Doja Cat nach dem Rap-Ausflug „Scarlet" zurück in den Pop, genauer in Richtung funky Disco-Groove der Achtziger. Ganz in diesem Zeichen beginnt auch der Abend in Berlin.

Doja Cat beschwört 80er Jahre Disco

Die Bühne besteht aus einem Podest bunt leuchtender LED-Würfel, auf dem Doja Cat zusammen mit ihrer Band die Hüften kreisen lässt und die Uber Arena in eine riesige Retro-Disco verwandelt. Edith Piaf verschwimmt schon nach ein paar Akkorden mit dem Beziehungssong „Lipstain“. Kopfstimme hier, funky Gitarrenriff da, sogar kitschige Saxofon-Soli gibt es in diesem ersten Teil der Show.Und trotzdem ist Doja Cat natürlich auch hier schon ihr eigener Featuring-Artist, wenn sie in ihr Rap-Alter-Ego wechselt und mit flirtendem Humor ihre raptypischen Ansagen macht („He ain't hungry for money, I told him, ‚Come eat the rich‘“). Auch wenn ihr virtuoser Rap, der einer Nicki Minaj in nichts nachsteht, live ein klein bisschen weniger virtuos ist, präsentiert sie so von Anfang an einen hochenergetischen Mix von RnB, HipHop und Disco, der beim überwiegend jungen Publikum Begeisterungsstürme auslöst.