PfadnavigationHomePolitikDeutschlandAnimal Rebellion„Terroristen“ – Geldstrafe für Aktivisten nach Attacke auf Hof von CSU-BauernpräsidentStand: 02:24 UhrLesedauer: 3 MinutenMitglieder der Protestgruppierung Animal Rebellion auf dem Hof des Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes FelßnerQuelle: ---/dpaEin Mann entgeht einer Strafe, weil er mit einer Presseweste vor Ort war. Der bayerische Bauernpräsident sprach vom Überschreiten aller Grenzen und verzichtete nach der Attacke auf den von CSU-Chef Söder zugesagten Ministerposten.Mehr als ein Jahr nach den Protesten auf dem Bauernhof des damals von der CSU als Bundeslandwirtschaftsminister vorgesehenen Bauernfunktionärs Günther Felßner sind fünf Aktivisten der Gruppe Animal Rebellion verurteilt worden. Das Amtsgericht Hersbruck verurteilte die Angeklagten wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs zu Geldstrafen zwischen 1200 Euro bis 2000 Euro, wie eine Justizsprecherin am Mittwoch in Nürnberg sagte.Die fünf Beschuldigten wurden zu Strafen von 40 bis 60 Tagessätzen verurteilt. Angeklagt in dem Prozess waren sieben Männer und Frauen. Im Fall einer Frau wurde das Verfahren abgetrennt. Im Fall eines Mannes gab es keine Verurteilung, da dieser Angeklagte mit einer Presseweste vor Ort war und nicht zu widerlegen gewesen sei, dass der Mann tatsächlich ein freier Pressevertreter war.Die Verurteilten hatten eingeräumt, mit weiteren Tatverdächtigen am 24. März vergangenen Jahres auf den Bauernhof Felßners eingedrungen zu sein, dort Pyrotechnik gezündet und mit Bannern und Plakaten gegen dessen Ernennung zum Bundesminister protestiert zu haben. Der bayerische Bauernpräsident sprach nach der Attacke auf seinen Hof von einem Überschreiten aller Grenzen und verzichtete auf den von CSU-Chef Markus Söder zugesagten Ministerposten.Lesen Sie auchIn der Sache gibt es noch drei weitere Beschuldigte, gegen die gesondert verhandelt wird.Bayerns Bauernpräsident Felßner hatte die an der Protestaktion von „Animal Rebellion“ Beteiligten als „Terroristen“ bezeichnet. „Ich halte es für einen terroristischen Akt“, sagte der CSU-Politiker. Die Aktivisten seien bereit gewesen, Gewalt anzuwenden und gegen Gesetze zu verstoßen, um ihr Ziel zu erreichen. „Meine Familie ist überfallen worden“, so Felßner.Lesen Sie auchEin Ermittler der Kriminalpolizei sagte jedoch auf Nachfrage des Richters, dass er keine Gewaltbereitschaft bei den Aktivisten festgestellt habe. Es sei nach seinem Eindruck um Aufmerksamkeit und Medienwirksamkeit gegangen, sagte er. Ihm sei nicht bekannt, dass Gewalt – weder verbal noch physisch – angedroht worden sei. „Leben ist nicht mehr das Gleiche“Für Familie Felßner hatte der Protest auf dem Rindmastbetrieb in Lauf an der Pegnitz weitreichende Folgen. „Diese Aktion war direkt gegen mich und meine Familie gerichtet“, sagte der 59-Jährige vor Gericht. Und: „Das Leben ist nicht mehr das Gleiche für uns.“ Seine Frau sei bis heute gesundheitlich beeinträchtigt. Doris Felßner sagte vor Gericht, der Vorfall beschäftige sie bis heute. Sie habe nach wie vor Angst, wenn sie im Rinderstall arbeite. Damals sei sie so in Panik gewesen, dass sie der Polizei am Telefon nicht richtig habe schildern können, was passiere. Die Polizei habe sie deshalb zunächst gar nicht ernst genommen. Alle Beschuldigten hatten im Prozess betont, dass es sich um einen friedlichen Protest gehandelt habe. Man habe niemanden erschrecken oder ängstigen wollen.Nach der Protestaktion war bekanntgeworden, dass das Veterinäramt bei einer Kontrolle auf Felßners Hof Mängel bei der Tierhaltung festgestellt hatte, etwa bei Einstreu und Entmistung. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte Anzeige erstattet, nachdem sie anonymes Videomaterial aus dem Stall erhalten hatte. Die Staatsanwaltschaft stellte später die Ermittlungen ein. Lesen Sie auchFelßner erklärte damals, die Mängel umgehend behoben zu haben. Vor Gericht sagte er nun, dass Bretter als Abtrennung zwischen Kälberboxen auf Vorschlag der Behörde gegen Metallrohre ausgetauscht worden seien. Die Kälber, die auf den Aufnahmen im schlechten Zustand zu sehen gewesen seien, stammten aus einem Betrieb mit schlechter Tierhaltung. Er habe diese aufgenommen, um sie aufzupäppeln.dpa/afp/saha